LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Benjamin Blasco hat mit „Petit BamBou“ großen Erfolg: Zwei Millionen Nutzer in mehreren Ländern sind schon Kunden

Benjamin Blasco erinnert sich noch gut an die Zeit, als er überhaupt nicht entspannt war. „Wenn ich zu Hause war, musste ich trotz der Gegenwart meiner Kinder dauernd an die Arbeit denken. Umgekehrt waren meine Gedanken am Arbeitsplatz sehr oft bei der Familie“, schildert er die innere Zerrissenheit.

Der heute 42-jährige Franzose hatte schon das hinter sich, was man einen eindrucksvollen Karriereweg nennen kann: Ingenieur der renommierten Pariser „École polytechnique“, die zu den angesehensten und selektivsten Ausbildungsstätten für Ingenieure zählt und eine der französischen „Grandes écoles“, der Elite-Hochschulen, ist. Er hatte für Startups Finanzen strukturiert und Telekommunikationsunternehmen beraten, bevor er zu Paypal nach Luxemburg wechselte. Seit acht Jahren lebt er im Land. Wie er zum Gründer von „Petit BamBou“, einer sehr erfolgreichen App mit über zwei Millionen Nutzer für Meditation wurde, erzählt er hier.

Herr Blasco, sind Sie Esoteriker?

Benjamin Blasco Nein, überhaupt nicht (lacht)! Aber ich denke, Meditation ist gut für die Persönlichkeitsentwicklung. Wir sind heute alle gestresst; durch viele Mails, durch Anrufe, Benachrichtigungen, Skype und viele andere Kommunikationswege. Irgendwann fragt man sich nach dem Sinn der Arbeit. Mit meinem Mitgründer Ludovic hatte ich ein solches Gespräch. Und so kamen wir auf Meditation und die Idee zu Petit BamBou. Er selbst hat auch zwei Kinder und viel Arbeit, und wir kennen viele andere Menschen in der gleichen Situation.

Wie ging es dann weiter?

Blasco 2014 habe ich bei Paypal gekündigt. Ludovic hat einige seiner Startups verkauft. Wir haben am ersten Januar 2015 mit der App angefangen, sozusagen in der Garage. Wir haben die App zur Meditation entwickelt und einen Businessplan ausgearbeitet. Erst haben wir es nur auf Französisch programmiert. Das Publikum war dafür bereit, weil heute überall über Meditation berichtet wird: in den Presse, am Fernsehen, in den Buchhandlungen.

Wie funktioniert die App?

Blasco Es gibt acht Sitzungen, die gratis und unbegrenzt zugänglich sind. Wer mehr will, muss sich abonnieren. Es gibt zurzeit rund 650 unterschiedliche Sitzungen, aus denen man wählen kann. Die betreffen ganz unterschiedliche Themen wie beispielsweise Schlaf, Kinder, Gefühle, die Arbeitswelt oder Sport. Auch im Hinblick auf Länge kann man sie auswählen. Die meisten dauern zehn bis 15 Minuten. Die Programme sind von Experten erstellt, oft gibt es ein kleines Einführungsvideo. Die Meditationsprogramme bieten auch kurze Animationen, die die Prinzipien der Meditation auf eine spielerische Weise erklären. Seit März bieten wir die App auch auf Deutsch an, seit Juni auf Spanisch. Die Sitzungen kosten rund fünf Euro pro Monat bei einem Jahresabo. Ein Teil des Erfolgs kommt vielleicht auch daher, dass wir eine der ersten Gesundheits-Apps waren.

Sind Sie erfolgreich?

Blasco Wir sind sehr zufrieden. Wir haben insgesamt über zwei Millionen Nutzer, davon 40.000 in Deutschland und 60.000 in Spanien. Das würde ich schon als Erfolg sehen. Aber das bedeutet für mich mehr. Wir haben hier ein Team von rund zehn Mitarbeitern mit einer guten Atmosphäre. Wir sind stolz auf das gute Betriebsklima. Auch so etwas ist mir wichtig.

Meditieren Sie selbst?

Blasco Ja, jeden Tag, dann ziehe ich mich kurz zurück. Die Meditation hilft mir, mich selbst zu begleiten. Wenn ich das nicht gemacht hätte, hätte ich den Weg hierher nicht gefunden. Heute bin ich sehr präsent, geduldiger und kenne meine Gefühle besser. Es ist der Beginn eines Wegs in Richtung mehr Weisheit.

Meditation ist hipp. Warum?

Blasco Heute kommen immer mehr Menschen zu dem Schluss, dass nicht nur Sport und gute Ernährung wichtig sind - das hilft dem Körper -, sondern auch Meditation. Es gibt viele Studien zum Erfolg, unter anderem in Schulen oder Gefängnissen. Aber auch viele Unternehmen wie beispielsweise Google bieten Meditation an. Das hilft bei Führungsqualitäten und einer wohlwollenden Einstellung zu anderen.

Die meisten unserer Kunden sind älter als 35 Jahre und stellen fest, dass es wichtig ist, sich Zeit zu nehmen für sich selbst. Wir sind kein Anti-Stress-Pflaster. Uns geht es um eine echte Kultur. Deshalb arbeiten wir mit den Experten in jedem Land zusammen.

Wie geht es weiter?

Blasco Im November erscheint Petit BamBou auf Englisch, auch der italienische oder brasilianische Markt kann interessant sein. Vielleicht machen wir auch noch eine Version auf Luxemburgisch. Ich bin froh, dass wir hier in Luxemburg sind, denn hier ist der europäische Einfluss sehr stark. Wir wollen noch hier im Inkubator LuxFutureLab bleiben, solange es geht. Ich denke, wir sind auf einem guten Weg. In jedem Fall erreichen uns täglich Mails begeisterter Nutzer, die sagen, dass ihnen das wirklich weiterhilft.

www.petitbambou.com