BETTEMBURGPATRICK VERSALL

Zu Gast in den Proben von Jean-Paul Maes’„De Rousegaart“

Das Thermometer neben der Eingangstür zeigt zwei Grad über Null an, im ersten Obergeschoss des Vereinshauses im Ortskern von Bettemburg dreht Theaterregisseur Jean-Paul Maes am Thermostat eines in die Jahre gekommenen Heizkörpers, der partout keine Hitze spenden möchte.

Am einzigen Tisch im Raum haben die Schauspieler Mady Durrer und Marc Olinger Platz genommen und gehen den Text der dritten Szene von „De Rousegaart“ (Siehe Kasten) noch einmal vor der Probe durch.

Eins von zwei

Ab Montag probt das Ensemble dann auf der Bühne des Bettemburger Schlosses, wo Maeses Stück am kommenden Mittwoch Premiere feiert. Bis dahin müssen die Mimen mit dem provisorischen und sehr rudimentären Bühnendekor im Vereinshaus vorlieb nehmen. Durrer, Olinger und Al Ginter spielen nach einer ersten Textprobe die dritte Szene des auf Luxemburgisch verfassten Stückes einmal durch, Maes gibt Regieanweisungen oder korrigiert einzelne Dialoge. Textaussetzer gibt es wenige, man müsse aber eh noch an dem einen oder anderen Detail herumfeilen, bemerkt Regisseur und Autor Maes.

„De Rousegaart“ hat er bereits vor drei Jahren verfasst. Das Stück war eines von zwei Arbeiten, die er für das Théâtre National du Luxembourg (TNL) geschrieben hat. Das von Franck Hoffman geleitete Haus hatte die Qual der Wahl zwischen dem „Rousegaart“ und dem auf Deutsch verfassten Stück „Die Lippizanernummer“. Anne Simon inszenierte das deutsche Stück , „De Rousegaart“ wanderte zurück in eine Schublade, wo es liegen blieb, bis Maes es herausholte, um es für eine Aufführung zu überarbeiten.

Der Autor inspirierte sich für dieses Stück einmal mehr an dem Werk des US-amerikanischen Dramatikers Eugene O’Neill, um ein „Stück unserer Realität“ auf die Bühne zu bringen. Maes bewundert die Art und Weise, wie der Amerikaner in seinen Arbeiten Lügen beschrieben hat. Auch die Figuren im Rosengarten benutzen Lügen und Selbstlügen, um die persönliche Vergangenheit schön zu reden oder aber um ein skurriles Weltbild zu zeichnen. Die Idee zum Stück hatte Maes übrigens, als er in einem Plattenladen von einem Kunden rüde angerempelt wurde. Er habe sich damals überlegt, was er wohl mit ihm mache, falls er ihn packen und mit nach Hause nehmen würde, erklärt der Regisseur.