ETTELBRÜCK
SIMONE MOLITOR

Objekttheater mit viel Musik: „Frederick“ begeistert die ganz Kleinen im CAPE

Der Eingangsbereich des Ettelbrücker CAPE ist erfüllt mit Kinderstimmen. Die Aufregung ist groß, immerhin steht ein Besuch im Theater an. Auf dem Programm: „Frederick“, ein Objekttheaterstück mit viel Musik für Drei- bis Sechsjährige nach der bekannten Bildergeschichte von Leo Lionni. Zwei Klassen des Cycle 1.1 warten bereits ungeduldig auf Einlass, auf eine Précoce-Klasse wird noch gewartet. Zwischendurch immer wieder ein langgezogenes „Pssssssssst“ von einer der Lehrerinnen. Dann endlich trudeln auch die Kleinsten ein.

Zwei Sitzreihen bilden einen Kreis um die Bühne in der Mitte des Saals. Brav nehmen die Kleinen Platz und schauen sich gespannt um, bevor sie schließlich von Francis Schmit - er zeichnet für Konzept und Inszenierung verantwortlich - begrüßt und auch ein bisschen belehrt werden. Sitzen bleiben. Die Objekte nicht anfassen. Nur mit den Augen schauen. Reaktionen sind aber natürlich erlaubt und total willkommen. Dann beginnt das Spiel mit entspannenden Klavierklängen. Auch die Geige setzt bald ein.

Alle packen mit an, nur Frederick nicht

Renelde Pierlot rollt in einem Ledersessel sitzend auf die Bühne und reicht den noch etwas schüchternen Zuschauern die Hand. Die Geschichte einer Familie von Feldmäusen, die in einer Mauer in der Nähe eines Bauernhofs lebt, wird mithilfe von Objekten erzählt. Nacheinander werden die anderen Tiere vorgestellt, und die Kinder stimmen gleich in das Grunzen und Muhen ein. Die Mausfamilie führt ein gemütliches Leben, immerhin ist die Scheune wie eine große Speisekammer, in der sie sich alle nach Lust und Laune bedienen können. Doch dann wird der Bauer plötzlich krank, zieht weg, und die Scheune bleibt leer. Nun muss jeder mitanpacken, um Futter für den Winter zu sammeln. Nur einer sträubt sich: Frederick. Er sammelt viel lieber schöne Farben, Sonnenstrahlen und Vogelgezwitscher für die kalten, trüben Tage...

Das Spiel der Schauspielerin, das zwischendurch an Tempo gewinnt, und die Musik der Geigerin Ann Majerus sowie des Pianisten Franz Leander Klee haben die Kinder längst in ihren Bann gezogen. Immer wieder werden sie selbst für kurze Momente eingebunden. „Wow“, „Ooh“ und „Aah“, sind zu hören, etwa bei den Licht- und Schattenspielen. Am Ende wird Frederick, der anfangs eher als Taugenichts abgestempelt wird, als Held gefeiert. Ihm ist es tatsächlich gelungen, Freude in die Winterlandschaft zu zaubern.

Mit begeistertem Applaus - und sogar einem Tränchen, weil es schon vorbei ist - endet die Vorstellung an diesem Morgen. Es ist bereits der zweite Auftritt an diesem Tag, am Nachmittag steht ein weiterer an. Sportliche Tage für die „Compagnie du Grand Boube“. Bei drei täglichen Vorstellungen bleibt zwischendurch kaum Zeit zum Verschnaufen. Nach jeder Darbietung muss aufgeräumt, gefegt und die Schneemaschine neu befüllt werden. „Es ist tatsächlich anstrengend, wir haben jetzt schon sieben Mal hier gespielt. Nach der Vorstellung heute Nachmittag ziehen wir weiter ins Escher Theater“, erzählt uns Renelde Pierlot.

