LUXEMBURG
INGO ZWANK

Der neue Judo-Nachwuchsnationaltrainer Thomas Kessler im „Journal“-Gespräch

Der 33-jährige Thomas Kessler war in Kindergartentagen „hyperaktiv“, wie er selbst eingesteht. Daher rieten Fachleute den Eltern, ihr Sohn solle Sport machen. „Damit ich mich auspowern kann“, erzählt der neue luxemburgische Judo-Nachwuchsnationaltrainer im „Journal“-Gespräch. „So habe ich mit Judo - übersetzt ‚der sanfte Weg‘ - und mit dem Schlagzeugspiel angefangen“, sagt Kessler. Der erfolgreiche ehemalige deutsche Judoka und Träger des 2. Dan (2. Grad des schwarzen Gürtels) war bis vor kurzem Trainer beim TSV Bayer Leverkusen, wo er zuständig war für die Leistungsgruppe mit dem Ziel Olympische Spiele Rio 2016. Weiter war er Inhaber von Kessler-Fitness und hatte eine Arbeitsgruppe an der Sporthochschule Köln mit dem Namen „Affenbande“ ins Leben gerufen, die sich mit funktionellem Krafttraining In- und Outdoor beschäftigt. Nun kümmert er sich um den talentierten Judonachwuchs im Großherzogtum.

Als sehr aktiver Junge sind Sie also zum Judo gekommen?

Thomas Kessler: Und es war eine gute Lösung. Neben dem Judo habe ich auch noch mit dem Schlagzeugspielen angefangen - im Sport und Zuhause konnte ich mich dann so richtig betätigen und meine Energie rauslassen.

Mit dem Judo kamen dann auch sehr schnell die ersten sportlichen Erfolge.

Kessler: Ich hatte Talent zum Judo, das haben auch die Verantwortlichen sehr schnell gemerkt. So wurde ich sehr jung bereits Vereinsmeister und da wurde man in der deutschen Nationalmannschaft auf mich aufmerksam. Doch hier herrscht auch der gewisse Druck, Erfolge müssen sich einstellen. Unter dem Strich muss ich sagen, dass ich hier aber leider nicht das zeigen konnte, was vielleicht in mir gesteckt hat. Auch die Sport-Politik spielt hier etwas mit. Dann bei mir war es wohl so, dass wenn man als Jugendlicher sehr früh Erfolge aufweisen kann, man es später etwas schwerer hat.

Wie sind Sie auf Luxemburg aufmerksam geworden - wie auf den Posten des Nationaltrainers? Sie waren ja bei Leverkusen als Trainer aktiv.

Kessler: In Leverkusen war ich in einer Halbtagsstelle angestellt. Ich war quasi das Bindeglied zwischen den Trainern auf Bundes-, Landes- und Vereinsebene. Ich kenne Wolfgang Amoussou, den ehemaligen Nachwuchstrainer, und den Nationaltrainer Ralf Heiler schon länger. Mit Wolfgang stand ich gemeinsam auf dem Treppchen, er wurde Erster und ich Dritter bei den Meisterschaften 2003, meinem ersten Jahr bei den Männern.

Wie kam ich dann zu Luxemburg?

Kessler: Ich hatte mich bei einem Trainingscamp verletzt und lag im Krankenhaus, als ich eine SMS von Ralf bekam, der mich fragte, ob ich nicht den Posten des Nachwuchs-Nationaltrainers übernehmen möchte.

Was sagte man in Leverkusen zu Ihrem Plan, zu Ihrer Abwerbung ins Großherzogtum?

Kessler: Ich habe natürlich mit den Verantwortlichen darüber gesprochen, auch mit vielen Freunden und Bekannten. In Leverkusen wollte man mich nicht gehen lassen - und doch sagte man, dass ich mir eine solche Chance nicht entgehen lassen dürfte. Es fiel mir aber schon schwer, Leverkusen und die Sportler in dem Status vor unserem Ziel Rio zu verlassen.

Und Ihre ersten Eindrücke von Luxemburg und dem hiesigen Judonachwuchs?

Kessler: Sehr, sehr positiv. Ich wurde ja quasi ins kalte Wasser geworfen, es standen sofort große Events an. Hier wurde und wird aus meiner Sicht eine gute Arbeit gemacht, die Trainingsmöglichkeiten sind hervorragend, davon kann man nur träumen.

Was haben Sie sich für Ihre Arbeit hier vorgenommen? Ihre Ziele in Luxemburg mit den hiesigen Judokas?

Kessler: Ich möchte natürlich, dass die Kinder Spaß am Judo haben und behalten. Dabei ist ein intelligentes Training zur maximalen Leistungsoptimierung nötig - und natürlich muss sich auch irgendwann der Erfolg einstellen. Aber jeder bekommt in meinem Training eine Chance…

Gibt es eigentlich eine Lieblingstechnik?

Kessler: Ich liebe eigentlich alle Techniken, die funktionieren (schmunzelt). Ich habe früher sehr gerne Fußtechniken gemacht. Heute bin ich ebenso gerne auf dem Boden aktiv, das kommt aber vielleicht auch mit dem Alter. Doch wenn man erfolgreich sein will, dann muss man sowieso Stand und Boden beherrschen. Aber eine Technik, mit der ich sage, hiermit schlage ich sie alle, habe ich nicht.

Was gefällt Ihnen am Judo noch besonders?

Kessler: Dass Judo mehr als nur ein Sport ist. Es hat starken Einfluss auf die Persönlichkeitsbildung und auf die körperlichen Fähigkeiten. Zudem ist Judo das beste Ventil, um Sorgen, Stress und Unausgeglichenheit zu kompensieren. Auch lernt man in diesem Sport nie aus. Daher ist es auch wichtig, dass man sich immer mit anderen Gegnern messen kann.

Haben Sie ein persönliches Motto?

Kessler: Alles ist möglich! Man muss es nur wollen! Und ich wollte schon immer der Beste in dem sein, was ich mache, schon als Kind (lacht)

Womit beschäftigt sich Thomas Kessler neben dem Judo noch gerne in seiner Freizeit?

Kessler: Ich fahre sehr gerne Mountainbike, habe hier in Luxemburg auch schon die ein und andere Tour mit Freunden gemacht. Ich koche auch sehr gerne, vor allem für Freunde. Und Ski fahren…

Gerne können sich Nachwuchsjudoka bei Thomas Kessler mittwochs ab 17.15 Uhr in der Coque zum Training melden - mehr Infos unter www.flam.lu.