CORDELIA CHATON

Jeff Bezos gilt als der reichste Mann der Welt. Das macht ihn nicht zum Sympathieträger. Ob er wohl deshalb die Gründung eines Klimafonds beschlossen hat, in den er zehn Milliarden Dollar aus seinem Privatvermögen einbringen will, damit etwas vom Greta-Effekt auf ihn übergeht? Wenn ja, hat er sich verkalkuliert. Die Rechnung ging nicht auf, die Aktion nach hinten los.

Denn der Amazon-Gründer wurde von zahlreichen seiner 800.000 Mitarbeiter kritisiert: Dafür, dass Amazon Think Tanks finanziert, die den Klimawandel leugnen. Dafür, dass das Unternehmen selbst viel mehr E- und Hybridautos einsetzt. Und dafür, dass er trotz seines immensen Vermögens bislang wenig bis nichts gespendet habe.

Tatsächlich gibt es in den USA eine echte Tradition des Mäzenatentums. Die hat allerdings auch sehr viel damit zu tun, dass der Staat und die Kommunen viel weniger Aufgaben übernehmen als beispielsweise in Europa. Also ist auch mehr Raum für Engagement. Rockefeller und Carnegie haben es vorgemacht: Philanthropie ist gut für den Ruf und die Gesellschaft, aber auch für den persönlichen Status. Doch in dem Maße, in dem in den USA die soziale Ungleichheit steigt, nimmt auch der Druck auf die Superreichen zu. So hatten Bill Gates und Warren Buffett die Kampagne „The Giving Pledge“ initiiert, die seit 2010 weltweit die reichsten Personen und Familien auffordert, sich dazu zu verpflichten, mindestens die Hälfte ihres Vermögens der Philanthropie zukommen zu lassen. Zum Vergleich: Bezos Spende beläuft sich auf nicht mal acht Prozent seines aktuellen Vermögens. Damit liegt sie noch unter dem Zehnten, den die Kirche lange forderte.

Tatsächlich wäre ein so starkes Engagement gar nicht nötig, wenn in den USA mehr Steuergelder für Bildung, Soziales oder Gesundheit verwendet würden. Doch ausgerechnet hier steht Amazon schlecht da. 2018 hatte der Konzern dort mehr als zehn Milliarden Dollar Gewinn erwirtschaftet - und zahlte laut dem „Institute on Taxation and Economic Policy“ nichts. Im Gegenteil, er erhielt noch 129 Millionen Dollar Steuernachlass. Damit befand sich der Konzern in beachtlicher Gesellschaft. Laut dem gleichen Institut erzielten 379 der Fortune 500- Unternehmen 2018 Gewinne. Aber längst nicht alle zahlten Steuern. Und wenn, dann nicht viel. Der durchschnittliche Steuersatz betrug 11,3 Prozent. 92 zahlten keine Steuern und 56 zahlten zwischen null und fünf Prozent. Das ist auch ein Resultat von Trumps Politik. Bezos mag den US-Präsidenten nicht. Aber er profitiert von dessen Ich-fördere-die-Reichen-System. Steuerehrlichkeit statt Trickserei würde eine solche Aktion überflüssig machen. Höchstwahrscheinlich würden mehr Menschen profitieren als jetzt, da reicht ein Blick auf die sozialen Unterschiede in Europa und den USA.

Luxemburg kann das alles nicht egal sein, denn hier ist der Europasitz und die dazugehörige Firmenzentrale. Wird es hier klimarelevantes Engagement geben? Und: Wie sieht es mit der Diskussion um die Steuern aus? Ist es Bezos so ernst mit seiner Aktion, dass er hier umschwenkt? Oder muss er sich nach entsprechenden Entscheidungen von Spanien und Frankreich zur Digitalsteuer ohnehin beugen? Der Fonds wirft Fragen auf.