LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Simon Clement setzt sich für die in Luxemburg neu gegründete „Light Communications Alliance“ ein - und erklärt, wer und was dahinter steckt

Simon Clement, „Advanced Technology Consultant“ bei „Liberty Global“, ist von Li-Fi überzeugt. Er macht bei der frisch gegründeten „Light Communications Alliance“ mit, die ihren Sitz in Luxemburg hat. Wir haben ihn gefragt, warum.

Herr Clement, in welchem Verhältnis stehen WiFi und Li-Fi?

Simon Clement Der meiste Smartphone-Verkehr wird auf WiFi übertragen. Li-Fi könnte ein nützlicher Weg sein, um den WiFi-Verkehr in zunehmend überlasteten Wireless LANs zu entlasten. Dies kann im Haushalt für das Breitbandnetz im Wohnbereich oder in Verkehrsanwendungen wie der Luftfahrt der Fall sein, wo jeder bereits eine Lichtquelle direkt über seinem Sitz hat.

Warum wurde die „Light Communications Alliance“ gegründet?

Clement Wir wollten alle Partner zusammenbringen. Traditionelle Telekommunikationsunternehmen, Telefonhersteller oder Internet-Provider haben normalerweise nicht viel miteinander zu tun, denn sie arbeiten in ganz unterschiedlichen Branchen. Wir wollen über die Technologie informieren und sie promoten, Innovationen fördern und internationale Standards definieren. Die Gründungsmitglieder sind Nokia, „Emirates Integrated Telecommunications Company“ aus Dubai, LEDVANCE, „Liberty Global“, Lucibel, Orange, „pureLi-Fi“, „Li-Fi Research & Development Centre“, Velmenni, Zero.1, CEA Leti, und das „Institut Mines-Télécom“. Li-Fi sehen wir übrigens nicht als Konkurrenz zu Wifi, sondern als komplementäre Technologie, die beispielsweise in sensiblen Bereichen wie Atomkraftwerken gut einsetzbar ist.

Warum kommt Li-Fi nicht aus der Nische heraus?

Clement Wir haben mit der IEEE in New York kommuniziert. Wir haben einen Standard der IEEE und wollen das fördern. Der Standard ist jedoch noch nicht bereit zur Umsetzung, wir müssen da noch einiges anpassen. Wenn ich heute einen Laptop kaufe, ist mir der Wifi-Standard egal, weil ich weiß, dass es funktionieren wird. Das Gleiche wollen wir für Li-Fi. Deshalb haben wir uns zusammengesetzt. Ich denke, Ende 2020 oder 2021 wird es einen Standard geben.

Warum hat die „Light Communications Alliance“ in Luxemburg ihren Sitz?

Clement Die LCI ist in Luxemburg, weil das eine günstige Lage in Europa ist. Sie ist gut für alle Mitglieder. Und das Land ist geschäftsfreundlich.

Li-Fi gibt es schon länger, aber es ist kein Senkrechtstarter. Bleibt es eine Nische?

Clement Nein, ich glaube, es wird eine Massenmarktechnologie. Das braucht aber Zeit. Wenn man sich die Limits ansieht, die es für jetzt verwendete Technologien gibt, geht es gar nicht anders. Zurzeit sprechen zwar alle über 5G. Aber Li-Fi hat seinen Platz und wird kommen.

Morsen mit LED und Wellen

Was Li-Fi ist und warum Standardisierung eine Rolle spielt

Bei Li-Fi geht es um drahtlose optische Konnektivität. In der lichtbasierten Kommunikation ist ein Zweig das Senden von Kommunikationssignalen im Bereich 380 – 700 nm. Dies geschieht meist durch LEDs. Es funktioniert ein wenig wie ein Licht-Morsealphabet mit einer so hohen Frequenz, dass es für das menschliche Auge nicht mehr wahrnehmbar ist. Daneben gibt es auch noch die unsichtbare Kommunikation auf Infrarotlicht und ultravioletten Wellenlängen. Die potenzielle Bandbreite von 360 tera-Hertz (360.000 GHz) ist mehr als 10.000 mal größer als der Funkanteil des elektromagnetischen Spektrums. Li-Fi hat somit das Potenzial, sehr hohe Datenraten im unlizensierten Spektrum anzubieten. Allerdings geht Li-Fi nicht durch Wände. Es eignet sich jedoch gut für Kommunikation, die diskret behandelt werden muss. Der Begriff Li-Fi geht auf den deutschen Prof. Harald Haas, Mitbegründer von „pureLi-Fi“, zurück, der an der Universität Edinburgh unterrichtet. Er hatte das Konzept 2011 in einem TED-Gespräch vorgestellt.
Damit das Ganze einen einheitlichen Standard hat und unterschiedliche Hersteller und Anbieter wissen, dass sie über das Gleiche reden, wurde 2009 die „Task Group IEEE 802.15.7“ gegründet, die jedoch bald ihre Tätigkeit einstellte. Hinter IEEE ist die Abkürzung für „Institute of Electrical and Electronics Engineers“, ein US-Berufsverband mit hoher Mitgliederzahl vor allem im Bereich der Ingenieure. Weitere Arbeitsgruppen wie die im Mai 2018 gegründete „IEEE 802.11bb Task Group“, die sich auf Lichtkommunikation im 380-5.000nm-Bereich konzentriert, entstanden. Neben der IEEE kümmert sich noch die „International Telecommunication Union“ (ITU) um eine Standard-Entwicklung. Die Verantwortlichen sehen Potenzial: Der Markt soll bei rund 90 Millionen Euro bis 2025 liegen.

Konsortien und Allianzen
Im Jahr 2011 gründeten das Fraunhofer-Institut für Photonische Mikrosysteme, der Beleuchtungsmodullieferant TriLumina und zwei weitere Unternehmen das Li-Fi-Konsortium. Die Initiative war offenbar von kurzer Dauer und ist nicht mehr aktiv. Die Lücke schloss sich, denn im Juni 2019 wurde die „Light Communications Alliance“ in Luxemburg offiziell ins Leben gerufen, mit dem Ziel, das Bewusstsein und die Akzeptanz von Li-Fi und „Optical Camera Communications“ (OCC) zu erhöhen.
LJ