DIEKIRCH
PIERRE WELTER, FREIER JOURNALIST

Prozess wegen Verleumdung: Armand Clesse erhält Geldstrafe

Das Bezirksgericht Diekirch verurteilte am Freitagmorgen den Luxemburger Politologen und Tierfreund Armand Clesse wegen Beleidigung zu einer Geldstrafe von 100 Euro. Weil Clesse die unterlegene Partei ist, soll er die Kosten des Verfahrens tragen: 500 Euro. Den zwei Jägern, die als Zivilkläger auftraten, wurde der symbolische Euro zugesprochen. Armand Clesse war der Prozess wegen öffentlicher Verleumdung und Beleidigung (Artikel 448 des Strafgesetzbuches) gemacht worden. Kläger waren zwei passionierte Jäger die sich durch die öffentlichen Aussagen des Tierschützers in den Medien nicht nur missverstanden, sondern auch böswillig verleumdet gefühlt hatten, was zur Anklage führte.

Clesse hatte unter anderem in der RTL-Radiosendung „Background“ mit dem Titel „Mussen Déieren déi selwecht Rechter kréien wéi d’ Mënschen?“ vom 23. Februar 2019 erklärt: „De Mënsch ass nach ëmmer déi selwecht bluddeg Bestie wéi virun 5.000 Joer (...)“ Jagd sei Mord. Jäger seien Barbaren, wobei es auch zum Vergleich mit dem Holocaust gekommen sein soll. Im Gerichtsprozess hatte Clesse erklärt, er könne das Töten von Tieren nicht mit seinem Gewissen vereinbaren. Für ihn sei es ein furchtbarer Gewissenskonflikt, wenn Jäger Feldhasen totschießen oder in luxemburgischen Wäldern Jagd auf Rehe oder Füchse machen. In Luxemburg sollen Wildtiere in Ruhe leben dürfen. Sein Leben lang habe er gegen die Jagd gekämpft, und er wolle weiterkämpfen, bis die Jagd in Luxemburg endlich verboten werde. Die Tiere würden leiden. Das Tierschutzgesetz würde nicht weit genug gehen. Clesse hat bis heute Groll auf die Jagd. Nach dem Urteil sagte er: „Ich weiß nicht ob ich über die Entscheidung traurig oder froh sein soll. Das Urteil ändert nichts an der Sache, denn es geht um ethische Formen.“

Urteile dieser Art, wenn es um Tiere geht, nennt Clesse widersprüchlich und heuchlerisch. „Mord ist, wenn man ein Lebewesen umbringt. Die Richter haben die Hände gebunden und wollen die Jäger, aus welchen Gründen auch immer, nicht vor den Kopf stoßen“, argumentiert Armand Clesse. Die Wahrheit werde auf den Kopf gestellt.

Rechtsanwalt Me Daniel Baulisch, der den Angeklagten vertritt, brachte es im Interview kurz auf den Punkt. „Ich bin maßlos enttäuscht, sagt er, wir werden mit Sicherheit in Berufung gehen.“ Der Verteidiger hatte Freispruch für seinen Mandanten sowie 750 Euro gefordert. Das Geld sollte einer Tierschutzorganisation zugutekommen.