Der Satellit im Flur von Luxspace ist 30 x 30 x 30 Zentimeter groß und wiegt 30 Kilogramm. Aber er kann über 130.000 Schiffe sowie zahlreiche Fischgründe und Container wachen. Damit stärkt sein Betreiber Luxspace nachhaltige Fischerei, Sicherheit auf See oder Seenotrettung. Das alles funktioniert von Betzdorf aus. Gerd Eiden, der bei dem Unternehmen der OHB-Gruppe für Entwicklung und Service zuständig ist, erklärt, wie es funktioniert.
Herr Eiden, was macht Luxspace?
Gerd Eiden Wir betreiben zur Zeit zwei Mikrosatelliten, die wir hier in Luxemburg gebaut haben. Sie sind nicht sehr groß, können aber weltweit den Schiffsverkehr erfassen. Das wird möglich durch so genannte AIS-Signale, die die Schiffe senden. Das steht für Automatic Information System, einem international standardisiertem System zur Vermeidung von Schiffskollisionen. Schiffe übermitteln ihre Positions-und Navigationsdaten, die von anderen Schiffen empfangen werden können. Unsere Satelliten empfangen diese Daten ebenso. Über Bodenempfangsstationen erreichen die Daten auch unser Datenzentrum in Luxembourg, von wo aus wir die Informationen konfigurieren und weltweit vermarkten.
Was sagen die Signale aus und wen interessiert das?
Eiden Die AIS Signale enthalten unter anderem eine Schiffskennung, die aktuelle Position, Geschwindigkeit den Schiffstyp - beispielsweise einen Tanker - und die Größe. Damit können wir Schiffe erfassen, die größer als 300 Tonnen sind, also beispielsweise auch die Schiffe auf der Mosel, aber auch kleinere Fischereischiffe. Die sehen wir dann bei uns auf dem Monitor fast in Echtzeit. Diese Daten interessieren beispielsweise Hafenbehörden, die wissen wollen, wer wann in den Hafen einläuft, um die Be-oder Entladung zügig abwickeln zu können. Auch die Seenotrettung nutzt sie oder die Küstenwache, weil wir ein sehr großes Seegebiet überwachen können.
Es gibt auch andere Interessenten wie beispielsweise Rohstoffhändler. Die wollen wissen, wann Öltanker welchen Hafen erreichen, um so Voraussagen über das Angebot an Rohöl zu treffen, die wiederum den Preis auf den Rohstoffbörsen bestimmen. Eines unserer größten Projekte ist aber im Moment die Kontrolle der Fischerei.
Ist dafür nicht die EU zuständig?
Eiden Bei der EU geht es um Fangrechte. Bei uns geht es um eine Zusammenarbeit mit dem Marine Stewardship Council (MSC) und dem WWF einerseits und dem Handel andererseits. Der Handel steht unter ungeheurem Druck, weil die Kunden gern nachhaltig gefangenen Fisch kaufen wollen - aber sie wollen auch sicher sein, dass er nachhaltig gefischt worden ist. Mit unserem System können wir das genau nachweisen. Wir sehen, welches Schiff Naturschutzgebiete respektiert, welche Fangmethoden es einsetzt und wo der Fisch angelandet wurde. Der WWF und MSC überprüfen mit diesen Daten die Herkunft und sorgen für die notwendige Transparent bei der Herkunft des Fisches. So gewinnt der MSC-Label an Wert und gute Fangpraktiken werden gefördert. In Zukunft wäre beispielsweise denkbar einen QR-Code auf der Packung zu verwenden. Wenn der Kunde dann zum Beispiel eine Dose Thunfisch kauft, kann er genau sehen, wo und wann er gefischt wurde. Der Handel ist daran sehr interessiert.
Ihr Unternehmen war vor kurzem bei der kapverdischen Regierung. Warum?
Eiden Wir erarbeiten zusammen mit anderen luxemburgischen Firmen gerade ein Angebot für die Regierung der Kapverdischen Inseln. Denn die Regierung ist für ein sehr großes Gebiet auf See zuständig, durch das Tanker, Fischereiboote und viele andere fahren. Dort verläuft eine wichtige Schiffsstraße zwischen Südamerika und Europa.
Außerdem liegt dort einer der reichsten Fischgründe des Atlantiks. Durch unseren Satelliten und AIS Daten würde die Überwachung des Schiffsverkehrs einfacher und sicherer.
Mit dem System lässt sich sicher noch mehr überwachen?
Eiden Im Moment testen wir in Zusammenarbeit mit Kühne & Nagel ein innovatives Trackingsystem für Container. Dabei wird nicht nur die Position des Containers nachverfolgt, sondern auch der Zustand der Ladung im Container, wie Temperatur, Feuchtigkeit, Erschütterungen oder unberechtigtes Öffnen des Containers. Die Informationen werden dann über das Mobilfunknetz oder über Satelliten direkt an die Spedition oder den Eigentümer der Ladung versendet. Solange der Container über Land transportiert wird, funktioniert die Datenübertragung problemlos. Schwieriger wird das beim Seetransport, denn dann verschwinden die Container tief im Schiffsbauch und jegliche Datenübertragung wird verhindert. Anstatt des Containers verfolgen wir mit unseren Satelliten dann das Schiff. Für den Transport sehr teurer Ware wie Medizin oder Elektroartikel ist das System sehr interessant, sowohl für den Lieferanten als auch für den Kunden. Das System soll ab 2016 vermarktet werden.
Wie kommen die Satelliten ins All?
Eiden Wir brauchen keine große Raketen, sondern suchen eher eine Art Mitfluggelegenheit. Dafür nutzen wir den Kontakt zu unseren chinesischen oder indischen Raketenbauern. Die nehmen uns gerne mit. Derzeit arbeiten wir an einem dritten AIS Satelliten für einen kanadischen Kunden.
Wer ist ihr Konkurrent?
Eiden Da gibt es eine Menge, die AIS-Satelliten bauen und ähnliche Dienstleistungen anbieten wollen. Spire, eine amerikanische Firma, hat beispielsweise angekündigt, eine Konstellation von mehr als 200 AIS Satelliten zu starten.
Wenn man bedenkt, dass in der Branche etwa drei bis vier Jahre für den Bau eines Satelliten vergehen, ist das schon eine Ansage. Aber wir versuchen, mit anderen luxemburgischen Unternehmen wie Gradel oder emtronixs zu kooperieren. Groß bauen kann schließlich jeder. Die Kunst ist, klein zu bauen.


