FRANKFURT/ MAIN
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Bernard Mattes, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), zum Auftakt der IAA

Die Internationale Automobilausstellung (IAA) tritt mit einem neuen Konzept auf. Eröffnet wird sie am 12. September von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Weiterer prominenter Keynote-Speaker ist Waymo CEO John Krafcik. Doch viele Hersteller kommen nicht, Demonstrationen sind angekündigt. Es hängt ein Schatten über der Leitmesse. Bernard Mattes, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) in Deutschland, erklärt, was sich in diesem Jahr in Frankfurt verändert und warum. Die folgenden Punkte stellte er im Rahmen eines Statements anlässlich der Pressekonferenz des VDA zum Auftakt der IAA am Montag vor.

Herr Mattes, nur wenige Tage bis zur IAA 2019 in Frankfurt. Das Motto: „Driving Tomorrow“. Was kann sich der Besucher darunter vorstellen?

Bernhard Mattes Die gesamte Automobilindustrie wandelt sich und damit auch die IAA. Das IAA-Leitmotiv ist „Driving tomorrow“: Das Morgen zu gestalten ist unser Anspruch! Unter diesem Motto treffen sich auf der IAA in diesem Jahr die globalen Player der Automobilindustrie, Anbieter neuer Mobilitätslösungen, innovative Tech-Unternehmen und Start-ups. Die IAA wird interaktiver, vernetzter und digitaler. Trends und Themen werden branchenübergreifend vorgestellt und diskutiert.

In diesem Jahr geht die IAA früh mit Informationen ins Rennen - warum und was ist anders?

Mattes Erstens unterscheidet sich diese IAA – und das gesellschaftlich-politische Umfeld – stark von bisherigen Veranstaltungen. Es sind Demonstrationen im Umfeld der IAA angekündigt. Wir haben diesen NGO ein Dialogangebot gemacht. Darüber wollen wir informieren. Zweitens haben wir die IAA neu und umfassender konzipiert. Wir möchten Journalisten die Möglichkeit geben, sich frühzeitig auf die IAA vorzubereiten, bevor es am 9. September mit den ersten Veranstaltungen losgeht. Dennoch gilt: Wir gehen mit Zuversicht auf die IAA! Die IAA ist der international wichtigste Leitevent der Mobilität der Zukunft. Wie die gesamte Automobilindustrie wandelt sich auch die IAA: von einer Ausstellung hin zu einer umfassenden Plattform, auf der alle relevanten Akteure nachhaltiger, individueller Mobilität dieses Jahr noch vielfältiger präsent sein werden - Hersteller, Tech-Unternehmen, Zulieferer, Mobilitätsdienstleister, Start-Ups. Das unterscheidet die IAA von allen anderen Mobilitäts-Events und Automessen.

Vor welchen Herausforderungen steht die Automobilindustrie?

Mattes Die Automobilindustrie befindet sich in einem enormen Transformationsprozess, der durch drei Herausforderungen geprägt ist: Klimaschutz, CO2-Ziele und alternative Antriebe. Dazu kommen Digitalisierung, Vernetzung, automatisiertes Fahren – mit Auswirkungen auf das gesamte Verkehrssystem. Drittens folgt die globale Ausrichtung der Automobilindustrie – in Zeiten von Protektionismus und Handelskonflikten. All diese Punkte betreffen sowohl den Industriestandort Deutschland - das spüren unsere Hersteller und Zulieferer - als auch den gesellschaftlichen Diskurs. Und all dies hat auch Auswirkungen auf die IAA als Spiegelbild der Automobilindustrie. Eine klassische Automobilmesse allein genügt nicht mehr den Ansprüchen, die Aussteller, Besucher und Gesellschaft an einen solchen Event stellen. War in den vergangenen Jahrzehnten eine Ausstellung ein Ort, der zu Marketingzwecken genutzt wurde und an dem Unternehmen die gesamte Bandbreite ihrer Produkte präsentiert haben, so wird sie heute immer stärker zu einem Treffpunkt für Dialog, Networking, Integration, Kooperation, neuen Verbindungen und Zukunftsgedanken. Es ist nicht mehr entscheidend, alles zu präsentieren, sondern die richtigen Anstöße zu geben und alle relevanten Akteure der jeweiligen Branche zusammenzubringen. Deshalb haben wir die IAA neu ausgerichtet – zu der internationalen Plattform der individuellen Mobilität der Zukunft.

