LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

„Mary Poppins Returns“ überrascht im positiven Sinn

Eigentlich schien es schier unmöglich, dem Disney-Filmklassiker „Mary Poppins“ (1964) eine Fortsetzung folgen zu lassen, außer es wäre vor 50 Jahren gewesen, als Titeldarstellerin Julie Andrews noch jung war - sie ist mittlerweile 83. Zudem kursierten seit Jahren Gerüchte einer möglichen Fortsetzung, die sich immer wieder nur als fromme Wünsche erwiesen. 2017 war es endlich so weit, und die Dreharbeiten zu „Mary Poppins Returns“ begannen in den Shepperton Studios in England. Regie führt Rob Marshall, der bereits die Musicals „Nine“, „Chicago“ und „Into the Woods“ verfilmt hat.

Familie Banks in Not

Teil eins spielte 1910 und die Fortsetzung 19 Jahre später, zur Zeit der Großen Depression. Michael Banks (Ben Wishaw) hat seit dem Tod seiner Frau den Boden unter den Füßen verloren. Seine Schwester Jane (Emily Mortimer) kümmert sich um ihn und seine drei Kinder Annabel (Pixie Davies), John (Nathanael Saleh) und Georgie (Joel Dawson). Sie riskieren, ihr Haus zu verlieren, weil Michael vergessen hat, die fälligen Raten auf ein Darlehen rechtzeitig zu zahlen. Als Michael seinen alten Drachen in den Müll schmeißt, macht dieser sich selbstständig. Georgie kann ihn im Park festhalten, und mit der Hilfe von Jack (Lin-Manuel Miranda), einem Straßenlaternen-Anzünder, zieht er den Drachen mitsamt Mary Poppins (Emily Blunt) aus den Wolken zur Erde. Jane und Michael sind erstaunt ihre frühere, nicht gealterte Nanny wiederzusehen. Für Haushälterin Ellen (Juli Walters) ist es dagegen eine normale Begegnung. Mary nimmt sich den Kindern an und verschwindet erst einmal durch die Badewanne in eine Welt unter dem Meer. Die Magie des ersten Teils geht weiter.

Wunderbare Musik

Marc Shaiman komponierte sowohl die Filmmusik wie die Songs, die zwar nicht an die der Sherman-Brothers aus dem Jahr 1964 herankommen, dennoch wunderbar zu den Real- und Trickszenen passen. Einige Evergreens aus dem Jahr 1964 sind in verschiedenen instrumentalen Titeln mitverarbeitet worden.

Emily Blunt ist eine würdige Nachfolgerin von Julie Andrews, schön, keck und stimmlich stark, was sie speziell mit ihrem einzigen Solo „The Place Where Lost Things Go“ beweist. Lin-Manuel Miranda ist der Komponist der Erfolgs-Musicals „In the Heights“ und „Hamilton“, und er verfügt über eine gute Stimme. Er stimmt das Kinopublikum mit dem melodiösen „(Underneath the) Lovely London Sky“ in die Rückkehr der zauberhaften Nanny ein.

Dann geht es zu „Can You Imagine That?“ unters Meer und zu „The Royal Doulton Music Hall“ in eine imaginäre Welt in einer Porzellan-Schale, gefüllt mit Tierwesen. Die dazu passenden Szenerien erinnern natürlich an den ersten Teil, genau wie das Straßenlampen-Anzünder-Ballett „Trip a Little Light Fantastic“ an den Stepptanz „Step in Time“ der Schornsteinfeger. Ein wunderbarer Moment ist die Ballon-Szene zu „Nowhere to Go But Up“, in der Angela Lansbury einen kurzen Auftritt hat. Auch Original-Schornsteinfeger Bert, alias Dick Van Dyke, steppt kurz als pensionierter Bankdirektor Dawes mit. Dann spielen noch Colin Firth den fiesen Bankchef Wilkins und Meryl Streep die auf dem Kopf stehende Cousine Topsy von Mary. Somit ist aus „Mary Poppins Returns“ ein wunderbarer Film geworden, der dem Original sehr nahekommt und sicher keinen eingefleischten „Mary Poppins“-Fan enttäuschen wird.