LUXEMBURG
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Die Europäische Woche der Medienkompetenz wird auch im Großherzogtum ankommen

Die Informationskultur des Internets hat so ihre Vorteile: Nachrichten gehen binnen Sekunden um die Welt, Kontakte sind im Handumdrehen geknüpft, das Smartphone wird zum Tor zur Außenwelt. Zwischen echten Nachrichten, wichtigen Informationen, Falschmeldungen, übereilten Schlussfolgerungen und bewussten Fälschungen lässt sich aber immer schwerer unterscheiden, weil moderne Medien den Zugang immer schneller, direkter, allumfassender machen. In der neuen Zeit zählt nicht mehr nur der reine Wahrheitsgehalt, sondern auch, wie schnell die Information an die Öffentlichkeit kommt oder wie weit sie sich verbreitet - teils sehr zum Leidwesen der Fakten. Mark Twain wusste das bereits: Eine Lüge hat die Welt bereits drei Mal umkreist, bevor sich die Wahrheit die Morgenpantoffeln überziehen konnte.

Zudem verändert sich das mediale Angebot zusehends; Menschen sind nicht mehr nur passive Zuschauer, Zuhörer oder Leser, sondern gestalten das Medienangebot immer öfter selbst mit - ob mit Videoportalen wie YouTube, auf Streaming-Plattformen wie Twitch oder YouNow, in Textform durch Blogs oder mit kleinen Einträgen auf sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter, Instagram und Co.

Keine Bevormundung

Entscheidend ist deshalb, um den korrekten Umgang mit dieser Informationsflut zu wissen; „Medienkompetenz wird wichtiger denn je“, meinte dementsprechend Claude Wolf von der „Autorité luxembourgeoise indépendante de l'audiovisuel“ (ALIA) gestern bei der Vorstellung des gemeinsamen Programms anlässlich der Europäischen Woche der Medienkompetenz. „Um den Überblick bei der Fülle an Information und den teils irreführenden Inhalten zu behalten, ist eine entsprechende Kompetenz unbedingt nötig.“

Die Europäische Woche der Medienkompetenz ist eine brandneue Initiative der Europäische Kommission, um die Medienedukation in den Mittelpunkt zu rücken. Im Rahmen der Woche, die vom 18. bis zum 22. März stattfinden wird, soll auch eine gemeinsame Plattform mit Informationen entstehen, die Kommissarin für Digitales Mariya Gabriel wird zudem eine Konferenz in Brüssel abhalten. In Luxemburg wird hingegen einen ganzen Monat lang darüber geredet - und es beginnt bereits kommende Woche, unter anderem mit dem „Luxembourg City Film Festival“ und seinem Programm.

Auch dort sei der Fokus nämlich einmal mehr auf das Verstehen und Analysieren von Filmen und Medieninhalten gelegt worden, wie Gloria Morano vom Filmfestival erklärt: „Wir haben nicht nur ein eigenes Programm für das jüngere Publikum, sondern ein sehr breites Angebot für unterschiedlichste Altersklassen. Alle Vorstellungen sind zudem im Beisein von Experten geplant, sodass erklärende Worte immer möglich sind“, betonte sie gestern. So werden junge Menschen auch im Rahmen der Film-Jurys zu Wort kommen, gleichzeitig wird das nötige Know-How durch Workshops und „Masterclasses“ vermittelt.

Wichtig sei dabei, keinesfalls bevormundend zu wirken. „Das Thema Medienkompetenz könnte genauso wie die politische Bildung missverstanden werden - als wolle man den Pluralismus beenden und eine bestimmte Leseart, eine bestimmte Meinung erzwingen“, meinte Ines Kurschat, Präsidentin des Presserates dazu. Der kritische Umgang mit den Informationen stehe im Mittelpunkt; „der Reflex muss es sein, Dinge nicht einfach zu lesen und anzunehmen, sondern diese zu hinterfragen und selbst zu prüfen.“

Jugendliche hätten hier einen entscheidenden Vorteil: „Sie sind in den sozialen Netzwerken zuhause und beeinflussen selbst, wie sich die mediale Zukunft weiter entwickelt“, erklärt Kurschat. Nicht zuletzt auf Plattformen wie Twitter oder Instagram sei das bereits länger der Fall. „Wir können da noch sehr viel von den Jugendlichen lernen.“ Medienkompetenz sei nämlich ständig im Wandel.

