LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Studie: Durchschnittliche Verluste von 340 Euro je Apothekennotdienst

Dass Apotheken einen Notdienst anbieten oder, schlichter formuliert, „Bereitschaft“ haben, ist für potenzielle Patienten, und das sind fast alle Bürger, normal. Doch kaum jemand bedenkt, dass der Bereitschaftsdienst in der Nacht und am Wochenende mit unternehmerischem Aufwand verbunden ist. Entweder stehen der Inhaber oder die Inhaberin selbst hinter dem Nachtschalter der Apotheke, oder jemand aus dem Personal übernimmt den Job. In beiden Fällen entstehen Kosten. Kosten, die nicht auf die Medikamente umgelegt werden können.

Von staatlicher Seite wird überlegt, die Apotheker für ihre Notdienste zu entschädigen. Basis dafür liefern Erkenntnisse aus einer Feldstudie, die die Notdienste im Regierungsauftrag analysierte. Diese Überlegungen haben die beiden Abgeordneten der „Gréng“, Josée Lorsché und Marc Hansen, dazu bewogen, eine entsprechende parlamentarische Anfrage an Finanzminister Pierre Gramegna (DP) und Gesundheitsminister Etienne Schneider (LSAP) zu richten.

Ob die Minister schon Ergebnisse der Studie nennen können? Ob es schon eine Einigung über die Höhe einer Entschädigung gibt und ob diese - von staatlicher Seite übernommene - Entschädigung schon im Haushaltsentwurf für 2019 berücksichtigt wird?

Laut Finanzminister Gramegna hat das Gesundheitsministerium mit Unterstützung eines externen Beraters und der Hilfe des Apothekerverbandes (SPL) eine Analyse und Bewertung des Apothekenmarktes in Luxemburg erstellt. Dabei standen Organisation, Durchführung und Kosten des Bereitschaftsdienstes im Fokus.

Als Referenzjahr wurde 2017 ausgewählt, für die Studie wurden auch nicht alle 94 Apotheken herangezogen, sondern nur 31 ausgewählt, die einen repräsentativen Querschnitt des luxemburgischen Apothekenmarktes darstellen.

2017: 3.369 Bereitschaftsdienste

Laut der Untersuchung gab es 2017 landesweit 3.369 Bereitschaftsdienste. Die Apotheken lassen sich dabei in zwei Gruppen unterscheiden. Die einen sind an Orten angesiedelt, wo es ein Ärztehaus oder einen ärztlichen Notdienst gibt, die anderen liegen mehr in der Fläche (soll heißen: auf dem Land).

Für die erste Gruppe schlägt sich der Notdienst in einem leichten betriebswirtschaftlichen Verlust von 100 bis 150 Euro nieder. Für die zweite Gruppe sehen die Zahlen deutlich schlechter aus, hier variieren die Verluste zwischen 200 und 1.000 Euro. Im Mittel ergibt sich für die Apotheken für jeden Not- oder Bereitschaftsdienst ein mittlerer Verlust von 340 Euro.

Schon im Koalitionsvertrag wurde festgehalten, dass sich der Staat an der Aufrechterhaltung der Apothekennotdienste beteiligen und eine entsprechende Entschädigungsleistung zahlen will.

Dieses Vorhaben wird laut Gramegna auch im Haushaltgesetz berücksichtigt werden, konkrete Zahlen über die bereitgestellte Summe liegen noch nicht vor, da der Entwurf noch in Arbeit ist.