BRÜSSEL
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Auf die Verhandlungspartner kommen umfassende - und vermutlich vor allem zähe - Gespräche zu

Großbritannien hat bei der Europäischen Union offiziell seinen Austritt beantragt und so die Verhandlungen über den Brexit eingeläutet. Der britische EU-Botschafter Tim Barrow überreichte EU-Ratspräsident Donald Tusk am Mittwoch das formale Austrittsgesuch seiner Regierung, während Premierministerin Theresa May das Unterhaus in London über den von langer Hand geplanten Schritt informierte. Damit können die zweijährigen Gespräche über den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union beginnen.

„Die Regierung handelt heute im Sinne des demokratischen Willen des britischen Volkes“, sagte May im Unterhaus. „Dies ist ein historischer Moment, von dem es keine Umkehr geben kann.“

„Nach neun Monaten hat Großbritannien geliefert“, schrieb Tusk auf Twitter, ehe er ein Foto online stellte, das ihn und Barrow bei der Übergabe des Schreibens in Brüssel zeigt. Im Hintergrund: britische und EU-Flaggen.

In einer ersten Stellungnahme machte Tusk keinen Hehl daraus, dass er über die Entscheidung der Briten enttäuscht ist. Es gebe keinen Grund, so zu tun, als wäre dies „ein glücklicher Tag“, sagte der EU-Ratspräsident vor Reportern. Beim Brexit gehe es nun darum, „Schadensbegrenzung“ zu betreiben und die Kosten für die EU-Bürger, Unternehmen und Mitgliedstaaten so gering wie möglich zu halten. An Großbritannien gerichtet sagte er: „Wir vermissen euch jetzt schon.“

Auch aus der EU kamen enttäuschte Worte. Der dänische Ministerpräsident Lars Løkke Rasmussen erklärte, das „Auf Wiedersehen“ Großbritanniens an die EU sei „unglaublich traurig“. Der Vorsitzende der Fraktion der Europäischen Volkspartei im EU-Parlament, Manfred Weber, bezeichnete den Brexit als einen „gewaltigen Fehler“. Bundesaußenminister Sigmar Gabriel sagte, dass die Verhandlungen sicher nicht leicht würden. Er machte aber auch klar: „Lasst uns Freunde bleiben?!“

Brexit-Befürworter der ersten Stunde feierten dagegen. Der frühere Chef der EU-feindlichen Ukip, Nigel Farage, sagte, Großbritannien habe den „Punkt ohne Wiederkehr“ überschritten. Er selbst könne kaum glauben, dass dieser Tag gekommen sei, so Farage.

May wählte in dem Schreiben einen höflichen und versöhnlichen Ton. „Wir sollten uns konstruktiv und respektvoll aufeinander einlassen, in einem Geist aufrichtiger Kooperation“, schrieb sie an Tusk. Es liege im besten Interesse Großbritanniens und der EU, dass der anstehende Brexit-Prozess auf „faire und geordnete Art und Weise“ ablaufe. Störungen solle es auf beiden Seiten so wenige wie möglich geben.

Im Unterhaus sagte sie, das Ziel sei eine Einigung über den Brexit innerhalb der anvisierten zwei Jahre. Es werde allerdings einen stufenweisen Prozess der Umsetzung geben.

„Unsere besten Tage liegen vor uns“, sagte May. Großbritannien müsse „stärker, fairer und vereinter“ aus der Europäischen Union hervorgehen. Für die europäischen Partner werde ihr Land der „beste Freund und Nachbar“ sein. Die Welt brauche heute dringender denn je die liberalen, demokratischen Werte Europas. Ihr Land strebe sowohl nach einem „mutigen und ehrgeizigen“ Freihandelsabkommen als auch nach einer möglichst engen Zusammenarbeit mit der EU.

Großbritannien ist seit 44 Jahren Mitglied des Staatenbundes. Es war 1973 der damaligen Europäischen Gemeinschaft beigetreten, aus der die Europäische Union entstanden ist.

Die Mehrheit der Briten hatte am 23. Juni 2016 für einen EU-Austritt ihres Landes gestimmt. mit dem Austrittsgesuch wurde nun Artikel 50 der Europäischen Verträge aktiviert, der Großbritannien und der EU zwei Jahre Zeit gibt, um eine Einigung über die Bedingungen für die Scheidung zu erzielen.