Francis Schmit hatte übrigens während des ganzen Stücks ein Auge auf das Geschehen und kritzelte zwischendurch immer mal wieder etwas in seinen Notizblock. „Nur Kleinigkeiten, eigentlich läuft seit der ersten Vorstellung alles rund“, bemerkt er. Es ist die erste Produktion, für die er Idee und Konzept entwickelt hat. Warum gerade diese Geschichte? „Ich war früher selbst Lehrer, und die Geschichte von Frederick war immer der Renner bei den Kindern. Sie ist sehr visuell. Wahrscheinlich ist Frederick den Kindern so sympathisch, weil er eben nicht so ist wie die anderen, er nimmt sich seine Freiheiten. Von den anderen Mäusen wird er zwar toleriert, aber auch etwas links liegen gelassen. Später merken sie dann, was sie an ihm haben“, beschreibt er.

Spiel mit Objekten, Farben, Licht und Musik

Die Geschichte so auf der Bühne wiederzugeben, dass sie die Kinder fasziniert, sei eine Menge Arbeit gewesen, sagt Schmit. Rund anderthalb Jahre waren nötig, um dieses Spiel mit Objekten, mit Farben und Licht sowie Musik auszuklügeln. „Musik vom Band kam für mich nicht in Frage, ich wollte unbedingt Live-Musiker auf der Bühne haben. Für die Kinder ist es genial, so nahe an den Instrumenten zu sein“, meint er. Warum eigentlich ausgerechnet die 27. Sonate von Mozart? „Ich habe ein Faible für Klavier und Geige, deshalb habe ich mich erst einmal durch die großen Komponisten gehört. Ganz zum Schluss wurde ich bei Mozart und seiner 27. Sonate fündig. Vor allem die frenetischen Passagen passen gut, wenn es hektischer im Stück zugeht, oder auch die melancholischen Klänge, als der Bauer erkrankt. Das Ganze habe ich dann mit unserem Pianisten ausgearbeitet, und am Ende kam es uns beinahe so vor, als hätte Mozart die Sonate extra für dieses Stück geschrieben“, lacht Schmit.

Was das Spiel mit den Objekten anbelangt, so muss dieses sehr präzise sein. Für Renelde Pierlot war das anfangs eine große Herausforderung, Erfahrung im Objekttheater hatte sie bis dahin nämlich nicht. „Es war tatsächlich schwerer als gedacht“, gibt sie zu, „wir hatten aber die große Chance, mit Agnès Limbos zu arbeiten, sie ist eine der Erfinderinnen des Objekttheaters“. Am Anfang sei sie sich dennoch ein bisschen wie eine Pianistin vorgekommen, die plötzlich Geige spielen müsste. „Es war komisch, weil ich es gewohnt bin, die Blicke der Zuschauer zu suchen, und das darf man ja hier überhaupt nicht. Ich muss ständig mit dem Objekt interagieren und die Blicke darauf lenken“, fährt sie fort. Inzwischen gelingt ihr dies jedenfalls mit Leichtigkeit, wovon wir uns überzeugen konnten.

„Bei jeder Vorstellung sind die Reaktionen übrigens anders, aber schön ist es immer. Die Kinder sind stets voll dabei. Beim Theater für Erwachsene kommen eigentlich kaum Reaktionen aus dem Publikum, vor allem hier in Luxemburg“, sagt sie lachend, „Kinder lassen sich richtig mitreißen. Das ist toll. Natürlich muss man darauf achten, das richtige Gleichgewicht zu finden. Wenn man sie zu sehr animiert, kann es schon mal vorkommen, dass sie sich gar nicht mehr beruhigen. Bindet man sie zu wenig ein oder passiert zu wenig auf der Bühne, langweilen sie sich“, weiß die Schauspielerin. Gelangweilt hat sich an diesem Tag aber definitiv niemand.

Weitere öffentliche Vorstellungen im Escher Theater: 15. Juni um 17.00, 16. Juni um 11.00 & 15.00, 18. und 20. Juni um 15.00. Tickets: reservation@theatre.villeesch.lu. Im Herbst wird im Kulturhaus Niederanven und in den Rotondes gespielt.