LUXEMBURG
PIERRE WELTER

Prozess nach Feuer in Schrassig: Zwei Insassen vor Gericht

Am 27. April 2015 brach im Gefängnis Schrassig ein Brand aus. Ein Häftling, Paulo A. (22), hatte mit Hilfe eines anderen Gefangenen, Alessandro F. (33), Feuer gelegt, indem er mit einem Feuerzeug Matratze, Handtuch und Papier in Brand gesteckt hatte.

In der Folge rief er Hilfe herbei, weil es ihm nicht gelang, das Feuer unter Kontrolle zu bringen. Als die Beamten in die Zelle wollten, soll sich der Inhaftierte mit Tritten und Schlägen gegen die Wärter gewehrt haben.

Die Staatsanwaltschaft hatte Anzeige wegen Brandstiftung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte (Rebellion) und Körperverletzung erstattet. Seit Mittwoch müssen sich die beiden Männer vor der Kriminalkammer des Bezirksgerichts Luxemburg verantworten.

Vollbrand konnte verhindert werden

Im Mittelpunkt der Verhandlung stand am gestrigen Montag die Aussage des Brandexperten. Mithilfe seines Gutachtens sollten einige der ungeklärten Fragen beantwortet werden. Die Zelle 213 im zweiten Stock wurde vom Sachverständigen anhand einer Bilddokumentation untersucht. Als Brandursache kam eine Brandstiftung in Frage. Die Voraussetzung für einen Vollbrand seien gegeben gewesen. Sauerstoff war genügend vorhanden, weil das Fenster in der Zelle geöffnet war. Die Höhe der Schäden konnte nicht genau eingeschätzt werden.

Durch das schnelle Eingreifen der Beamten konnte ein Übergreifen des Feuers auf die Nebenzellen verhindert werden. Die Zelle sei verwüstet gewesen, erzählte dann ein Polizist vor Gericht. Damit die Matratze besser brennen konnte, hätte der Gefangene A. Kleidungsstücke auf die Matratze gelegt. Diese hätte er dann angezündet. Aufgrund der starken Rauchgase hätte Lebensgefahr für den Insassen bestanden, sagte der Polizist aus.

Die Idee, die Zelle anzustecken, hätte der Zellennachbar gehabt. Ein zweiter Polizist berichtete, dass der Gefangene A. vor der Tat sehr aggressiv gewesen sei. Der Betroffene sei derart reizbar gewesen, dass ihn bereits eine kleine Meinungsverschiedenheit zu einer Gewalttat hätte verleiten können.

Der Gefangene wollte in die Psychiatrie eingewiesen zu werden. Ein Sicherheitsbeamter hätte den Gefangenen in die Psychiatrie begleitet und ihn auch wieder zurückbegleitet.

Als die Wärter um 21.30 die Zellen verriegeln wollten, hätte A. mit einem Wärter gestritten und diesem sogar mit dem Tode gedroht. Allem Anschein nach wollte der Gefangene A. sich nicht einsperren lassen. Gegen 22.10 hätte ein Beamter dann die Flammen beobachtet.

Spezialeinheit rückte an

Der Gefangene A. soll mit einer Schüssel nach einem der Wärter geworfen haben. Ein anderer Wärter wurde im Gesicht verletzt. Laut dem Vorgesetzten soll die Situation eskaliert sein. Die Mannschaft schätzte den Vorfall als gefährlich ein. Als die Spezialeinheit G.R.I.P. in die Zelle eintrat, hätte eine dichte Rauchwolke der sechsköpfigen Mannschaft die Sicht versperrt. Es wären Gegenstände geflogen. Dann wurde der Gefangene mit Handschellen gefesselt und in eine Sicherheitszelle gebracht.

Ein Gefängniswärter war drei Monate krankgeschrieben. Er hatte Glassplitter in den Augen. Seitdem braucht der Beamte eine Brille.

Der Prozess wird heute fortgesetzt.