COLMAR-BERG
INGO ZWANK MIT GOODYEAR

Goodyear Luxembourg öffnet die Tore zu seiner Reifenproduktion

Die Entwicklung von neuen Reifen ist ein recht aufwändiger Prozess und nimmt eine Menge Zeit in Anspruch. Um einen „kleinen“, und das ist wirklich ein kleiner Einblick in die Produktions- und Testabläufe zu erhaschen, gewährte das Goodyear Innovation Center in Luxemburg (GIC*L) am vergangenen Dienstag und Mittwoch über 100 Pressevertretern dieses Reinschnuppern in die heiligen Hallen.

Schnuppern in die Produktion

Dort erklärten Experten aus den Bereichen Produktentwicklung, Mischung, Physik, Reifentest, Design, Materialkunde und Prototypen-Bau in verschiedenen Workshops den gesamten Entwicklungsprozess des UltraGrip 9, kurz UG9. Dabei hatten die Journalisten auch die Gelegenheit, Reifenmischungen auszuprobieren, Reifenprofile zu designen und bei der Reifenherstellung in der Prototypen-Produktionsstätte dabei zu sein.

Mehr als 50 Kriterien umfasst das so genannte Lastenheft bei Goodyear (Kriterien, die entsprechend abgearbeitet und kontrolliert werden müssen), bei Winterreifen sind es noch mehr. „Unsere Ingenieure benötigen oft bis zu drei Jahre, um einen neuen Reifen zu entwickeln“, sagt Xavier Fraipont, Director Technology Consumer Tires EMEA bei Goodyear, bei der Pressekonferenz. „Diese Zeit ist auch nötig, um ein Premiumprodukt zu entwickeln, das den höchsten Standards entspricht.“

Kooperation von 15 Bereichen

Die Entwicklung des neuen Goodyear-Winterreifens UltraGrip 9 begann bereits 2012, nachdem der Vorgänger UltraGrip 8 im Jahr 2011 in den Markt eingeführt wurde. Vor dem Beginn des komplexen Entwicklungsprozesses setzten sich Experten aus 15 unterschiedlichen Bereichen zusammen, unter anderem Design, Mischung, Materialien, Produktion, Chemie, Physik und Marketing.

Bei der Vorstellung neuer Reifen werde so häufig vergessen, wie viel Ingenieurskunst, innovative Technologien und Engagement der Entwickler in solch einem Produkt stecke, betonen „die Macher“. Aus diesem Grund erklärten die Experten den Teilnehmern den gesamten Entwicklungsprozess eines Winterreifens, von den ersten Entwürfen über die Produktion bis zum Test.

Sobald die Bedürfnisse und Erwartungen der Verbraucher auf Basis umfangreicher Marktforschungen identifiziert und die Leistungseigenschaften des Reifens definiert wurden, erstellen die Designer ein erstes Basisdesign des Reifens. Auf dieser Grundlage entwickeln und testen die verschiedenen Bereiche das neue Produkt, bis es den erforderlichen Standards genügt. Während des Entwicklungs- und Testprozesses des UG9 wurden rund 3.000 Prototypen-Reifen produziert, rund 70 verschiedene Reifenspezifikationen bewertet, 14 Designs getestet und Vergleichstest gegen neun Mitbewerber durchgeführt. Darüber hinaus wurden mit dem UG9 umfangreiche Wintertests in Finnland, Frankreich, Schweiz und Neuseeland gefahren. Zusammen mit Prüfmaschinentests im GIC*L wurde dieses Produkt insgesamt knapp 600 Mal getestet. „Die Entwicklung neuer Reifen ist jedes Mal eine herausfordernde Aufgabe, die das Fachwissen und die Expertise von hunderten Ingenieuren benötigt“, sagt Fraipont. „Es gleicht einem Puzzle aus hunderten Teilen, das so zusammen gesetzt werden muss, dass der Reifen letztendlich die perfekten Eigenschaften aufweist.“

Der „Schneekönig“ im Test

Von dem Endprodukt konnten sich die Journalisten bei Berg- oder auch Schleuderplattenfahrten auf dem Parcour des Fahrsicherheitszentrums Colmar-Berg dann selbst überzeugen, ob der „Schneekönig“, wie der UltraGrip liebevoll bei Goodyear genannt wird, auch hält, was er verspricht. Zwar nicht in der weißen Pracht, aber auf regennasser und glatter Strecke. Und die Fachpresse staunte teilweise nicht schlecht, wenn bei Bremsungen (hier mit einem direkten Markenkonkurrenten, nennen wir ihn mal „Michelin“) ein Unterschied von etlichen Metern herauskam. Bei Bergfahren fiel der Unterschied „sekundenmäßig“ deutlich aus.


Ergänzend hierzu finden Sie auf Seite 31 den aktuellen Winterreifentest für Klein-, Kompakt- und Mittelklassewagen plus Ergebnisse