LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Den Medien in Luxemburg geht es schlecht: Da ist die Mediengruppe Saint-Paul (Luxemburger Wort, Télécran), die ihren Sozialplan nicht zustande bringt. Sie gehört seit April dem flämischen Mediahuis. Die traten an mit der Maßgabe, digitale Kompetenz zu haben. Bislang schlägt sich das allerdings nur in dem Plan nieder, ein Viertel der Belegschaft von rund 330 Leuten zu entlassen. Das betrifft auch die Redaktionen und kann nicht ohne Auswirkungen auf die Inhalte bleiben. Genau die aber wollen die Leser. Schon seit Jahren nimmt die Zahl der Abonnenten bei allen Zeitungen ab. Saint-Paul stand bis dato mit seinem Angebot noch relativ gut da. Doch die Finanzleute der Holding stören die Löhne der Journalisten.

Bei der Editpress-Gruppe aus Esch/Alzette (Tageblatt, Revue) ist vorerst etwas Ruhe eingekehrt. Mit dem Verkauf des Grundstücks an der Kanalstraße sind jetzt viele Bauherren einen Schritt weiter und Editpress kann durchatmen, bevor die Redaktionen in die Räume eines ehemaligen Fitnesstempels nach Belval ziehen. Ob das die Zahlen kräftigt? Der Haken ist nur, dass sich ein Grundstück nur einmal verkaufen lässt. Und in ein paar Jahren dürften die Probleme die gleichen sein wie vorher.
Dann gibt es auch noch unsere Zeitung. Klar ist, dass sie zum Jahresende das letzte Mal nach 72 Jahren in gedruckter Form erscheint. Das angedachte Multimediaprojekt für 2021 soll Ende des Jahres vorgestellt werden.

Die generelle Tendenz jüngerer Generationen spricht gegen Printpresse und für „soziale“ Medien, die längst die größten Inhalteabgreifer sind. Dazu kommen dann noch Gesetze, die Anzeigen ins Digitale verlegen, Kunden, die  Anzeigen per Klick verfolgen wollen und eine hübsche Coronakrise: Fertig ist die Katastrophe.

Kritiker entgegnen: Was soll‘s, wir haben ja noch RTL! Doch dort wurde gerade der Kollektivvertrag durch die Direktion gekündigt. Beim Mutterhaus Bertelsmann kracht es ordentlich: Thomas Rabe, Vorstandsvorsitzender von Bertelsmann und Chief Executive Officer der RTL Group, hat im vergangenen Monat den Abbau von hundert Stellen in der Konzernzentrale und anderswo angekündigt. Der Sitz der RTL Group in Luxemburg wurde bereits vergangenes Jahr von über 112 Stellen auf kaum mehr als ein Dutzend reduziert, der Rest wurde nach Köln verlegt. Der Wille Rabes, hier einen personalintensiven TV-und Radiosender zu erhalten, dürfte im Wesentlichen davon abhängen, wieviele Millionen Luxemburg dafür bereitstellt.

Es sieht also richtig schlecht für alle aus. Dazu kommen die Pläne, eine neue Pressehilfe einzuführen, die bei der Printpresse nicht mehr nach Seiten, sondern nach Köpfen ausgezahlt wird. Ausbildung und Berufserfahrung werden nicht berücksichtigt. Bei der avisierten Summe von rund 30.000 Euro pro Journalist und Jahr dürfte das von jeder Mediendirektion als das anzustrebende Jahresgehalt angesehen werden.

Premierminister Xavier Bettel ist auch Kommunikationsminister. Er hat die Rolle der Medien für eine funktionierende Demokratie unterstrichen. Doch gleichzeitig wird das Wort Digitalisierung zum Mantra erhoben. Wo aber sind die Medien, die damit Geld verdienen? Zeitungen in Luxemburg sind nicht Facebook, Instagram oder Google. Sie haben mehr Auflagen und weniger Macht. Wenn es sie nicht mehr gibt, hat das auch Auswirkungen auf die anderen Medien. Was bleibt, sind die Ränder der Demokratie, die immer dicker werden: Extreme Ansichten nehmen dann mehr Raum ein, wenn niemand mehr da ist, dagegen anzuschreiben.