LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Umweltverband spricht sich erwartungsgemäß gegen „Sonderzone Datacenter“ in Bissen aus

Es war nur eine Frage der Zeit. Nachdem der Gemeinderat von Bissen den Planungsweg für eine „Spezialzone“ zur möglichen Ansiedlung des Internet-Riesen Google in der Gemeinde möglich gemacht hatte, meldete sich nun die Umweltorganisation „Mouvement Ecologique“ mit einer dreizehnseitigen Stellungnahme gegen das Projekt zu Wort. Wobei die harsche Überschrift „Nein zur geplanten ‚Zone Spéciale - Datacenter‘ in Bissen!“ durch den Untertitel etwas relativiert wird. Dort heißt es: „Gegen eine Umklassierung des Areals ohne vorherige Klärung der offenen Fragen…“, wobei das Wort „vorherige“ herausgehoben wird.

Zu großer Flächenverbrauch

Beim Mouvement Ecologique (Méco) stört man sich vor allem an unpräzisen Formulierungen, mangelnden Informationen und dem Überwiegen von Annahmen gegenüber echten Fakten.

Ein Thema ist die eng fokussierte Aufgabe der Spezialzone, also ein Gewerbegebiet für nur ein Data-Center eines Anbieters. Hinzu kommt die schiere Größe des Bauvorhabens, dass nach Berechnungen des Méco knapp zehn Prozent der Flächen aller vorgesehenen neuen Gewerbegebiete verschlingen würde.

Rechnet man aber nach, kommt man zum Schluss, dass es „nur“ 7,2 Prozent sind - immer noch ziemlich groß. Näher dran ist der Méco, wenn die geplante Google-Fläche mit zehn Prozent des jährlich zulässigen Landverbrauchs ( 1 Hektar/Tag) angegeben wird - es sind 9,5 Prozent.

Außerdem werden die Einflüsse auf Flora und Fauna als nicht unerheblich eingestuft.

Der Méco stellt sich auf die Seite der Landwirtschaft, die sich bereits über großen Siedlungsdruck auf ihre Flächen beklagt. Mit dem potenziellen Bau von Google würden über 30 Hektar sehr guten Ackerlandes vernichtet werden, was nicht hinnehmbar sei.

Beim Meco stört man sich daran, dass - seiner Auffassung nach - aus den öffentlichen Unterlagen und der Darstellung der Regierung faktisch nichts hervorgeht. So sei nicht klar, wem das angegebene Investitionsvolumen von einer Milliarde Euro zugutekommt.

Nach internationalen Vergleichen fließt das meiste Geld, rund 90 Prozent, in die Hardware des Datacenter und damit ins Ausland. Nur die reinen Bau und Betriebskosten blieben im Inland - immerhin bis zu 100 Millionen Euro.

Ungelöste Energiefrage

Weder stehe fest, wie das Datacenter mit Energie versorgt wird, wieviel Energie es benötigt und ob neue Stromleitungstrassen benötigt würden, um Energie im ausreichenden Maß zu beschaffen. Regelrecht „auf die Palme“ bringt die Umweltorganisation das Argument der „billigen Energie“. Das sei ein „No go“ und - sinngemäß - „Tanktourismus“ mit anderen Mitteln.

Neben dem Landverbrauch ist es vor allem der Wasserverbrauch der „Google“-Anlage die dem Méco Kopfzerbrechen macht. Die Server der Anlage müssen rund um die Uhr gekühlt werden, dafür setzt man auf eine Wasserkühlung, die sich zum Teil aus der Alzette und zum anderen Teil aus dem Trinkwassernetz speist. Gerade hier sieht das Méco-Papier gewaltige Probleme.

Die Schlussfolgerung ist eindeutig: Nach den einsehbaren Unterlagen sei die Umklassierung von einer Grünzone in eine Spezialzone „Datacenter“ nicht akzeptabel.