LUXEMBURG
SVEN WOHL

„A whisker away“ peppt Romantik mit Fantasy auf

Es gibt Konzepte, die finden automatisch ihr Publikum. Internetaffinen Generationen einen Film näher bringen zu wollen, bei dem Katzen eine Hauptrolle spielen, sollte ein Kinderspiel sein. „A whisker away“ - im deutschen Sprachraum als „Um ein Schnurrhaar“ bekannt - geht dabei qualitativ viel weiter, als es müsste.

Näher dran, Schnurrhaaren sei Dank

Die Teenagerin Miyo hat es nicht leicht. Von der Mutter verlassen versucht sie sich, mit ihrer neuen Schwiegermutter zu vertragen. Während die Familiensituation alleine bereits anstrengend genug ist, hat sie auch noch Probleme in der Liebe: Sie kommt ihrem Schwarm Hinode einfach nicht näher, obwohl sie aufdringlicher ist als jeder Versicherungsvertreter der Welt. Ihr exzentrisches Benehmen bringt ihr unschmeichelhafte Spitznamen ein, doch das kümmert sie wenig. Denn letztlich hat sie eine Möglichkeit gefunden, ihrem Schwarm näher zu kommen, wenn auch mit Abstrichen: Mit einer Maske kann sie sich in ein süßes Kätzchen verwandeln, in das Hinode vernarrt ist. Miyo versucht so, alles über ihren Schwarm zu erfahren, ohne dass dieser das mitbekäme.

Ganz abgesehen davon, dass Miyo eine ziemliche Stalkerin ist, führt hier ein Problem zum anderen: Der Maskenverkäufer - ein fetter Kater mit tiefer Stimme - möchte sie dazu verführen, ihre menschliche Seite für immer abzulegen. Immerhin lebt es sich als Katze doch viel angenehmer und so könnte sie die ganze Zeit bei Hinode bleiben, was ihr sonst nie erlaubt wäre.

Gute Balance, viel Tempo

Während die Handlung anfangs seine fantastischen Elemente spärlich einsetzt, steigert der Film sich im späteren Verlauf in diese hinein. Dies hat zahlreiche Vorteile: Die Gefühlslagen der Hauptfiguren werden eindeutig offengelegt, sie können lange genug miteinander interagieren, um die Dynamiken zu etablieren und der Film kann seinen Flair lange genug versprühen, als dass man sich von ihm einlullen lässt. Die fantastischen Elemente brechen darüber hinein, sobald die Handlung richtig in Fahrt kommt und dabei fast das Tempo der hektischen Miyo erreicht. Allerdings ist die Balance durchdacht und reißt einen dank spannender Figuren, tiefgreifender Emotionen und cleverem Drehbuch mit. Die älteren Semester fühlen sich bei all den großen Gefühlen, Familienzwisten und gebrochenen Herzen gleich an die eigene Teenagerzeit erinnert, während die jüngere Generation in den Spiegel blicken darf. Ein Beweis dafür, dass einige Storys schlicht zeitlos sind.

Zeitlos ist auch die Animationsqualität: Was die beteiligten Studios hier leisten, erreicht fast die Qualität des legendären Studio Ghibli. Dynamische Kamerafahrten, fließende Bewegungen und zurückhaltender Einsatz von Computergrafiken bestechen in ihrer gekonnten Ausführung. An „A whisker away“ lässt sich wenig aussetzen, der Film lohnt sich für Anime-Fans wie auch all jene, die eine romantische Komödie mit fantastischen Elementen nicht schmähen.

Zu sehen auf Netflix. Mehrere Synchronisationen sind verfügbar