LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Vor 25 Jahren wurde Luxemburg als Weltkulturerbestätte der UNESCO anerkannt

Der 17. Dezember 1994 war ein wichtiger Tag für Luxemburg: Die Altstadt und die Festung wurden in die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO aufgenommen. 2019 wird ein Jubiläum gefeiert. Das „Journal“ sprach mit Robert Philippart, UNESCO Site Manager für Luxemburg, über den Stand der Dinge.

Das Weltkulturerbe Luxemburg besteht aus zwei Teilen, die eigentlich grundverschieden sind: Die Altstadt als Lebensraum der Zivilgesellschaft und dann die Festungsanlagen inklusive der ihr zugrundeliegenden Felsenlandschaft im Außenbereich. Der Umfang des UNESCO-Status ist aber keineswegs statisch oder auf ewig festgeschrieben. So steht das Gelände des Mansfeldschlosses, dass 1994 nicht berücksichtigt wurde und mittlerweile mehr und mehr erschlossen wird, vor einer Aufnahme in die Zone des Weltkulturerbes.

Der UNESCO Manager vor Ort muss sich nicht nur mit den schönen Dingen beschäftigen, sondern ist für vieles zuständig und in zahlreiche prosaische Fragen mit eingebunden, dazu zählt der Hochwasserschutz genauso wie die Denaturierung der Petruss bis hin zur Beschäftigung mit dem natürlichen Zustand der Felsen, erläutert Philippart. Die Grundzüge und die Zusammenarbeit mit der UNESCO in Paris liegen in den Händen der luxemburgischen UNESCO-Kommission unter der Präsidentschaft von Simone Beck.

Kern- und Pufferzone

In einem Punkt ist die Arbeit in Luxemburg etwas einfacher als an anderen Weltkulturerbestätten. Es gibt eine Kernzone und eine große Pufferzone, die es quasi unmöglich macht, ein 30-stöckiges Hochhaus neben einer Jahrhunderte alten Festungsmauer zu errichten. Dem steht der aktuelle PAG der Stadt Luxemburg sowieso entgegen, aber die Pufferzone verhindert eventuelle städteplanerische Eskapaden auch in ferner Zukunft.

In ganz konkreten Zahlen sieht das so aus: Die Kernzone umfasst 29,94 Hektar, die Pufferzone ist mit 108,73 Hektar fast vier Mal größer. Zum Weltkulturerbe gehören 2,7 Prozent der Fläche der Stadt Luxemburg, innerhalb dieser Fläche sind 99 (!) Bauten als nationales Baudenkmal ausgewiesen.

Foto: Editpress/Isabella Finzi - Lëtzebuerger Journal
Foto: Editpress/Isabella Finzi

Mehr als Denkmalschutz

Robert Philippart legt Wert darauf, dass der Begriff „Kulturerbe“ oder „Patrimoine“ mehr umfasst als historische Mauern und deren Schutz, dazu gehört nicht zuletzt die Vermittlung für das breite Publikum. In Luxemburg gehören dazu die UNESCO-Promenade und die UNESCO-Radtour. Es gibt auch ein Netz von UNESCO-Schulen.

Zusammen mit den Bürgern

Im Gegensatz zu anderen Weltkulturerbestätten, die isoliert und unverändert liegen, ist die Luxemburgs ein lebendiger Organismus. Philippart führt auf, dass die Stadt seit 1994 von 75.000 auf 117.000 Einwohner gewachsen ist. Allein im Stadtkern haben die Arbeitsplätze um 30 Prozent zugenommen. Das bringt natürlich Probleme mit sich.

Eines der Mittel um eine gemeinsame „Vision 2030“ zu schaffen sind Bürgerforen, in denen gemeinsam und vor allem transparent diskutiert wird. Bei der Definition des Welterbes geht es darum, was ist von weltweiter Bedeutung? Wie definiert sich Kultur? Die UNESCO ist „kein Denkmalschutzverein“ (Zitat Philippart) und setzt in in ihrer Vision 2030 auf Nachhaltigkeit. Dafür sollen die Bürger direkt mitarbeiten und einen eigenen Beitrag zur Stadtentwicklung leisten.

