LUXEMBURG
MARCO MENG

Dreiviertel aller Menschen haben keinen Zugriff auf Bankdienstleistungen - das Fintech-Unternehmen Koosmik will das Leben dieser Menschen verbessern

Der in Paris geborene Mathematiker Grégoire Yakan reiste früher in seiner Aufgabe als Consultant viel durch Afrika und stellte fest, wie der Mangel an bargeldlosen Zahlungsmöglichkeiten dort die Entwicklung behindert. So entstand die Idee zu seinem Startup „Koosmik“. Um sein Fintech-Unternehmen zu gründen, kam er schließlich nach Luxemburg. Eine zeitlang stand auch London zur Auswahl, doch inzwischen ist sich Yakan sicher, mit Luxemburg die richtige Wahl getroffen zu haben.

Was ist Koosmik, und was macht Koosmik?

Grégoire Yakan Wir sind ein kleines, technikgetriebenes Start-up, das sich mit Finanzen und Computertechnologie beschäftigt und entwickeln eine mobile Banking-Plattform. Was wir beabsichtigen ist, in einer einzigen Applikation alle Finanzdienstleistungen zusammenzufassen, die man braucht. Der Sinn, der dahintersteht, ist folgender: Wir möchten die Ungleichheit, die im Zugang zu Bankdienstleistungen besteht, vermindern. Das macht Koosmik speziell: Denn was wir in Luxemburg kreieren und entwickeln, ist vor allem für Nutzer dort, wo es kaum Banken gibt. Diese Leute haben keine Kreditkarte, kein Bankkonto, nur Bargeld, und das entpuppt sich oftmals als Hindernis bei der wirtschaftlichen Entwicklung. Tatsächlich trifft der Mangel an Bankdienstleistungen auf die Mehrheit der Weltbevölkerung zu. In Mali beispielsweise, wo ich zuletzt im Februar war, haben 85 Prozent der Bevölkerung keinen Zugang zu Banken und Bankdienstleistungen.

Wir sind uns darüber im Klaren, dass wir nicht die einzigen oder ersten sind, die dieses Problem entdeckten. Aber wenn man einen hohen Bevölkerungsanteil hat, die vom Banksystem ausgeschlossen sind - dazu gehören ja nicht nur die Menschen, sondern auch zahlreiche Geschäfte - können wir anhand der Statistik sehen, dass dort auch die Kriminalitätsrate höher ist - mehr Drogen, mehr Krieg, mehr soziale Konflikte. Darum möchten wir unsere Technologie nutzen und mit einer App mobile Bankdienstleistungen jenen anbieten, die bislang davon ausgeschlossen sind.

Wie kamen Sie auf diese Geschäftsidee?

Yakan Als ich vor einigen Jahren in Paris in der Vermögensverwaltung arbeitete, spezialisiert auf E-Business-Lösungen, erkannte ich, dass Banken und vor allem die Bezahldienstleister diejenigen sind, die vom boomenden elektronischen Handel am meisten profitieren. Es macht kaum einen Unterschied, ob Schuhe oder Nahrung oder Bücher online verkauft werden, wenn du der Bezahldienstleister bist. Allerdings hat sich das System dahinter, das Zahlungssystem an sich, kaum weiterentwickelt. In vielen anderen Bereichen gibt es mittlerweile zahlreiche Startups, doch bei Bezahldienstleistungen sind es vor allem große Unternehmen wie Google oder Facebook oder Amazon, die den Ton angeben. Das spornte mich an, ein neues, nützliches Produkt in der Bezahldienstleistung anzubieten, und ich stellte mir dabei die Frage: Welche Bedürfnisse gibt es, wo wird ein solches Produkt gebraucht? Da ich damals wie gesagt als Consultant viel unterwegs war, auch in Afrika, war es für mich klar, dass gerade dort ein solches Produkt notwendig ist und hilfreich sein würde. Von Kapstadt bis Libreville, von Bamako bis Casablanca oder Dakar: überall trifft man auf Geschäfte oder Händler, die keine Kreditkarten akzeptieren, überall hat man Probleme, Geld zu wechseln, nirgends ist es möglich, online zu bezahlen. Und das würgt wirklich die Wirtschaft in diesen Regionen ab. Darum glaube ich, dass unser Produkt gerade dort nützlich sein wird, wo es beim Bezahlen ohnehin schon schwierig genug ist. Das hat sich dann als das Kerngeschäft unseres Unternehmens herauskristallisiert.

Das Vorhaben ist das eine, die Umsetzung das andere. Wie läuft es, das Vorhaben zu realisieren?

Yakan Es ist ohne Zweifel schwierig, vor allem, weil wir nicht etwas nutzen oder weiterentwickelten, das es schon gibt, sondern praktisch von Anfang an alles selbst neu schufen. Wir wenden uns mit dem Produkt an einen ganz neuen Markt, und unsere Kunden dort erwarten etwas ganz Spezifisches. Das verlangt viel Planung und Überlegung, denn wir wollen ja nicht einfach das machen, was Banken machen.

Aber Sie arbeiten mit Banken zusammen?

Yakan Natürlich, ich sprach mit vielen Banken in Luxemburg und auch in London. Und eigentlich ist es auch gar nicht schwer, sie von dem Projekt zu überzeugen, denn was wir tun, ist ja auch in deren Interesse. Da Banken Risiken scheuen, sind sie insbesondere, was Afrika und andere Regionen anbelangt, in denen es keine Bankinfrastruktur gibt, zurückhaltend, was ich selbst allerdings für einen Fehler halte. Aber ich glaube, genauso wenig, wie wir Banken als Konkurrenten sehen, sehen uns auch die Banken nicht als Konkurrenten.

Gegenwärtig testen wir unsere Entwicklung und konnten auch schon einige Verbesserungen vornehmen. In der zweiten Jahreshälfte wollen wir nun die App in Afrika auf den Markt bringen, zuerst in ein, zwei oder drei Ländern. Strategisch haben wir die WAEMU (West African Economic Monetary Union) im Auge und sind in Gesprächen mit den dortigen Notenbanken und streben auch Partnerschaften mit den bestehenden Lokalbanken vor Ort an; gleichzeitig läuft unser Fundraising für das nötige Kapital, um die neuste Generation der Mobiltechnologie einzusetzen.

Das Faszinierende und gleichzeitig die besondere Herausforderung dabei ist, dass wir nicht einfach eine Bezahl-App anbieten, sondern etwas, das tatsächlich das Leben der Menschen dort vor Ort zum Positiven ändern kann. Dazu braucht es aber auch eine langfristige Strategie, die wir uns gaben; es ist also nicht unser Ziel, in kürzester Zeit möglichst hohen Profit zu machen.

Fürchten Sie nicht, dass gerade das potenzielle Investoren abschreckt, weil sie eben nicht lange auf ihren Return warten wollen?

Yakan Gründet man ein Unternehmen, wollen natürlich die Investoren für ihr Investiertes einen Profit sehen. Dadurch aber, dass wir uns diese „DNA“ gaben, von der ich sprach, und unter den ersten sind, die in Afrika das tatsächlich umsetzen, wird auch unser Unternehmen an Anerkennung und Reputation gewinnen, was wieder für mehr Kunden sorgen dürfte und was auch den Unternehmenswert steigert. Bei der Profitabilität werden wir vielleicht in den ersten fünf Jahren nicht so profitabel sein wie andere, aber der Unternehmenswert an sich wird höher sein, denken wir. Aber es stimmt, unser Projekt verlangt einen langen Atem, und auch unsere Investoren müssen langfristig denken wie es unser Key-Investor Batipart International tut.


www.koosmik.com