LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK

Das Konzept für die „Rentrée“ in Corona-Zeiten steht

Größtmögliche Normalität“ bei „größtmöglicher Sicherheit“ lautet die Losung von Bildungsminister Claude Meisch (DP) für das anstehende Schuljahr in Corona-Zeiten. Der Anspruch des liberalen Ministers ist dabei unverändert: Trotz ungewisser Entwicklung des Pandemiegeschehens den Schülern ein möglichst komplettes Schuljahr anzubieten - und auch die für ihre Entwicklung wichtigen sozialen Kontakte. Entstanden ist das Modell auf der Grundlage der Erfahrungen zum Ende des letzten Schuljahres, auf der Grundlage des Berichts über Covid-19 in der Schule und „Gespräche“ mit Direktionen, Kompetenzzentren, Schülern- und Elternvertretern sowie Lehrergewerkschaften. Unter Letztgenannten wollen allerdings einige eher von „Information“ sprechen. Claude Meisch sieht für seine Pläne derweil eine breite Rückendeckung: „Alle Akteure sind sich einig darin, dass es absolut die richtige Vorgehensweise ist, das maximale Recht auf Bildung anstreben zu müssen und auf der anderen Seite das minimale Risiko für die Verbreitung des Virus garantieren zu können“.
Dennoch sei damit zu rechnen, dass nicht alle Angebote über die gesamte Dauer des Schuljahres aufrecht erhalten werden können und es sei auch damit zu rechnen, dass Schüler und Klassen in Quarantäne gesetzt werden. Dieses Szenario gelte es aber einzugrenzen, so Meisch, der deshalb eine Reihe von Anpassungen ankündigte. Die neun wichtigsten haben wir nachfolgend zusammengefasst.

Differenzierte Herangehensweise

Waren die sanitären Maßnahmen bislang landesweit identisch, sollen sie künftig je nach Schule angepasst werden können, wenn sich beispielsweise Infektionen in einer Region häufen. Auch können Schulen künftig eine Mundschutzpflicht im Klassensaal beschließen oder auf Sekundarschulebene  (beispielsweise große) Klassen ab 4e aufteilen und einen Teil der Schüler den Unterricht von zuhause aus per Streaming verfolgen lassen.

Transparente Kommunikation

Vielfach zum Ende des vergangenen Schuljahres kritisiert, versprach Meisch gestern eine „transparente Kommunikation“ und „regelmäßiges Reporting“ gegenüber der Öffentlichkeit über Infektionsfälle. Die „verbesserte Abstimmung“ soll durch eine Zelle mit Mitarbeitern der „Santé“ und der „Education“ gewährleitet werden. „Wir wollen, dass jeder Vertrauen in die Schule hat“, so der Minister. Die Bildungsakteure sollen zudem die „Santé“ bei der Kontaktnachverfolgung unterstützen.

Tests auf mehreren Ebenen

Alle Schüler, Lehrer und Professionelle in diesem Sektor können sich freiwillig vor Schulbeginn testen lassen. Die offizielle Teststrategie des Landes fokussiert sich künftig auch stärker auf Familien mit Kindern, da das Virus oft zuhause übertragen wird. Im Falle eines Infektionsherdes in einer Schule kann die neue mobile Einheit eingesetzt werden, die dann die Schule durchtestet.

Schulgebäude: Sanitäre Regeln beachten

Die in den Schulen bereits etablierten sanitären Regeln gelten weiter ebenso wie die Flurführung, um Kreuzungen von Gruppen zu vermeiden. Auch oder gerade in Bibliotheken, Pausenräumen oder auf Elternversammlungen müssen die sanitären Regeln eingehalten werden. Pausen finden versetzt statt.

„Immer wieder“ lüften

Für das Lüften von Sälen liegen  detaillierte Anweisungen des Ministeriums vor. Allabendlich sollen die Schulen gründlich durchgelüftet werden, tagsüber „immer wieder“ zwischendurch. Weiter gilt, nach Möglichkeiten Aktivitäten nach draußen zu verlagern.

Sport, Musik & Co.

Das Schuljahr fängt mit dem gesamten schulischen Angebot an. „Bildung ist mehr als Grammatik, Rechtschreibung und Rechnen“, sagt Meisch. Demnach wird auch gebastelt, musiziert und Sport betrieben - und das nach dem Stundenplan, der vor Covid-19 galt. Maskenpflicht gilt beim Schulsport in der Umkleidekabine, nicht im Unterricht an sich. Auch Ausflüge sollen wieder möglich werden, in erster Linie im Inland und unter Einhaltung des sanitären Konzeptes des Zielorts (Museen,...) Auch Kinderbetreuungseinrichtungen und Pfadfinderaktivitäten sind erlaubt: bei bis zu 30 Kindern in ungezwungener Form ohne Mundschutz.

Verantwortung der Eltern

Schnupfen, Grippe oder doch Corona? Bei „ernstzunehmenden“ Symptomen sollen  Eltern ihre Kinder zuhause behalten. Eltern sollen wohl ein Informationsblatt bekommen, das ihnen als Anhaltspunkt dient, ob und wann ein Kind dennoch zur Schule darf, beispielsweise wenn es nur ein leichtes Symptom aufzeigt. „WIr müssen reagieren, dürfen aber auch nicht überreagieren“, so Meisch.

Positive Fälle

Wird ein Schüler positiv auf das Coronavirus getestet, wird er unter Quarantäne gesetzt. Seine Klasse wird daraufhin stärker isoliert, indem sie etwa nicht mehr in die Kantine geht und dann die Mundschutzpflicht im Klassensaal beschlossen wird. Wiederaufhebung der Maßnahmen, wenn anschließende Tests negativ ausfallen. Bei mehreren Infektionsfällen wird die Klasse unter Quarantäne gesetzt. Kommt es zu richtigen Infektionsketten in einer Schule, können zusätzlich zur Quarantäne für betroffene Klassen und
Lehrer zusätzliche Maßnahmen ergriffen werden.

Schulkantine oder „Frupstut“

Bis zu zehn Schüler können wie in Restaurants üblich ab Herbst wieder in der Schulkantine zusammensitzen. Nur am  Tisch gilt keine Mundschutzpflicht. In den Lyzeen wird die „Frupstut“ freiwillig angeboten, vorausgesetzt, im Klassensaal, in dem gegessen wird, sitzen nicht mehr als zehn Kinder.