LUXEMBURG
ANNETTE WELSCH

Die Medizinausbildung wird ausgebaut: Basisstudium und zwei weitere Facharztausbildungen

Die Würfel in der seit Jahren laufenden Diskussion um eine medizinische Universitätsausbildung in Luxemburg sind gefallen: Ab 2020/21 bietet die Universität Luxemburg den Bachelor in Medizin an. Ab 2018/19 soll auch die Facharztausbildung ausgebaut werden: Bietet die Luxemburger Universität bislang nur die Möglichkeit, den Facharzt in der Allgemeinmedizin zu absolvieren, so sollen künftig auch in Zusammenarbeit mit allen Krankenhäusern des Landes fertige Medizinstudenten zu Onkologen (Fachärzte für Krebserkrankungen) und Neurologen (Fachärzte für Erkrankungen des Gehirns, des Rückenmarks, der Nerven sowie der Muskulatur) ausgebildet werden können.

„Das stellt einen erheblichen Ausbau der medizinischen Ausbildung hier im Land dar“, sagte der delegierte Minister für Hochschule und Forschung, Marc Hansen (DP) gestern, als er zusammen mit Gesundheitsministerin Lydia Mutsch (LSAP) die Neuerungen vorstellte. Mit dem Bachelor werde das Medizinstudium in Zusammenarbeit mit den Universitäten Straßburg und Lothringen ausgebaut. „Wir werden uns jetzt noch nach Universitäten in Belgien und Deutschland umschauen“, stellte Hansen in Aussicht.

2023 evaluieren, ob auch Master angeboten werden soll

Ob man künftig auch den Master anbieten wird, werde man evaluieren, wenn 2023 die Erfahrungen mit dem ersten abgeschlossenen Bachelor-Studiengang vorliegen. „Wir wollten uns nicht übernehmen mit dem intensiven Prozess einer vollständigen Medizinausbildung und zunächst eine anständige Qualitäts- und Exzellenz-Basisausbildung auf die Beine stellen. Unsere Bachelor sollen einen guten Ruf bekommen, damit sie auch Plätze im Ausland finden“, sagte Hansen. „Wir wollten den Studenten auch nicht die Türen an andere Universitäten verschließen, die sie nur nehmen, solange Luxemburg nicht selber einen vollständigen Zyklus anbietet.“

Die Uni.lu sei bereit, die Bachelorausbildung zu garantieren, sofern sie denn zusätzliche Mittel dafür zugestanden bekommt. Für die Vorbereitungsarbeiten werden ihr nun 2018 1,6 Millionen Euro und 2019 vier Millionen Euro zugestanden. Für 2020 sind dann 7,5 Millionen Euro vorgesehen. Schließlich sollen „ordentliche Professoren rekrutiert werden. Dann sollen 25 der Studenten, die ihr erstes Jahr geschafft haben in das zweite Jahr Medizin übernommen werden. „50 Studenten der rund 100, die jedes Jahr zum ersten Jahr Medizin in Luxemburg zugelassen werden, schaffen ihr Jahr. Wir wollen ihnen weiterhin die Möglichkeit lassen, ihre Studien im Ausland fortzusetzen.“

Neurologie und Onkologie sind Forschungs- und Politikschwerpunkte

Hohe Qualität soll auch bei der ab 2018/19 möglichen Ausbildung zu Fachärzten in Onkologie und Neurologie gelten, die sich in die bereits existierenden Forschungstätigkeiten an der Uni, der Biobank IBBL und dem „Luxembourg Institute of Health“ (LIH) eingliedert. „Wir wollten Bereiche, in denen wir glaubwürdig sind, in deren Forschung wir schon viel investiert haben und in denen wir viel Know-how und internationale Anerkennung erreicht haben“, sagte Lydia Mutsch. Das sei klar bei neurodegenerativen Krankheiten, wie Demenz und Parkinson, aber auch der personalisierten Medizin zur Krebsbehandlung der Fall.

Bei den Abgeordneten der beiden betroffenen Ausschüsse kamen die Initiativen gestern morgen gut an. Die Vereinigung der Medizinstudenten ALEM ihrerseits verschickte gestern vor der Pressekonferenz eine Mitteilung, in der sie sich nochmals für das Angebot eines kompletten Studienzyklus aussprach. Genau wie andere europäische Länder beklage Luxemburg einen Ärztemangel, ein eigenes Medizinstudium würde dieser Problematik in Zukunft teilweise entgegenwirken.

MEDIZINAUSBILDUNG IN LUXEMBURG

Steiniger Weg - lange Diskussion

Bislang können angehende Mediziner ein Jahr Medizin an der Uni.lu studieren und müssen dann ins Ausland oder sie bewerben sich direkt an einer ausländischen Universität. Beide Wege sind schwierig, denn der Zugang zum Medizinstudium ist in vielen Ländern begrenzt - Stichwort Numerus Clausus oder schwierige Aufnahmeexamen - und es werden auch nur gewisse Kontingente an ausländische Studenten vergeben. Eine solche Quotenregelung in Belgien wurde 2013 abgeschafft, eine Ausnahmeregelung gilt noch für die drei Länder Luxemburg, Liechtenstein und Malta, weil sie kein vollständiges Medizinstudium anbieten. Bislang waren zwei Modelle in der Diskussion: Das Projekt „Universität der Großregion” mit einer vollständigen sechsjährigen Medizinausbildung in Luxemburg in Zusammenarbeit mit ausländischen Partneruniversitäten wie Homburg und Nancy und der Ausbau des ersten Jahres an der Uni.lu zu einem Bachelor für die ersten drei vorklinischen Jahre. Für die drei abschließenden Master-Jahre müssten die Studenten dann ins Ausland wechseln. Für das vollständige Modell einer „Medical School“ in Luxemburg gab es zwei Kostenschätzungen: Die Unternehmensberater von „Deloitte“ kamen auf ein Jahresbudget von 75 Millionen Euro, die Schweizer AAQ kam auf 35 Millionen Euro. Nicht zuletzt wegen dieser hohen Kosten beschränkte man sich jetzt wohl auf den Bachelor. Ab 2020 soll die Uni.lu nun 7,5 Millionen Euro pro Jahr zusätzlich bekommen, um den Bachelor anbieten und dafür zusätzliche Professoren rekrutieren zu können. (AW)