LUXEMBURG
ANNETTE DUSCHINGER

„Dräikinnekstreffen“ CSV-naher Kreise - CSV soll sich bei den Referenden mehr einbringen

Im kleinen Kreis gab es sie schon länger, die „Dräikinnekstreffen“, die von ehemaligen Spitzenleuten der christlich-sozialen Jugend (CSJ) vor allem aus den Norden initiiert wurden. Erstmals hatte man sich letztes Jahr im größeren Kreis getroffen, als die CSV nach den Neuwahlen nicht mehr in der Regierung war. Am Samstag kam man erneut zusammen und zeigte sich selbstbewusst, in fast ausgelassener Stimmung und vor allem überzeugt: „Ohne uns hätte es letztes Jahr keine CSV-Kongressresolution, keinen Reformprozess und kein internes Audit gegeben, dessen Bericht nun vorgelegt wurde“, sagte Charel Schmit.

Der anarchistische Flügel der CSV

Zusammen mit dem Abgeordneten Serge Wilmes, Pierre Lorang, Sonja Kettmann und Pascal Nicolay ist er Initiator der Gruppe, die sich als konstruktive und transparente Diskussionsplattform zum Austausch von Ideen versteht. Ziel ist es, Anregungen zu geben, damit aus der CSV eine Partei wird, mit verantwortungsvollen Mitgliedern, die mitmachen, mitreden und mitentscheiden. Lebendige Mitglieder, die sich nach dem Prinzip „ein Mitglied - eine Stimme“ sowohl strukturell und personell als auch programmatisch einbringen können.

„Die CSV hat die Wahlen ganz klar verloren, aber an Zukunft gewonnen“, zeigte sich Serge Wilmes überzeugt. Die Oppositionszeit biete nun die Gelegenheit, sich reformieren zu können. „Wir wollen keine Partei mit Berufspolitikern und ihren Wasserträgern“, sagte Lorang, der die Gruppe als „anarchistischen Flügel der CSV“ bezeichnete, weil man eine Gesellschaft mit maximaler Wahlfreiheit und Autonomie fordere. „Selbstkritik ja, Selbstmitleid nein“, sagte Kettmann. „Wir müssen Inhalte bringen: Wie können wir in Luxemburg eine Gesellschaft aufbauen, in der jeder sich wohlfühlt und wiederfindet?“, so ihr Credo.

Schmit kritisierte das viermalige Nein der CSV zu den Referendumsfragen. Es sei falsch die Diskussion nicht zu gestalten, es müssten eher noch mehr Fragen eingebracht werden, wie beispielsweise, ob das Vorrecht der Familie auf die Kindererziehung verfassungsrechtlich festgeschrieben werden soll.

Diese Frage sowie auch die vier Referendumsfragen hatte man den rund 40 Anwesenden übrigens am Samstag gestellt - hier die nicht repräsentativen Ergebnisse. Wahlrecht ab 16: Nein mit 59 Prozent, Ausländerwahlrecht: Ja mit 74 Prozent, Ministermandate beschränken: Nein mit 52 Prozent, staatliches Gehalt für Pfarrer: Ja mit 74 Prozent, Erziehungsvorrecht für Familien: 57 Prozent dafür.

Vorgestellt wurde schließlich noch der Essayband „C wéi Choix“, der in 18 Beiträgen „christlich-soziale Perspektiven auf Politik, Gesellschaft und Partei wirft“. Es wird ab Mittwoch im Handel erhältlich sein.

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