DR. JAN GLOCKAUER

Deutsche Autofahrer sollen für das knapp 13.000 Kilometer lange Autobahnnetz und das 39.000 Kilometer lange Netz der Bundesstraßen demnächst eine Maut zahlen. Pkw-Fahrer, die aus dem Ausland nach Deutschland kommen, nur auf den Autobahnen. Alle inländischen Autobesitzer müssen eine Jahresmaut zahlen, die vom Konto abgebucht wird. Sie richtet sich nach Größe und Umweltfreundlichkeit des Autos. Im Schnitt kostet sie 74 Euro, maximal 130 Euro. Benziner sind günstiger als Diesel.

Doch auch Besucher aus dem Ausland müssen zahlen. Für sie gibt es neben der genauso berechneten Jahresmaut auch zwei mögliche Kurzzeittarife: Eine Zehn-Tages-Maut für 2,50, 4, 8, 14 oder 20 Euro sowie eine Zwei-Monats-Maut für 7, 11, 18, 30 oder 40 Euro. Wer erwischt wird und keine Vignette hat, muss eine Strafe zahlen.

Die stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende und rheinland-pfälzische Landesparteichefin Julia Klöckner fordert bei der Umsetzung der Pkw-Maut Ausnahmen für die Grenzregionen. Autofahrer müssten dort „mautfrei unterwegs sein“ können, sagte Klöckner, gegenüber der Presse. Auch auf den Bundesstraßen in Grenzgebieten solle keine Mautpflicht herrschen. „Ich bin Rheinland-Pfälzerin, wir haben grenznahen Verkehr ... in die Benelux-Länder, nach Frankreich, zum Beispiel, und da ist eine Maut für uns eher hinderlich.“

In das gleiche Horn stößt auch der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Trier, Dr. Jan Glockauer, und zielt auf die wirtschaftlichen und grenzüberschreitenden Beziehungen ab.

„Die Industrie- und Handelskammer Trier lehnt die Einführung einer PKW-Maut trotz des vorgelegten Kompromissvorschlags weiterhin entschieden ab und stützt damit die Einschätzung des rheinland-pfälzischen Verkehrsministers Volker Wissing. Der in Brüssel gefundene Kompromiss ist zu bürokratisch und bietet noch immer keine Lösung für drohende Konflikte in den Grenzregionen. Die regionale Wirtschaft profitiert entscheidend vom Handel mit den europäischen Nachbarn wie Luxemburg. Eine Maut als Eintrittsgeld in unsere Region belastet die guten Beziehungen erheblich.

Die Maut stellt außerdem keine Lösung für wichtige Investitionen in die Infrastruktur dar. Die von vornherein geringen Zusatzeinnahmen fallen durch den gefundenen Kompromiss noch geringer aus. Nach Ansicht von Experten dürften die Einnahmen aus der PKW-Maut weniger als 300 Millionen Euro im Jahr betragen. Der zu erwartende Nutzen einer Maut rechtfertigt den zusätzlichen bürokratischen Aufwand und drohenden Ärger in keiner Weise.“