Welche neuen Formate gibt es?

Mattes Auf dieser IAA erleben die Teilnehmer erstmals die neuen Formate „IAA Conference“, „IAA Exhibition“, „IAA Experience“ und „IAA Career“. Die IAA Conference ist ein wesentlicher Pfeiler der neuen IAA mit Top-Speakern und Paneldiskussionen zur individuellen Mobilität der Zukunft. Zu den 200 Speakern auf der IAA Conference zählen Virginia Rometty, CEO von IBM, Ola Källenius, CEO von Daimler, Formel-1-Weltmeister und Greentech-Unternehmer Nico Rosberg und viele andere. Die IAA Exhibition zeigt Weltpremieren, die die gesamte Wertschöpfungskette der Mobilität abbilden. In der New Mobility World finden sich viele technologische Lösungen und Ausblicke. In Halle 5 dreht sich vom 10. bis 15. September alles um urbane Mobilität, nachhaltige Energie, Konnektivität, Digitalisierung. Die IAA Experience bringt Fahrerlebnisse auf das Gelände, zum Beispiel mit Outdoor Parcours, Test Drive, Kids World
oder E-Move Track. Die IAA Career richtet sich an Studierende, Berufseinsteiger und Professionals. Damit ist die IAA viel mehr als eine Showbühne zur Marketingzwecken, sie ist auch Netzwerk-, Diskussions- und Inspirationsfläche. Es geht darum, Mobilität mit allen Sinnen zu erleben: Sie zu sehen, sie zu erfahren und darüber zu diskutieren.

Kann der Besucher E-Autos testen?

Mattes Ja, auf der IAA Experience, die bietet Fahrspaß und macht Elektromobilität und Digitalisierung erlebbar. Auf dem Freigelände F10 fährt ein autonomer Shuttle-Bus von Continental. Hinzu kommt der Test Drive, auch mit Elektrofahrzeugen: Mit 13 Austellern und 72 Fahrzeugen ist der Test Drive komplett ausgebucht. Unter anderem laden Ford, Honda, Hyundai, Jaguar, Kia, Renault/Dacia, Tesla, Volkswagen und Ionity die IAA-Besucher dazu ein, neueste Entwicklungen selbst zu testen und die Modelle Probe zu fahren. Auf der Agora findet der E-Move Track (E-Bikes und E-Scooter) statt - mit Ausstellern wie Bird, BMW, Bosch, Brose, Circ und Skoda - sowie der Offroad Parcours mit Geländewagen und SUV von Audi, Ford, Hyundai, Mercedes-Benz, Seat, Skoda und Volkswagen.

In diesem Jahr bleiben viele große Namen weg. Was tun Sie dagegen?

Mattes Wir erleben derzeit eine Transformation vom weltweit größten Autohaus zur relevantesten Plattform. Denn ein Trend ist bei allen großen Ausstellungen erkennbar: Es geht nicht mehr um Quadratmeter, sondern um mediale Reichweite. Daran werden wir die IAA messen. Dass auf der IAA 2019 weniger Pkw-Marken ausstellen, ist bekannt. Wir sehen das als Herausforderung und wollen durch die qualitative Breite und Vielfalt die IAA so attraktiv machen, dass diejenigen, die aus unterschiedlichen Gründen diesmal nicht präsent sein können, bei der nächsten IAA wieder dabei sind. Der bisherige Anmeldestand: Wir haben rund 800 Aussteller aus 30 Ländern. Bei den internationalen Ausstellern ist China mit 79 Unternehmen auf Platz 1 und noch stärker präsent als 2017 (73). Die Ausstellungsfläche beträgt 168.000 Quadratmeter.