LUXEMBURG
PIERRE WELTER

Wasserbilliger Drogenprozess: Polizei berichtet über Ermittlungsarbeit

Am Bezirksgericht Luxemburg hat am Donnerstag der dritte Tag im Drogen-Prozess begonnen. Nach dem Auftakt mit der Anhörung der 21 Angeklagten wurden die ersten Zeugen gehört. Den 21 Angeklagten wird gemeinschaftlicher Drogenverkauf vorgeworfen. 18 Nigerianer gaben zu, selbst Drogen verkauft zu haben. Bei ihnen, die dem Fußvolk der Drogenbande angehören sollen, standen Heroin, Kokain und Marihuana auf der Verkaufsliste. Nebulös blieben weiter die Rollen der beiden Hauptbeschuldigten, wobei Paul Henri der Drogenlieferant sein soll.

Am Donnerstag wurden zwei Beamte der eigens eingesetzten Ermittlergruppe befragt. Sie kennen die zwei Hauptangeklagten schon länger und halten es für denkbar, dass die Beschuldigten auch schon im Jahr 2014 mit Drogen gehandelt haben. Ein Polizist beschrieb, wie die Festnahme in Wasserbillig ablief und sagte, dass der Angeklagte Paul Henri am 27. Oktober 2015 im Zug nach Wasserbillig verhaftet wurde. In seinem Rektum hatte der Dealer insgesamt 125,5 Gramm Kokain versteckt. In seiner Wohnung fanden die Ermittler auch seinen Pass mit seinem richtigen Namen. 793 Gramm Kokain und 55.000 Euro wurden in der Küche beschlagnahmt.

Langer Handelszeitraum

Laut Ermittler besteht der Drogenhandel westafrikanischer Rauschgiftdealer seit 2011. Seit 2014/2015 seien in Luxemburg 110 Nigerianer wegen Drogenhandels verurteilt worden. Seit 2015 halten sich die Ermittler jedoch an die Hintermänner. 2015 wurde eine Sonderkommission gegründet. Zwei Nigerianer hatten den Polizisten einen Wink gegeben. Sie teilten den Polizisten mit, dass in Wasserbillig ein Haus für Migranten als Drogenbunker benutzt wird. Die Ermittler observierten daraufhin das Haus, am 27. Oktober erfolgte der Zugriff. In der Bilanz der Ermittler hätten die Drogen von 14,3 Kilogramm auf 24,8 Kilogramm gestreckt werden können, was rund 1,7 Millionen Euro Marktwert entspricht.

Im Haus von Joseph E. hausten von Juli bis Oktober 2015 mehr als 5.740 Menschen. In der „Nice-Bar“ wurde auf einem Zettel darauf hingewiesen, dass man für 20 Euro pro Tag in Wasserbillig übernachten könne - samt Telefonnummer von Joseph E..

Die Zustände in dem Haus seien katastrophal gewesen, sagte der Ermittler. Es gab drei Duschen mit kaltem Wasser, die Toiletten seien verdreckt gewesen, auf den Fluren lagen Berge von Unrat. Menschen schliefen auf Matratzen auf dem Zimmerboden. Im obersten Stock campierten rund 50 Leute. Einige sollen sogar in den Zimmern Zelte aufgestellt, um so etwas wie Intimsphäre zu haben. Ein Informant berichtete von alkoholbedingten Konflikten unter den Bewohnern.

Joseph E. sei total bewusst gewesen, dass er die Leute ausnutzte. Es habe strenge Richtlinien im Haus gegeben, an die sich jeder halten musste.

Im Zeitraum Januar bis Oktober 2015 soll E. 136.435 Euro an Miete kassiert habe. E. stelle sich als Philanthrop und Altruist dar, er würde aber seine Landsleute knallhart ausnützen. Die unwürdigen Konditionen im Haus hätten den Rauschgifthandel unterstützt.

Allerdings gäbe es keine Erkenntnisse, dass E. Drogen verkauft habe. Er hätte das auch nicht nötig, da er ordentlich an den Mieteinnahmen verdient habe. Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt.