CLAUDE KARGER

In wenigen Stunden wissen wir also, wie die neue „Chamber“ aussieht und welche Partei mit welcher eine Koalition bilden kann. Wobei das nicht nur eine Frage der Majoritäten-Arithmetik ist, sondern auch eine der Schnittmengen in den Parteiprogrammen und natürlich auch von Kompromissfähigkeit, in der die drei noch regierenden Parteien in den letzten Jahren sicherlich viel Erfahrung sammeln konnten. Zum Übel des Landes war es nicht, sogar manche Oppositionspartei erkennt an, dass es dem Land heute besser geht als vor fünf Jahren.

Auch die CSV, die sehr spät ihren Plan für die Zukunft vorlegte. Dass es ihr darum eigentlich wenig geht, offenbarte der CSV-Parteiboss bereits beim Programmkongress am 15. September. Seither wiederholt Marc Spautz immer wieder, dass es vor allem alles zu unternehmen gilt, damit DP, LSAP und Grüne nicht auf mehr als 30 Sitze im Parlament kommen. Der Oppositionsboss musste ja auch irgendetwas finden, um Angst - warum eigentlich? - vor „Gambia 2“ zu schüren, denn die CSV-Leier von vor fünf Jahren, eine Koalition ohne sie führe das Land schnurstracks in die Instabilität, wurde mittlerweile bekanntlich doppelt und dreifach widerlegt.

Naja, ein echtes Zukunftsprojekt für das Land sieht auf jeden Fall anders aus als bloße machtgetriebene Verhinderungspolitik, nicht wahr? Täte man also nicht besser daran, die Kräfte zu stärken, die den in manchen Politikbereichen herrschenden jahrzehntelangen Reformstau und bisweilen Stillstand endlich aufgelöst und so dafür gesorgt haben, dass die Zukunft Luxemburgs auf einem solideren Fundament steht? Das fällt übrigens nicht vom Himmel, wie manche meinen, die gerne auch verbreiten, die ab 2013 - zum Glück - wieder bessere Konjunktur hätte die ganze Arbeit getan. Nur so ein paar Fragen, die wir uns am Ende eines Wahlkampfs stellen, der leider viel zu wenig von inhaltlichen Auseinandersetzungen geprägt war, stattdessen aber von einer nie da gewesenen Bilderflut auf allen Kanälen. Besonders aber in den „sozialen Medien“, wo leider auch allerlei „Fake News“ und Hassreden Hochkonjunktur haben und sich selten soviel über und auf „Lëtzebuergesch“ echauffiert wurde.

Wobei hinter manchem bisweilen aggressiven Austausch die hässliche Fratze der Ausländerfeindlichkeit hervorlugte. Besonders die ADR mit ihren Lebensabschnitts-Weggefährten baut derart auf die identitäre Debatte, dass man meinen könnte, das Ländchen habe keine anderen Probleme. Aber auch in der echten politischen Mitte steht die Identitätsfrage hoch im Kurs. Allerdings gibt es einen gewaltigen Unterschied, ob man eine inklusive Gesellschaft will, oder eine die etwa jene ausgrenzt, die nicht oder noch nicht der Sprache mächtig sind und dafür sogar elementare Gleichheitsprinzipien außer Kraft setzen will. Grundlegende Prinzipien wurden auch in dieser leidigen Wachstumsdebatte manchmal derart munter über den Haufen geworfen, dass man sich fragen konnte, ob verschiedene Kandidaten Luxemburg wieder um Jahrzehnte zurück werfen wollen. Wir jedenfalls möchten ein offenes und tolerantes Land, ein sowohl gesellschaftlich wie auch wirtschaftlich fortschrittliches, das auf Zusammenarbeit und Kohäsion gedeiht, auf Realismus und Pragmatismus und nicht von Hass, Neid und Ausschluss beherrscht wird. Wir Wähler haben es morgen in der Hand, dafür die richtigen Weichen zu stellen.