BORN/ LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Ramborn Cider hat das Zertifikat „B Corp“ erhalten - Gründer Carlo Hein will andere dafür begeistern

Label gibt es eine Menge - auch viele unbekannte. Als Ramborn Cider mitteilte, sie seien jetzt „B Corp“ zertifiziert, tauchte natürlich die Frage auf, was hinter dem neuen Label steht. Wir haben bei Carlo Hein nachgefragt, der Ramborn 2016 gegründet hat und seither die Geschäfte von Luxemburgs erster und einziger Apfelcider-Kelterei führt. Was macht der preisgekrönte Apfel- und Birnenweinhersteller und Beleber der Streuobstkultur im Osten des Landes mit einem US-Label? Hein war so motiviert, dass er uns sogar aus seinem Urlaub heraus Rede und Antwort stand.

„Es geht schon lange die Rede davon, dass nach Covid-19 eine neue Wirtschaft aufgebaut werden soll. Wir wollten aktiv eine Änderung und haben uns umgesehen“, erklärt Hein. Sowohl die UNO als auch die WHO bezeichneten  die  Artenvielfalt  als  eine  Schlüsselkomponente  für  die  weltweite  Genesung  von  Covid-19  und die Prävention und Eindämmung künftiger Pandemien. Dem Geschäftsmann ist es wichtig, nicht „business as usual“ zu machen, sondern auf lokaler Ebene etwas dazu beizutragen, dass positive wirtschaftliche, ökologische und soziale Auswirkungen hat. Warum dann aber B Corp?

„B Corp ist eine Gemeinschaft von Unternehmern, die sehr nachhaltig denken und durch ihr Handeln auch eine nachhaltigere, integrative Wirtschaft fördern wollen“, betont Hein. „Wir konnten uns mit den Werten sofort identifizieren.“ Das Ganze startete 2006 in den USA auf Initiative der drei Gründer.

Mittlerweile gibt es in Europa viele zertifizierte Unternehmen, vor allem in Spanien, Großbritannien und Italien“, berichtet Hein. International haben sich die Eismarke Ben & Jerry’s, Innocent Drinks oder der Outdoor-Ausrüster Patagonia der globalen Bewegung angeschlossen. Derzeit gibt es weltweit über 3.300 B Corps in 150 Branchen und 71 Ländern. In Luxemburg sind noch die Farad Group und Innpact advisory zertifiziert. Ramborn ist die erste Verbrauchermarke.

Hunderte von Fragen

Wer wie Ramborn das Label erhalten will, nutzt das Onlinetool, das gratis zur Einstufung bereit steht. „Da geht es um Kunden, Lieferanten, Nachhaltigkeit oder soziale Komponenten in der Firma. Das ist sehr, sehr breit gefächert“, berichtet Hein. „Man sieht, wo der Durchschnitt der Firmen steht und wo man selbst angekommen ist.“ Der Ramborn-Chef musste hunderte von Fragen beantworten und sie dokumentieren sowie mit einer Zeitleiste versehen. Nach sechs Wochen meldete sich ein Assessor, der telefonisch mit Hein die Fragen durchging. Laut B Corp gibt es Assessoren in den USA und Amsterdam. „Wenn die eingereichten Beweise stichhaltig sind, geht das schnell - wenn nicht, muss man nachschießen. Es hat zwei Monate gedauert, bis wir mit dem Assessor alle Fragen abgearbeitet haben. Das waren drei Onlinemeetings und viele Mails. Dann folgte der finale Punktestand“, erzählt Hein.
Die Latte liegt laut ihm hoch. Umso mehr freute sich der Geschäftsführer, als er nicht nur die notwendigen 80 Punkte erzielte, sondern sogar 97 Punkte.

Hein ist das Ergebnis jedoch weit wichtiger als die Auszeichnung. „Wir haben nicht nach einem Label gesucht. Aber es ist gut, denn es zeigt Geschäfts-Ideen, an die man nicht gedacht hat, und offenbart interessante Schwachstellen.“ Kein Wunder, meint Hein, dass Unternehmen wie Patagonia sich danach komplett umgestellt hätten. „Das B Corp Directory ist ein Schatz an Geschäftsideen.“ Darüber hinaus sei das Zertifikat sehr international, was auf Ausstellungen und bei Einkäufern positiv auffalle. Hein ist so angetan, dass er andere Unternehmen motivieren will, B Corp ebenfalls zu testen. „Ich will sie anstecken!“

Konkretes kann Ramborn ebenfalls vorweisen. Das Cider-Unternehmen hat zum Schutz und zur Wiederbelebung von nahezu einer Million Quadratmeter sehr artenreichen Lebensraums beigetragen, der über 5.000 Tier- und Pflanzenarten beheimatet. In den vergangenen zwei Jahren konnten durch die Arbeit von Ramborn 31.000 kg CO2 aus der Atmosphäre entfernt werden. Durch  die  Apfelweinproduktion wurden  739.510 kg Lebensmittelabfälle  eingespart,  was  57 Prozent  aller  bislang von Ramborn gepressten Früchte entspricht. Darauf ist der Ramborn-Geschäftfsführer stolz. „Denn in  den  vergangenen  100  Jahren  ging  die  Anzahl  dieser  Bäume  in  der  Region  um  90 Prozent  zurück  -  von  1,2  Millionen  auf  120.000“, betont der Geschäftsführer.

Hein nervt eines sehr: „Seit Jahrzehnten sprechen wir über Klimawandel und Biodiversität, über soziale Ungerechtigkeiten und Globalisierung. B Corp hat ein Tool, mit dem man HEUTE anfangen kann, zu gucken, wo stehe ich. Da gibt es keine Ausrede.“ Er hofft, dass andere Unternehmen den gleichen Weg wie Ramborn nehmen. Auch, wenn die Zertifizierung für Ramborn nur ein Anfang ist.

bcorporation.net