LUXEMBURG
MICHAEL AGOSTINI

Was vor der Corona-Krise noch die Ausnahme war und oft als nur theoretische Möglichkeit galt, die Arbeit von zuhause aus, als Homeoffice oder Telearbeit bezeichnet, ist in den letzten Wochen für viele zur Normalität geworden. Die JDL, die Jonk Demokraten, haben sich nun mit der Forderung zu Wort gemeldet, den Arbeitnehmern ein Recht auf Telearbeit zuzugestehen.

„Aufgrund der aktuellen Krise ist die Wirtschaftsleistung in fast allen Industriestaaten eingebrochen. Viele Firmen haben in Rekordzeit ihren Angestellten eine flächendeckende Telearbeit ermöglicht, obwohl diese anfangs behaupteten, es sei unmöglich von zu Hause aus zu arbeiten.

Aus einer STATEC-Studie (2019) geht hervor, dass immerhin 20 Prozent der Befragten von Telearbeit profitieren. Dies verdeutlicht, dass nach und nach mehr Menschen auf Telearbeit zurückgreifen können. Ein Blick auf die Gesetzeslage zeigt: In Luxemburg gibt es bislang kein gesetzlich verankertes Recht auf Telearbeit.

Von der Telearbeit profitieren nicht nur Arbeitnehmer, sondern auch Arbeitgeber und Umwelt. Den Arbeitnehmern gewährt sie mehr Flexibilität, so dass beispielsweise Eltern eine gewisse Planungsfreiheit im Alltag und mehr Zeit für ihre Kinder haben können. Bei einem Telearbeit-Pilotprojekt des Ministeriums für den öffentlichen Dienst (2018), wurde festgestellt, dass die Produktivität der Beamten gestiegen ist, die Work-Life-Balance verbessert wurde und es zu weniger Krankschreibungen kam. 75 Prozent der Probanden sprachen sich für eine Weiterführung der Telearbeit aus. Auch Arbeitgeber profitieren: Neben weniger Krankschreibungen und höherer Produktivität bietet sie weitere finanzielle Vorteile. Arbeitgeber können Kosten reduzieren oder sogar eliminieren. Letztlich entlastet die Telearbeit auch den Verkehr.

Die Jonk Demokraten fordern die Regierung deshalb dazu auf, den Arbeitnehmern ein Recht auf Telearbeit zu gewähren. Ähnlich wie in den Niederlanden muss ein Antrag vom Arbeitnehmer gestellt werden. Im Falle einer Absage muss der Arbeitgeber diese begründen und dafür schwerwiegende Dienst- oder Betriebsinteressen (Sicherheitsrisiken, komplexeDienstpläne, finanzielle Lasten) anführen.

Darüber hinaus fordern wir die Ausarbeitung eines staatlichen Förderprogramms zur Einführung von Telearbeit vor allem in kleinen und mittleren Unternehmen. Dieses Programm soll in Zusammenarbeit mit den Arbeitgeberverbänden ausgearbeitet werden.

Außerdem fordern wir, dass diplomatische Gespräche über die Doppelbesteuerungsabkommen mit den Nachbarländern intensiviert werden. So wie in der aktuellen Krise, sollen die Grenzgänger das gleiche Recht auf Telearbeit haben wie in Luxemburg ansässige Beschäftigte - ohne steuerliche Benachteiligungen.

Ergänzend fordern wir auch den Ausbau und die Förderung von Co-Working Spaces. Diese sollten an den Grenzen und außerhalb der Hauptstadt errichtet werden. Alle Akteure würden von Telearbeit und Co-Working Spaces profitieren: Arbeitnehmer, Arbeitgeber, die allgemeine Verkehrssituation und die Umwelt.“