CLAUDE KARGER

Sie standen Schlange auf dem Findel gestern und werden es wahrscheinlich noch das ganze Wochenende und Montag tun: die Unternehmen, die am 20. April wieder den Betrieb auf den Baustellen aufnehmen dürfen, nach einem Monat forcierter Stille. Sie waren gestern eifrig dabei, Atemschutzmasken zu verpacken: hunderte Helfer in den Gemeinden, welche die Lieferungen an die Bürger vorbereiteten. Auch diese Aktion wird wohl vielerorts übers Wochenende weiter gehen. Ab Montag wird kein Einkauf ohne Mundschutz mehr möglich sein. In zwei, drei Wochen wird man wieder zahlreichen Schülern begegnen - alle im Prinzip mit Atemschutzmasken. Diese werden zum sichtbarsten Zeichen des Kampfes gegen diesen unsichtbaren Feind names Covid-19. Sie werden unverzichtbarer Teil unseres Alltags - und das möglicherweise über lange Zeit. Denn der Kampf gegen den Erreger, über den bei weitem noch nicht alles gewusst ist, ist noch längst nicht gewonnen. Man bewege sich weiterhin „auf dünnem Eis“, wie Gesundheitsministerin Paulette Lenert gestern im Parlament sagte. Es gilt weiterhin, alle „Barrieregesten“, die wir zwischenzeitlich alle gelernt haben dürften, unbedingt zu beachten, um uns selbst und die gesundheitlich Gefährdetsten unter uns zu schützen. Die Masken, von denen in den nächsten Wochen und Monaten noch Abermillionen verbraucht werden - weitere Großbestellungen laufen im angespannten Weltmarkt des medizinischen Equipments -, sind nur einer von vielen Reflexen gegen eine Ansteckungsgefahr. Das „social distancing“, das durch die Masken noch verschärft wird, gilt weiter und #Bleiftdoheem bleibt die Maxime. Es hängt mehr denn je von jedem Einzelnen ab, ob die furchtbare, aufzehrende Bedrohungslage, die seit Wochen Land und Welt lähmt, schnell restlos aufgebrochen werden kann. Ja, es gibt sehr viele Fragen, die derzeit noch nicht beantwortet werden können. Es bleiben Risiken. Aber das „Monitoring“ der Covid-19-Lage ermöglicht eine schrittweise Wiederaufnahme der Aktivitäten im Land - Balsam für viele Seelen, die zuhause ermüdet sind über der Sehnsucht nach direktem Kontakt mit ihren Angehörigen und dem Grübeln über ihre Zukunft. Solche Seelen werden leider noch viele lange Wochen im „confinement“ verharren müssen, das äußerst schlaucht, besonders bei Leuten, die gewohnt sind, volle Pulle zu geben für ihre Sache.

Für Unternehmer etwa ist es das Allerschlimmste, durch Dekret von oben quasi gefesselt zusehen zu müssen, wie der Schuldenberg wächst und den Mitarbeitern keine Antworten auf ihre Fragen nach der Zukunft liefern zu können. Dass aus anfänglichem Verständnis für den Kampf gegen die sanitäre Krise - an dem sich sehr zahlreiche Betriebe übrigens sofort beteiligt haben - mit der Zeit Frust und Wut wird, ist klar, ebenso dass der „Kolli platzt“, wenn etwa der sozialistische Vizepremier den Ideologen raushängen lässt - ob privat oder öffentlich spielt übrigens keine Rolle in seiner Funktion. In einem Land, in dem das Rückgrat der Wirtschaft aus kleinen und sehr kleinen Unternehmen besteht, kann diese nur richtig anlaufen, wenn diese Betriebe schnell wieder fit werden. Das hängt von der öffentlichen Unterstützung ab. Aber auch von uns als Verbrauchern. Vielleicht sollten wir uns wie die „Barrieregesten“, auch zur Gewohnheit machen, erstmal auf die lokalen Produzenten und den lokalen Handel zu blicken.