LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Was bei Fingernägeln funktioniert, lässt sich auf andere Alltagsgegenstände übertragen

Glänzende Schlieren, schimmernde Schmetterlingsflügel, Effekte wie beim Marmor: Aus Nagellack lassen sich richtige Kunstwerke zaubern. Die Anleitungen dazu gibt es gratis auf Youtube. Dort zeigen junge Frauen wie Shiu Li, Caroline und Safia, Tartofraise oder Cherry, wie man sich die Nägel verschönern kann. Das Tolle: Die Technik des Marmorierens lässt sich auch auf andere Gegenstände übertragen. Louisa und Leonie Chaton beispielsweise haben Muscheln marmoriert, sie auf kleine Wäscheklammern geklebt und dann als Merkzettelhalter für den Kalender verschenkt oder benutzt.

Ihre Technik ist ganz einfach und wird auf den französischsprachigen Youtube-Seiten (siehe Kasten) gut erklärt: In ein Gefäß - am besten ein gespültes Glas vom Flan oder ein flaches altes Schälchen aus Glas - füllt man lauwarmes Wasser. Die Nagellacksorten für das Marmorieren stehen schon bereit. Am besten öffnet man sie vorher, denn jetzt muss alles schnell gehen: Mit der ersten Nagellackfarbe einen Tropfen auf das Wasser setzten.

Dabei sollte der Pinsel die Wasseroberfläche berühren, denn sonst fällt der Lack als schwerer Tropfen auf den Boden des Gefäßes“, erklärt Shiu Li, deren Vorführungen für Anfänger am geeignetsten sind. Danach ganz schnell zur nächsten Farbe wechseln und mit dieser in den ersten Tropfen, der sich ausbreitet, einen weiteren setzen. Falls sich der erste Tropfen nicht sofort ausdehnen will, mit einem Zahnstocher nachhelfen. So entstehen farbige Kreise.

Schnell arbeiten

„Die Prozedur wird immer wieder wiederholt, bis rund zehn verschiedene Tropfen ineinander gesetzt wurden“, erklärt Louisa. Dann nimmt sie einen Zahnstocher, um Muster in den Nagellack zu ziehen. Aber Vorsicht: „Nie in den äußeren zwei Ringen beginnen, dort ist der Lack schon zu hart“, warnt die 13-Jährige.

Nachdem mit dem Zahnstocher kleine Schlieren in den Lack gezogen wurden, ist er fertig. Während Cherry, Caroline oder Safia im Internet ihre eigenen oder künstliche Nägel in das Gefäß halten, damit der marmorierte Lack schnell darauf trocknet, hält Louisa Muscheln aus dem letzten Sommerurlaub in den Lack. Der marmorierte Lack ist fast trocken. Sobald er ganz trocken ist, kann er mit einer Schicht Klarlack fixiert werden. „Welchen Lack man nimmt, spielt keine Rolle“, versichert Shiu Li in ihrem Beitrag. Sie rät allerdings von Glitzerlack und so genannten „crackle“-Lacken ab.

Hauptsache trocken und glatt

Die Nagellackkünstlerinnen für Fortgeschrittene auf Youtube - wie Tartofraises oder Cherry - formen aus der dünnen Lackschicht sogar Flügel, die sie dann mit Hilfe von Acrylfarbe auf den Nägeln zu Schmetterlingen verwandeln. Ab jetzt sind der Phantasie ohnehin keine Grenzen gesetzt. Neben Muscheln sind auch kleine Holzdosen oder Buttons, Haarspangen oder Anstecknadeln sind denkbar. Wichtig ist nur, dass die Oberfläche glatt und trocken ist, damit der Nagellack gut haften kann.

Die Technik des Marmorierens mit Farbe ist übrigens sehr alt und wurde früher schon zur Dekoration von Bucheinbänden genutzt. Es gibt im Internet viele Anleitungen dazu. Die Variante mit Nagellack ist nur eine von vielen. Auf Youtube fällt sie unter das Stichwort „water marble“, weil es eine Marmomiertechnik ist, bei der der Lack auf Wasser schwimmt. Das Prinzip lässt sich auf viele Farben und Lacke übertragen.