LUXEMBURGCHRISTIAN BLOCK

Deutlich mehr Nicht-EU-Schüler als Staatsbürger verlassen Schule frühzeitig

Der Anteil junger Nicht-EU-Bürger, die frühzeitig die Schule verlassen oder eine Ausbildung abbrechen, ist mehr als doppelt so hoch wie der entsprechende Anteil bei der einheimischen Bevölkerung. Auch wenn die Unterschiede zwischen Nicht-EU-Bürgern und Staatsbürgern nicht immer so deutlich sind, so zeigen sich doch bei einem breiten Spektrum von Bildungsindikatoren in der EU erhebliche Unterschiede, wie Eurostat am vergangenen Freitag mitteilte. So laufen junge Nicht-EU-Bürger etwa eher Gefahr, weder im Bildungssystem integriert noch erwerbstätig zu sein.

Einer von vier Nicht-EU-Bürgern im Alter von 18 bis 24 Jahren hat in der EU im vergangenen Jahr den Bereich der allgemeinen und beruflichen Bildung vorzeitig verlassen, gegenüber zehn Prozent bei den Staatsbürgern und 19,2 Prozent bei den Bürgern eines anderen EU-Mitgliedstaats. In allen drei Gruppen zeigt sich, dass die Wahrscheinlichkeit bei Männern höher ist, das Bildungssystem ohne Abschluss der Sekundarstufe II zu verlassen. Bei Schülern von außerhalb der EU fällt dieser Unterschied zwischen den Geschlechtern geringer aus.

Ziel der Europa-2020-Strategie ist es, in den nächsten fünf Jahren den Anteil der frühzeitigen Schulabgänge auf unter zehn Prozent zu senken.

Mehr Frauen als Männer aus Drittstaaten weder erwerbstätig, noch in Ausbildung

Ein frühzeitiger Schulabbruch ist allerdings nicht immer dauerhaft. Oft orientieren sich Schüler um oder wechseln die Ausbildung. Die „NEET“-Quote entspricht dem prozentualen Anteil der 15- bis 24-Jährigen, die weder erwerbstätig sind noch eine weiterführende schulische oder berufliche Ausbildung absolvieren. Im vergangenen Jahr war die NEET-Quote (Not in Education, Employment or Training) bei Nicht-EU-Bürgern deutlich höher (20,6 Prozent) als bei Staatsbürgern (12 Prozent). Ist das Verhältnis von Männern und Frauen zwischen den Staatsbürgern der Länder nahezu identisch, zeigt sich bei ausländischen Bürgern hingegen ein deutliches Gefälle. Bei Bürgern eines anderen EU-Staates lag die NEET-Quote von Frauen bei 17,9 Prozent gegenüber 12 Prozent bei den Männern. Bei Bürgern aus Drittstaaten 23,8 Prozent gegenüber 17,6 Prozent. In Luxemburg lag die NEET-Rate laut Eurostat-Daten für 2014 für im Ausland geborene junge Menschen fast doppelt so hoch wie in Luxemburg, wenngleich auch einem insgesamt niedrigen Niveau. Für in Luxemburg geborene Menschen lag sie bei rund fünf Prozent.

Geringes Gefälle bei hohem Bildungsgrad

Die Strategie Europa 2020 verfolgt auch das Ziel, dass bis zum Jahr 2020 mindestens 40 Prozent der 30- bis 34-Jährigen in der EU über einen tertiären Bildungsabschluss verfügen, also eine Uni oder Fachhochschule absolviert haben. Im vergangenen Jahr verfügten etwa ein Drittel (30,2 Prozent) der Nicht-EU-Bürger in dieser Altersgruppe über ein Universitätsdiplom. Bei den Staatsbürgern lag der Anteil bei 38,5 Prozent.

Gleichzeitig wiesen mehr als 40 Prozent der Nicht-EU-Bürger zwischen 18 und 64 Jahren ein niedriges Bildungsniveau auf, was lediglich einer Grundschulausbildung entspricht. Unter den Staatsbürgern lag diese Quote bei 23,4 Prozent. Weniger deutlich fällt dieser Unterschied jedoch bei einem hohen Bildungsgrad aus. Haben 27,3 Prozent der Staatsbürger studiert, lag der Anteil der Nicht-EU-Bürger im Tertiärbereich bei 23 Prozent.