In vielen Fragen der Stadtentwicklung müssen die Stadt Luxemburg, das staatliche Denkmalschutzamt und das UNESCO-Management zusammen mit dem lokalen UNESCO-Komitee einen gemeinsamen Standpunkt finden. Das Stichwort lautet „transversale Zusammenarbeit“. Ein Beispiel war der Bau der Trambahn. Das von einem gemeinsamen Gremium erarbeitete Dossier von 19 Punkten wurde der UNESCO-Zentrale in Paris übermittelt. Von externen Experten überprüft und für gut befunden. Auch der PAG und das UNESCO-Konzept müssen unter einen Hut passen. Im Sieben-Jahresrhythmus muss vom lokalen UNESCO-Komitee ein Rapport über den Stand der Dinge verfasst und der UNESCO vorgelegt werden. Das Kulturerbe muss dabei von allen Seiten betrachtet und beleuchtet werden. Ohne einen Site Manager vor Ort geht es nicht, den verlangt das UNESCO-Reglement. In Luxemburg ist diese Position dem Kulturministerium angegliedert, wie auch das UNESCO-Komitee.

Kein Geld aus Paris

Kurze Anmerkung zum Thema Finanzen, im Normalfall speist sich das lokale Welterbe-Budget aus nationalen Quellen, sogar aus sehr zahlreichen Quellen - vom Kultur bis zum Umweltministerium. Nur wenn eine Welterbestätte gefährdet ist - durch Naturkatastrophen oder Kriegseinwirkungen - und auf einer „roten Liste“ steht, können Mittel direkt von der UNESCO zur Verfügung gestellt werden.

Foto: Robert Philippart - Lëtzebuerger Journal
Foto: Robert Philippart

Kluge Zusammenarbeit erleichtert Aufwertung

In der Hauptstadt haben der Tourismus und das UNESCO-Weltkulturerbe naturgemäß eine ganz enge Bindung. Dabei geht es auch um Fragen der „Aufwertung“. Ein Beispiel geben die „Rondelle“ unterhalb der „Cité judiciaire“ die ziemlich vernachlässigt waren. Zusammen mit den Rosenfreunden der Stadt Luxemburg wurden dort 125 Rosensorten in vorhandene aber ungenutzte Blumenkübel auf der Brüstung gepflanzt. Alles Rosensorten, die bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts in Luxemburg gezüchtet wurden. Für Robert Philippart eine Aufwertung und win-win-Situation für Kultur und Tourismus ohne großen Aufwand.

Apropos Zusammenarbeit. Robert Philippart berichtete, dass es zuletzt im September ein Kolloquium aller Weltkulturerbestätten aus der Großregion gab, etwa Trier und die Völklinger Hütte, um die Zusammenarbeit abzustimmen.

Die UNESCO ist ein Friedensprojekt

Robert Philippart kommt ins unserem Gespräch noch einmal auf das Wesen der UNESCO zurück, wie er schon sagte, sie ist „kein Denkmalschutzverein“! Die UNESCO sei ein eine Friedensgesellschaft, die mit den Mitteln der Kultur für für eine nachhaltige Entwicklung sorgen will.

2019 - ein Jubiläumsjahr

2019 ist ein großes Jahr für das Weltkulturerbe Luxemburg. Der 25. Geburtstag der Konvention mit der UNESCO soll ausgiebig gefeiert werden. Das luxemburgische Komitee will dafür die aktuellen Anforderungen eines „inklusiven Festes“ erfüllen, wie Robert Philippart erläutert. Dabei sollen die Werte der UNESO vermittelt werden und alle kulturellen Bereiche umfassen. Auch die lokale und regionale Einbindung gehört dazu. Nicht zu vergessen die beiden immateriellen Weltkulturerbe, die es in Luxemburg gibt. Da ist zunächst die Fotosammlung von Edward Steichen „Family of man“ und dann natürlich die „Echternacher Springprozession“. Außerdem bewirbt sich der Naturpark Müllerthal um die Auszeichnung als „UNESCO-Geopark.“ Das Jahr 2019 wird spannend werden.

www.unesco.lu

tinyurl.com/welterbeliste

robertphilippart.eu

ZUM WELTKULTURERBE

Was ist eine Weltkulturerbestätte?

Welterbestätten sind Zeugnisse vergangener Kulturen, materielle Spuren von Begegnungen und Austausch, künstlerische Meisterwerke und einzigartige Naturlandschaften. Ihnen gemeinsam ist ihr außergewöhnlicher universeller Wert, ihre Bedeutung nicht nur für nationale oder lokale Gemeinschaften, sondern für die gesamte Menschheit. Der Schutz und nachhaltige Erhalt dieser Stätten liegt deshalb in der Verantwortung der gesamten Völkergemeinschaft. Die von der UNESCO geführte Liste des Welterbes umfasst aktuell 1.092 Stätten in 167 Ländern. (Rund 840 sind Kulturerbestätten, AdR). Es handelt sich um Kulturdenkmäler, Naturstätten und solche, die sowohl dem Kultur- als auch dem Naturerbe angehören.Quelle: UNESCO.de