LUXEMBURG
OLIVIER GRÜNEISEN

Menschen mit Beeinträchtigung werden noch immer unbewusst ausgeschlossen – sei es auf der Arbeit oder im Alltagsleben, wenn etwa Informationen nicht behindertengerecht (zum Beispiel für Blinde) zur Verfügung gestellt werden. Ein Mentalitätswandel wird nötig sein, um diese Problematik vollständig in den Griff zu bekommen, meint deshalb auch der Direktor von Info-Handicap, Olivier Grüneisen.

„Das Problem löst sich nicht einfach nur durch noch mehr (durchaus wichtige) Öffentlichkeitsarbeit - ein echter Mentalitätswandel muss her. Und hier spielt das Unbekannte eine enorme Rolle. Kurzum: Was uns fremd ist, das wirkt seltsam. Dabei wurden in der Vergangenheit große Fehler gemacht: Menschen mit Beeinträchtigungen wurden geradezu versteckt und gesondert behandelt – was das Problem nur verstärkte.

Die meisten Menschen sind zum Glück nicht direkt mit einer Beeinträchtigung in ihrem eigenen Leben oder in ihrem direkten Umfeld konfrontiert. Die nötige direkte Konfrontation fehlt. Eine Auseinandersetzung mit der Problematik bereits im Kindesalter – etwa in der Schule – würde einen großen Beitrag zur Normalisierung leisten, wie es das bereits bei der Geschlechtergleichheit tat.

Die Normalisierung im Alltag muss das Ziel sein. So arbeiten wir beispielsweise eng mit Arbeitgebern zusammen, die Menschen mit Beeinträchtigung bei sich beschäftigen wollen, aber mit der Umsetzung hadern. Bei der Umsetzung der Trambahn konnten wir unsere Ansichten zur Zugänglichkeit einbringen. Auch die Thematik einer behindertengerechten Internetpräsenz ist noch immer nicht vollständig durchgedrungen und wird uns weiter beschäftigen. Als Vertretung der Interessenverbände ist es dabei unsere Rolle, den Anliegen unserer Mitglieder auch gegenüber der Regierung Gehör zu verschaffen.

Deshalb fordern wir von der Politik die möglichst rasche Umsetzung der UNO-Konvention von 2006, die Luxemburg bereits 2011 ratifizierte, aber bislang noch nicht vollständig umgesetzt hat. Besonders dringend sorgt uns hier die Regelung zur Vormundschaft, die es am vergangenen Wochenende etwa Betroffenen unmöglich machte, ihr eigentliches demokratisches Grundrecht zum Wählen einzufordern. Die neuen Gesetze brächten zudem mehr Bewusstsein in der Öffentlichkeit mit sich.“