Die eigene Idee zu verwirklichen war schon immer Mike Reiffers Drang. Mit 27 Jahren hat er nun sein eigenes Unternehmen gegründet, wohl wissend, dass eine Firmengründung auch einer guten Vorbereitung bedarf. Seit November ist „skeeled.com“ aktiv und hat zwei erfahrene Geschäftsmänner als Berater zur Seite. Die waren auch gleich von der Bedeutung und Nützlichkeit des Projektes überzeugt, „denn als Unternehmer haben die mit dem Problem, das wir mit skeeled.com lösen helfen, tagtäglich zu kämpfen“, erklärt Reiffers.
Was ist die Idee dahinter und wie ist sie entstanden?
Mike Reiffers Angefangen hat es damit, dass ich vor fünf Jahren, als ich in London meinen Bachelor in International Business machte, meinen heutigen Geschäftspartner Nicolas Speeckaert kennenlernte, mit dem ich dann auch bald Freundschaft schloss. Nachdem ich meinen Master in Entrepreneurship und Innovation in Frankreich gemacht hatte, überzeugte mich Nicolas, mit ihm noch ein Jahr zur Eada Business School nach Barcelona zu gehen. Der Grund ihm zu folgen war, dass man dort auch einen Geschäftsplan als Abschlussprojekt schreiben kann. Mir war von Anfang an klar, dass ich mit Nicolas den Business-Plan schreiben würde, und ich wusste auch, wenn dieser Plan gut genug wäre, würden wir ihn in eine Firma umwandeln und realisieren.
Das taten Sie dann auch?
Reiffers Während unseres Studiums waren wir schnell damit konfrontiert, Bewerbungen und Lebensläufe verschicken zu müssen. Da merkten wir, wie komplex das ganze ist, einen Job zu finden. Am allerschlimmsten empfanden wir, dass man nur anhand eines Lebenslaufs bewertet wird. Das war die Geburt unserer Geschäftsidee: Wie kann man wirklich die Verbindung herstellen, dass tatsächlich die richtige Person den richtigen Job bekommt, dass eine Firma, die jemanden sucht, auch wirklich den richtigen Bewerber hat. So vertieften wir uns in die Sache, schrieben acht Monate lang zusammen an unserem Business-Plan, wobei wir schnell feststellten, dass ein Lebenslauf allein wenig darüber aussagt, ob Bewerber und Stelle oder Unternehmen wirklich zueinander passen.
Und das wollen Sie mit Ihrem Unternehmen ändern?
Reiffers Ja. Heute ist es so, dass in einem Personalbüro pro Bewerbung nur wenige Sekunden verwandt werden. Da kann man sich sehr gut vorstellen, dass viele Leute, die hervorragend zu einer Stelle passen würden, übergangen werden, während andere, die eigentlich nicht zu der Stelle oder dem Unternehmen passen, genommen werden. Da setzen wir an. Wenn ein Unternehmen ein Stellenangebot ausschreibt, auf das sich jemand bewirbt, wird der Bewerber über unsere Software analysiert: Alle erhalten zum einen das gleiche Muster eines Lebenslaufes, dann folgt ein umfassender Persönlichkeitstest und eine Aufnahme eines Video-Interviews.
Was sind das für Persönlichkeitstest?
Reiffers Das ist ein sehr ausgefeilter Test, der etwa 150 Fragen beinhaltet. Gute Leute zeichnen sich nicht nur durch deren CV aus, auch die Persönlichkeit ist sehr wichtig. Wir haben dazu eine Partnerschaft mit der renommierten amerikanischen Firma Wonderlic Inc. gegründet, auf die wir bei unserer Untersuchung der Materie gestoßen waren. Bei einem Startup wie dem unseren ist es natürlich auch wichtig, eine vertrauenswürdige Referenz zu haben, es geht ja schließlich um persönliche Daten bei Bewerbungen. Darum wollten wir eine große Marke mit dabei haben und kamen zu einer Vereinbarung mit dem US-Unternehmen.
Wie haben Sie als kleines luxemburgisches Start-up die Amerikaner überzeugt?
Reiffers Das hat viele und lange Gespräche gebraucht. Man muss wissen, dass diese Tests, die von ihnen entwickelt wurden und die wir auf unserer Plattform einbauen konnten, viel Geld kosten, weil sie auch sehr gut und sehr viel aussagekräftiger sind als nur ein normaler Lebenslauf mit ein paar Zeugnissen. Die Amerikaner waren auch schnell von unserem Konzept überzeugt.
Keine Angst, dass Ihr Partner vielleicht irgendwann selbst ein Büro in Luxemburg eröffnet?
Reiffers Wenn sie das machen wollen, werden sie das tun, aber Angst haben wir keine. Das was wir anbieten, kann man ja auch nicht patentieren. Unser Geheimnis wird am Ende das „Matching“ sein, das unser Programm bietet, die Deckungsgleichheit zwischen Firma, Stelle, Arbeitsumfeld und Bewerber. Dieser Abgleich zwischen Bewerbung, Lebenslauf und Persönlichkeitstest auf der einen Seite und Stellenangebot und Firma auf der anderen ist unsere Besonderheit, was auch technisch sehr anspruchsvoll ist. Das entwickeln wir gerade weiter und haben im Februar dazu unseren ersten Mitarbeiter, einen Programmierer, eingestellt. Einige Zeit Feintuning braucht es noch, aber dann werden wir demnächst mit der „Betatest-Phase“ anfangen, für die wir Unternehmen suchen, die unser Programm bei der Personalsuche nutzen wollen. Erste Gespräche mit Firmen wie Groupe Delhaize oder BNP Paribas sind bereits gut fortgeschritten.
Gibt es Konkurrenz, die Ähnliches wie Sie anbietet?
Reiffers Generell ist Konkurrenz nichts Schlechtes, aber so spezifisch wie wir das machen, gibt es in Europa noch niemanden. Wir bieten ja kein Recruitment an, sondern wir helfen beim Filtrieren, und zwar auf sehr anspruchsvolle Art. Wir helfen einer Firma nicht nur, eine Person einzustellen, die fachlich qualifiziert ist, sondern die auch zum Unternehmen passt und länger bleiben wird, was für Unternehmen wie auch für Arbeitnehmer keine unwichtige Sache ist. Und umgekehrt werden wir in ein paar Jahren, so der Plan, Bewerbern helfen, nicht nur die richtige Stelle, sondern die richtige Firma zu finden.


