LUXEMBURG
PIERRE WELTER

Staatsanwaltschaft fordert Geldstrafe gegen Sven Clement wegen illegalem Zugriff auf Datenbank

„Piratepartei“-Chef Sven Clement riskiert in der „Médicoleak“-Affäre eine „angepasste“ Geldstrafe. Mehr forderte die Staatsanwaltschaft in der Angelegenheit um das Eindringen in die Datenbank des staatlichen „Centre médico sportif“ gestern nicht. Clement wird vorgeworfen, sich im Januar 2012 mit Unbekannten illegal in die Datenbank eingeklinkt und dort gezielt Informationen abgegriffen zu haben. Knapp 49.000 Sportlerdossiers mit persönlichen Daten waren dort gespeichert. Ein weiterer Anklagepunkt lautet auf Beihilfe zum Verstoß gegen das Urheberrecht. Sven Clement war geständig. Allerdings beteuerte der gelernte Informatiker, er habe nicht Datenklau betreiben wollen, sondern lediglich auf die vorhandene Sicherheits-Schwachstelle im „Centre médico sportif“ aufmerksam machen.

Zugangsdaten auf einem Zettel am Computer

Ende Dezember 2011 hatte Sven Clement ein Rendez-vous im „Centre Médico-Sportif“ beim Sportmediziner Dr. Scheer. In dessen Praxis war Clement aufgefallen, dass die dortige Datenbank eigentlich jedem zugänglich war. Denn: Der Arzt hatte sich die Zugangsdaten für die Datenbank auf einem Stück Papier notiert und - für jeden sichtbar - am Computerbildschirm befestigt.

Clement gab auch zu Protokoll, dass er die Datenbank schon vorher kannte. Denn bis Januar 2012 stand auf jedem Brief, den er aus dem „Centre“ zugeschickt bekam, die entsprechende Webadresse. Er sei schockiert gewesen, als er feststellen musste, dass man so leicht an ein Passwort rankommen kann, so Clement. Er habe dann das Passwort im „Centre médico sportif“ fotographiert. Das „Datenleck“ hatte er später beim „Computer Incident Response Center Luxembourg“ (CIRCL) gemeldet, das den Vorfall dann an das „Computer Emergency Response Team“ (CERT National) weitergab. Die technische Behörde war sofort aktiv geworden und hatte nach gründlicher Prüfung die Verantwortlichen der „Médico“-Datenbank informiert. Im Zuge der Kontrollen wurde ebenfalls geprüft, ob Daten verändert wurden und welcher Computer zu welchem Moment auf die Daten zugegriffen hatte. Gleichzeitig wurden Empfehlungen herausgegeben, wo Lücken zu schließen sind, respektive wie Daten besser abzusichern sind. Auf der Suche nach den Autoren des illegalen Datenzugriffs hatte die Staatsanwaltschaft mehrere Hausdurchsuchungen angeordnet.

Der Präsident der „Piratepartei“ prangerte gestern die technischen Defizite bei der Absicherung der Daten des „Centre médico sportif“ an. Er warf der Regierung außerdem vor, keine effiziente Datensicherheitsstrategie ausgearbeitet zu haben. Die Regierung bezeichnete den Vorfall übrigens als „erreur humaine“. „De Staat huet onsouverän op déi Saach reagéiert“, sagte Clement gegenüber der Presse.

Die Anklage versuchte zu beweisen, Sven Clement habe Daten gestohlen. Ins Visier der Justiz wäre der Angeklagte nämlich geraten, weil er in der Datei gewühlt und seinem Vize-Präsidenten Informationen geschickt habe. Dem widersprach aber vehement Clements Anwältin Nicky Stoffel und verlangte einen Freispruch für ihren Mandanten. Staatsanwalt Herrmann meinte zum Schluss, man müsse sich die Frage stellen, ob der Arzt mit seinem unverantwortlichen Handeln nicht gegen den Datenschutz verstoßen habe. Der Angeklagte habe eine Strafe in Form einer Geldzahlung verdient, so Herrmann.

Das Urteil fällt am kommenden 16. Oktober. Die „Piratepartei“ stellte sich gestern in einer Pressemitteilung hinter ihren Präsidenten. Hier werde jemand belangt, der auf einen wirklich schlimmen Missstand hingewiesen habe..