LUXEMBURG
MARIO HUBERTY

2004 setzten sich sechs Familien mit Kindern mit Dysphasie zusammen, um Wege zu finden, wie ihren Söhnen und Töchtern besser geholfen werden kann. Die Dsyphasie asbl war geboren. Derzeit laufen ihre Vorbereitungskurse für das neue Schuljahr. Der Präsident der Vereinigung, Mario Huberty, erklärt, was es damit auf sich hat und welche weiteren Hilfsstellungen es für Schüler mit Sprachentwicklungsstörungen gibt.

„Personen mit Dysphasie haben Schwierigkeiten, sich in den Satzbaustrukturen auszudrücken, welche die Norm sind. Sie wissen, was sie sagen wollen, bekommen es aber oft nicht so konstruiert, dass ihre Mitmenschen es auch verstehen. Dysphasie ist eine unsichtbare Behinderung von unterschiedlichen Schweregraden, die ein Leben lang bleibt. Das gleiche gilt für Dyslexie, also Schreib- und Leseschwäche, Dyskalkulie – Rechenschwäche und Dyspraxie, die eine psychomotorische Entwicklungsstörung  ist.

Schätzungen zufolge leiden 12 bis 15 Prozent einer Altersgruppe unter solchen Störungen, die das Leben natürlich nicht leicht machen. Dysphasiker müssen in einer Welt zurecht kommen, in der Sprache überall ist. Kaum eine Disziplin kommt ohne aus, auch Mathematik, Physik oder Geografie nicht.

Als Schwierigkeit hinzu kommt in Luxemburg die Sprachenvielfalt, wird doch von uns verlangt, dass wir mindestens die drei offiziellen Sprachen des Landes beherrschen.  Aber man kann den Betroffenen, die oft sehr kreativ sind, in ihren Ausdrucksweisen und der Überbrückung ihres Handicaps helfen, dieses besser in den Griff zu bekommen.

So bieten wir Programme, die es ermöglichen, Kinder bereits ab sechs Monaten an Sprachen wie Deutsch, Französisch und Luxemburgisch heran zu führen. Wir arbeiten etwa mit dem Sprachförderprogramm Kon-Lab, das spielerisch den Satzbau vermittelt.

Wir begleiten rund 30 Kinder im Jahr in den Schulen und meist über längere Zeit. Es ist für uns ausgesprochen wichtig, dass Schüler mit Dysphasie in normalen Klassen unterrichtet werden, denn das ist ein kapitaler Faktor für eine echte Inklusion in die Schule und in die Gesellschaft insgesamt.

Natürlich bedarf das einiger Anstrengung. Wir stehen dabei als Anlaufstelle sowohl Eltern als auch Pädagogen  zur Seite. Wir bieten Weiterbildungen am „Institut de Formation de l’Education Nationale“ an. Unsere spezialisierten Fachsprachtherapeuten kümmern sich auch um die derzeitigen Vorbereitungskurse für das neue Schuljahr, bei denen mit den beteiligten Schülern drei Wochen vor der „Rentrée“ noch einmal das Programm aus dem  vergangenen Jahr betrachtet wird, aber auch das anstehende Programm unter die Lupe genommen wird. Eine enorme Arbeit ist das Umschreiben der Schulbücher für Schüler mit Dysphasie. Der Stoff muss nämlich in kürzere Sätze aufgeteilt werden, um das Verständnis zu erleichtern. Es freut uns sehr, gemeinsam mit Arbeitssuchenden, die uns die ADEM vermittelt, daran arbeiten zu können.

Als Vereinigung möchten wir über die verschiedenen Lernstörungen aufklären, damit das Verständnis dafür in der Gesellschaft wächst. Seit 2009 veranstalten wir deshalb immer im Oktober die „Journée des Dys“ mit einer Reihe von Fachvorträgen am Campus Walferdingen, zu denen jeder Interessierte herzlich eingeladen ist.“

Details findet man auf www.dys.lu