Damit diese Kompetenz entsteht, bieten Partner wie der SNJ oder das Zentrum für politische Bildung (ZpB) ein breites Programm an, das unter anderem auch Eltern anspricht. „Unser Jugendzentrum im Marienthal bietet mehrere Workshops zum Thema Mediengestaltung und zur Förderung von kritischem Umgang mit Informationen“, meint Jeff Faltz vom SNJ beispielsweise. Der Reflex, mehrere Informationskanäle zu nutzen um sich vollumfänglicher zu informieren, stehe dabei im Vordergrund - und auch Eltern stünden im Fokus, um besser auf Fragen ihrer Kids antworten zu können und einen kompetenten Umgang vorzuleben. Natürlich kommt auch das Kreative nicht zu kurz: Etwa beim „Jeune Journaliste“-Wettbewerb, der von dem Presserat zusammen mit dem SCRIPT organisiert wird. Weiter zu nennen: der „Crème Fraîche“ - Filmwettbewerb, und selbstverständlich die BEE Secure-Initiative nicht zu vergessen, die bereits seit Jahren zum richtigen Umgang mit Medien, Smartphones und Privatsphäreeinstellungen informiert.

Auch die Präsidentin des Presserates unterstrich das breite Angebot, das sich neben Erwachsenen und Eltern natürlich auch an Jugendliche und Schüler richtet: „Wir arbeiten schon seit Jahren mit Schulen zusammen, um Themen wie Falschnachrichten oder Soziale Netzwerke anzusprechen“, erklärte Kurschat. Dabei seien auch von den Schülern eingebrachte Themen aufgenommen worden, etwa die Sorge um Mobbing oder die Tatsache, dass die Grenzen zwischen den traditionellen Medienbereichen - Film, Fernsehen, Zeitung, Radio - durch neue Technologien immer fließender wurden. „Das ist ein Beispiel, wo wir bereits viel dazu gelernt haben.“ Allein in diesem Jahr habe man so gemeinsam mit 79 Schulen mehrere Präsentationen geplant.

Um Medienkompetenz und Sicherheit geht es auch bei „Alles unter Kontrolle“, das vom ZpB angeboten wird und sich damit beschäftigt, wie sich Jugendliche davor schützen können, dass ihre persönlichen Informationen abgezwackt werden. „Damit und unserem restlichen Angebot haben wir aber nicht nur Jugendliche, sondern auch Erwachsene und Eltern im Kopf“, meinte ZpB-Direktor Marc Schoentgen mit Blick auf das vielfältige Angebot seitens des ZpB, des SNJ, des Filmfestivals, des SCRIPT und vielen mehr. „Wir haben auch andere Weiterbildungsangebote zum besseren Verständnis von Filmen und ihrer Rolle in der politischen Bildung sowie einen interessanten Überblick über die luxemburgische Medienlandschaft.“

Das Ziel sei ganz klar nicht, moderne Medien zu dämonisieren, sondern aufzuklären. „Wir haben zum Beispiel auch eine Ausstellung über Nazi-Propaganda im neimënster“, erklärt er. Diese soll zum Nachdenken anregen, wie die Tricks von vor 80 Jahren funktionierten und warum ähnliche Kniffe auch heute noch ein beliebtes Mittel sind. „Aus der Geschichte lernen - denn Medien Kompetenz bedeutet auch einen Umgang mit der Vergangenheit“, meinte Schoentgen. Deshalb sollen Teile der Ausstellung auch als konzentrierte Version zur Wanderausstellung werden können.

Mehr Informationen zur EU-Medienkompetenzwoche und das vollständige Programm der Partner in Luxemburg für den Medienkompetenzmonat März unter


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