LUXEMBURG
SVEN WOHL

Unternehmerinnen machen sich noch rar, auch weil Rollenmodelle fehlen

Frauen haben es immer noch schwer, sich unter den Unternehmern zu etablieren. Nicht nur, weil es in dieser Hinsicht noch stark an Vorbildern mangelt, sondern auch, weil viele nicht so sehr von sich überzeugt sind, dass sie selbst ein Unternehmen aufbauen wollen. Yuriko Backes, Leiterin der EU-Kommissionsvertretung in Luxemburg, betonte gestern in ihrer kurzen Vorstellung den Schülern des „Athénée“, dass sie es verhältnismäßig gut hätten in Luxemburg. Denn in ganzen 18 Ländern auf der Welt ist es Frauen immer noch nicht möglich, ein eigenes Unternehmen zu gründen. Selbst historisch betrachtet sei es noch nicht so lange her, dass Frauen diese Möglichkeit überhaupt hätten. Das hinterlässt seine Spuren bis in die Gegenwart. Denn unter den Unternehmern findet man heute nur 30 Prozent Frauen wieder. Im Bereich der ICT sind es noch weniger: Mit fünf Prozent machen sich Frauen besonders selten. Dadurch ginge zum einem wirtschaftliche Leistung in der EU verloren. Zum anderen würde es der Work-Life-Balance schaden - sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen.

Breites Spektrum des Unternehmertums

Um relativ früh den unternehmerischen Geist zu fördern wurde gestern das „Dream, Girl!“-Event im hauptstädtischen „Athénée“ organisiert. Eingeladen waren 60 Schüler im Alter von 17 bis 18 Jahren. Mithilfe der Vorführung des Films „Dream, Girl!“ sollten die Schüler ein Gefühl für das Unternehmertum aufbauen.

Der Film, welcher aus einer Crowdfunding-Kampagne hervor ging und seine Premiere 2016 im Weißen Haus - damals noch unter Barack Obama als Präsident - feierte, dreht sich um Unternehmerinnen. Dabei werden verschiedenste Hintergründe in den Blick genommen und dem Publikum klar vermittelt, dass sich hier bereits einiges verändert. Bemerkenswert ist vor allem, dass Beispiele aus den verschiedensten Bereichen kommen. Von Clara Villarosa, einer Afro-Amerikanerin, die in Harlem eine Bücherei eröffnet, über Annie Wang, die ein innovatives Unternehmen mit 3D-Druckern aufbaut hin zu Crista Freeman und Jess Eddy, Gründerinnen von „Phin & Phebes“, sind viele unterschiedliche Perspektiven dabei. Gemeinsam haben sie, dass sie sich nicht entmutigen ließen, weder von den Erwartungen, die ihnen seitens der Gesellschaft durch Geschlechterrollen auferlegt wurden, noch von Familienmitgliedern, die mit größter Skepsis die Unternehmen der jungen Frauen beurteilten.

Lebendige Diskussion

Es überrascht wenig, dass diese Probleme auch im darauf folgenden Rundtischgespräch erwähnt wurden. Neben Larissa Best, Mitgründerin von Equilibre und Präsidentin des „Luxembourg Business Angel Network“, und Rita Knott, Coach und Mentor und Direktorin des „Female Board Pool“, waren auch noch Christine Hansen, CEO von „Sleep like a Boss“ und „Sleep like a baby“ und Diego De Biasio, Direktor des Inkubators Technoport, anwesend und diskutierten mit.

Als wollte man die Zurückhaltung gegenüber dem Unternehmertum weiter unterstreichen, wurde gleich zu Beginn die Frage gestellt, wie viele Schüler im Moment vorhätten, Unternehmer zu werden. Nur wenige sahen sich dazu bereit - was kaum überraschte. Die Teilnehmer der Diskussionsrunde erzählten allesamt, wie sie dazu kamen, ins Unternehmertum zu wechseln. Rita Knott erzählte, dass sie noch teilweise äußerst restriktive Gendervorstellungen erlebte, was die Entscheidung nicht erleichterte. Christine Hansen erzählte davon, wie sie nach ihrem Abschluss Englisch studierte und daraufhin - als gäbe es keine andere Möglichkeit - Lehrerin wurde. Während dies eine Zeit lang gut ging, machte es die junge Frau nicht gerade glücklich. Zu den üblichen Lebensläufen, wie sie ihn selbst erlebt hat, sagt die Unternehmerin: „Wenn ihr von vornherein wisst, dass es euch nicht glücklich macht, dann tut es nicht!“

Über die Dauer des Rundtischgesprächs hinweg reichten die Schüler über eine App ihre Fragen ein. Dies geschah anonym, was den Vorteil hatte, dass auch Themen angesprochen würde, die sonst außen vor geblieben wären. Auch sexuelle Belästigung wurde hier offen angesprochen. Die Teilnehmer betonten, dass es wichtig sei, Grenzen zu setzen und diese vor allem so früh wie möglich zu signalisieren. Denn es beginne immer mit Kleinigkeiten und jene Personen würden ansonsten immer mehr austesten, wie weit sie gehen könnten.