Nach seinem Abitur in Elektronik studierte Thierry Muller in seiner damaligen Heimatstadt Straßburg Journalismus, wurde aber sofort ins aktive Leben gerufen und begann seinen Start ins Berufsleben im Marketing. „Meine doppelte Kompetenz in Technik und Journalismus hat mir dabei viel geholfen“, sagt Muller, den seine berufliche Laufbahn dann - er arbeitete in verschiedenen Branchen, von der Gesundheitspflege bis hin zur Luxus-Verpackungsbranche - nach verschiedenen Stationen in Europa in die USA sowie Australien führte. Kurz darauf, etwa 1999, entstand die Idee zu MaPS, um eine Komplettlösung für „Marketing Master Data Management Multichannel“ zu bieten - und die dann mit dem Label „Eurostars für innovative Europäische Projekte“ ausgezeichnet wurde.
Was ist MaPS?
Thierry Muller Das luxemburgische Unternehmen MaPS ist der Softwareanbieter von „MaPS System“, das durch die Zentralisierung und Verwaltung aller Businessdaten die Effizienz des Managements übergreifend von Web, Mobile, Print etcetera steigert.
In den späten Neunzigern begannen Firmen, zunehmend mehr Systeme, Software-Programme und Tools zu nutzen wie etwa für Customer Relationship Management, Public Relations und insbesondere solche für Marketingzwecke. Ich realisierte, wie groß die Herausforderung dahinter war, in einer Multichannel-Umgebung zu agieren und zu vermarkten, während man zeitgleich komplexe Datenstrukturen - und die daraus resultierenden, zerstreuten Daten - verwalten musste. Ich entwarf erste Ideen zum Thema Multichannel-Marketing und entwickelte 2005 die erste Version von MaPS System unter der französischen Agentur Prem1um S.A.. 2011 entschied ich dann, MaPS System als eigenständige Marke zu etablieren und gründete dazu in Luxemburg MaPS S.A., den Herausgeber der Software.
War die Gründung in Luxemburg schwer?
Muller Ganz im Gegenteil, Luxemburg ist ein idealer Gründungsort! Das Land bietet viele Vorteile für Startups und Entrepreneure und betreut diese während allen Phasen der Projektentwicklung: Inkubatoren, Fablabs, Coworking Platforms, Business Mentoring… Wir hatten die Möglichkeit, für das Eurostars-Programm - heute „Technoport“ - ausgewählt zu werden, das als Teil des luxemburgischen Wirtschaftsministeriums und Luxinnovation innovative europäische Projekte unterstützt. Wir zogen daraus viele Vorteile, wie beispielsweise Hilfen bei der internen Organisation, bei administrativen Bedürfnissen oder auch wenn es darum ging, Teil eines dynamischen Ecosystems und Netzwerkes zu sein. Als Standort in Luxemburg liegen wir außerdem strategisch gesehen im Herzen Europas, was eine Expansion am europäischen Markt begünstigt.
Sie führten ein Fundraising für die Anfangsfinanzierung durch? Warum kein Bankdarlehen?
Muller Da Banken einem jungen Startup mit hoher Wahrscheinlichkeit kein Bankdarlehen gewähren, ohne gewisse Bedingungen zu stellen, haben wir davon abgesehen. Zunächst fordern Banken Eigenkapital, welches für uns damals auf 50 Prozent der Investmentsumme festgelegt war. Des weiteren werden gemeinsam Unternehmensziele definiert, die innerhalb eines Zeitrahmens erreicht werden müssen. Sofern das Unternehmen diese nicht wie geplant realisiert hat, kann es zu der Beendigung der Fremdfinanzierung führen.
Der unabhängigere Weg ist daher der des Fundraising, denn der ausgewählte Markt ist in einem sehr dynamischen Umfeld, in dem kurze Entscheidungswege und schnelles Handeln essentiell sind. Das hohe Startkapital, das vonnöten ist, um europaweit beziehungsweise international zu expandieren, gewannen wir deshalb durch Fundraising.
Es war aber auch ein Sprung ins kalte Wasser.
Muller Definitiv, es ist immer ein Sprung ins kalte Wasser, verbunden mit hohen Risiken! Man muss selbst sehr viel Zeit und Energie investieren, um die Idee zu vermarkten und andere davon zu überzeugen - insbesondere wenn hohe Konkurrenz am Markt herrscht. Das verlangt ein Team mit viel Durchhaltevermögen und Motivation, das mit einem die gleiche Vision teilt, denn bis zu dem eigentlichen Fundraising vergehen viele Monate, ja mehr als ein Jahr.
Wie hat sich das Geschäft seitdem entwickelt?
Muller 2011 wurde MaPS unabhängig von Prem1um und agiert seitdem als eigenständige Aktiengesellschaft. Das Geschäft entwickelte sich seitdem sehr rasant: Anfänglich waren wir zu acht, heute sind wir über 30 Mitarbeiter. Wir fingen mit dem französischen Markt an und arbeiteten uns weiter vor in die Beneluxländer sowie nach Deutschland. Zahlreiche namhafte Kunden, zu denen Knauf, Cyrillus Verbaudet und Maisons du Monde gehören, haben sich für unsere Lösung entschieden. Vor allem die zweite Investmentrunde im Jahre 2014 hat uns während einer wichtigen Wachstumsphase geholfen.
Können Sie Fundraising anderen Firmengründern empfehlen?
Muller Ja, definitiv. Im Gegensatz zu der Finanzierung einer Bank kann man anhand eines Fundraising viel freier, flexibler und schneller entscheiden und agieren, Kreativität ausleben. Wo Banken lediglich Interesse daran hegen, ihr Geld zurückzubekommen, teilen Investoren die Vision des Unternehmens, und investieren nicht nur Geld, sondern ebenfalls Know-How, Erfahrung und ihre kostbaren Netzwerke. Sie nehmen aktiv am langfristigen Erfolg des Unternehmens teil.
Um die Aufmerksamkeit der Investoren auf sich zu ziehen, reicht eine gute Idee aber nicht aus, man braucht eine gute Vorbereitung: Einen detaillierten Businessplans mit schlagfertigen, nachhaltigen Argumenten und realistischen Zielen für zukünftige Projekte und Expansionen.
Wie schalten Sie als Ausgleich vom Berufsleben ab?
Muller Ich bin eine enthusiastische und offene Person, die mehrere Leidenschaften hat und diese gerne mit anderen teilt. Insbesondere liebe ich es zu reisen und einzigartige Momente und Orte fotographisch festzuhalten. Als Entrepreneur habe ich leider selten Zeit dafür, deshalb freue ich mich umso mehr, jetzt in Urlaub zu verreisen.
Mehr: http://www.maps-system.com


