LUXEMBURG
LYDIA MUTSCH

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die führende Todesursache in Luxemburg. Sie sind, mit über 30 Prozent der Todesfälle, immer noch die erste Todesursache, vor Krebs. Darüber hinaus sind sie mit erheblichen individuellen Krankheitsfolgen verbunden. Aufgrund ihrer weiten Verbreitung haben vor allem die koronare Herzkrankheit, der Herzinfarkt und der Schlaganfall, eine große Bedeutung für das Gesundheitsministerium. So könnten 80 Prozent der Herz-Kreislauf-Erkrankungen durch eine gesündere Lebensweise verhindert oder hinausgezögert werden. Übermäßiger Zuckerkonsum ist einer der Hauptrisikofaktoren, weshalb wir uns mit der Gesundheitsministerin Lydia Mutsch unter anderem über die Möglichkeit der Einführung einer sogenannten „Zuckersteuer“ unterhalten wollten. Ein EU-Bericht hob Anfang des Jahres löblich die Einführung von steuerpolitischen Maßnahmen hervor, besonders im Hinblick auf die angestrebte Reduzierung zuckerhaltiger Getränke. Derartige Steuern gibt es zudem bereits in anderen EU-Ländern, eignen sich aber als isolierte Maßnahme nicht für Luxemburg, wie Lydia Mutsch erklärt:

„Eine HBSC Studie, die alle vier Jahre durchgeführt wird, hat erwiesen, dass in Luxemburg 40 Prozent aller 15-Jährigen jeden Tag Softdrinks konsumieren. Damit liegen wir zwar unter den Werten in anderen Ländern wie Belgien, aber über dem EU-Schnitt (22 Prozent). Was Adipositas (Übergewicht) betrifft, liegt Luxemburg im internationalen Vergleich mit 22,6 Prozent über dem Durchschnitt von 19,5 Prozent. Ein alarmierender Trend, besonders im Zusammenhang mit dem Phänomen einer unausgewogenen Ernährung und mangelnder Bewegung. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat wiederholt darauf hingewiesen, dass preispolitische Maßnahmen einen Einfluss auf den Konsum haben können. Das gilt nicht nur für Softdrinks, sondern auch für alkoholische Getränke. So wurde beispielsweise 2008 in Luxemburg eine besondere Steuer auf den sogenannten „Alcopops“ eingeführt, um Jugendliche davor zu schützen. Das Resultat davon war, dass diese Produkte gänzlich von unserem Markt verschwunden sind.

Rund ein Drittel der europäischen Länder haben sich mittlerweile auf den Weg einer sogenannten Zuckersteuer begeben, die vor allem zuckerhaltige Getränke betrifft. Das kann wirken: die Auswertung von mehr als 300 internationalen Studien hat ergeben, dass höhere Preise die Nachfrage nach ungesunden Produkten senken könnten.

Die Diskussionen über konkrete Präventionsmaßnahmen befinden sich bei uns aber noch in der Anfangsphase. Die Erfahrung in anderen Ländern zeigt, dass die Getränke- und Lebensmittelindustrie durchaus eine positive und proaktive Rolle spielen kann. Für das Gesundheitsministerium stehen bei allen Diskussionen mit unterschiedlichen Partnern und Interessenvertretern vorrangig gesundheitspolitische Aspekte im Vordergrund. Die Lebensmittelindustrie hat den Trend zu einem gesünderen Lebensstil schon längst erkannt. Mehrere Hersteller reduzieren sogar aus eigener Initiative den Zuckergehalt in Lebensmitteln. Das nicht zuletzt, weil die Konsumenten in Bezug auf ihre Ernährung immer gesundheitsbewusster und kritischer werden. Eine bessere Kennzeichnung der Lebensmittel und eine stärkere Sensibilisierung der Konsumenten sind deshalb unerlässlich. Unsere Rolle ist es, die Konsumenten zu mehr Eigenverantwortung zu ermutigen. Über unseren 2. Aktionsplan ‚GIMB‘ (‚Gesond iessen, Méi bewegen‘) werden wir deshalb ein globales Präventionskonzept einführen. Wir wollen die Konsumenten informieren und überzeugen, um sie zu mehr Mitverantwortung zu ermutigen. Dies kann nur mittels einer globalen, breitgefächerten und modernen Gesundheitsstrategie geschehen, die multi -und interdisziplinär arbeitet und im Zusammenspiel mit allen interessierten und betroffenen Kreisen Initiativen ergreift und Maßnahmen nachhaltig umsetzt.

Eine isolierte Steuer stellt demnach keine befriedigende Antwort auf die vielen Herausforderungen dar, die sich auf dem Gebiet der Gesundheitsförderung und der Prävention, besonders chronischer Krankheiten, stellen. Sie kann vielmehr Teil eines gesundheitspolitischen Globalkonzeptes sein, das den Menschen in den Mittelpunkt stellt, ihn zu mehr Eigenverantwortung ermutigt und dadurch ein allgemeines Wohlgefühl und eine bestmögliche Gesundheit fördert.“