Die Regierung will bei der Förderung des unterrepräsentierten Geschlechts auf leitenden Posten Nägel mit Köpfen machen. Bis 2019 sollen 40 Prozent der Verwaltungsratsposten in öffentlich-rechtlichen Institutionen und der Posten in Unternehmen mit Staatsbeteiligung so besetzt sein und auch auf den Kandidatenlisten der Parteien muss jedes Geschlecht zu mindestens 40 Prozent vertreten sein - sonst drohen finanzielle Sanktionen. Wie es mit der praktischen Umsetzung aussieht, stellte gestern Ministerin Lydia Mutsch im Parlamentsausschuss für Gesundheit, Sport und Chancengleichheit dar: 66 der 170 von der Regierung zwischen Dezember 2013 und 2014 ernannten Verwalter, also 39 Prozent, waren Frauen. Der Anteil der Frauen in den Verwaltungsräten öffentlicher Anstalten stieg so von 19,2 auf 21,2 Prozent .
Ergänzend brachte die Beraterin Rita Knott den Abgeordneten die Initiative „Female Board Pool“ nahe - eine Datenbank mit kompetenten und an Führungsposten interessierten Damen aus dem Privatsektor. Denn dass es sich beim unterrepräsentierten Geschlecht zumindest derzeit noch um Frauen handelt, braucht wohl nicht mehr erwähnt zu werden. Und dass der Staat nur dort gesetzlich eingreift, wo er das Sagen hat und bei den Privatunternehmen zunächst noch auf Freiwilligkeit setzt, machte Mutsch gestern deutlich. Dort liegt der Frauenanteil bei den börsennotierten Unternehmen bei 11 Prozent, 15 Prozent sind es in den Unternehmen mit staatlicher Beteiligung.
Gut 150 Frauen im „Female Board Pool“ könnten ein Verwaltungsratsmandat kompetent ausfüllen
Derzeit stellt das Wirtschaftsministerium die aktuellen Zahlen der Verwaltungsratsfrauen in den luxemburgischen Betrieben zusammen. Mutsch teilte auch mit, dass bei ihren zahlreichen Unterredungen mit den Berufskammern ihr Vorstoß zugunsten des unterrepräsentierten Geschlechts auf durchweg positives Echo traf. Die CGFP habe ihr den Vorschlag gemacht, dass Verwaltungsratsposten auch mit Personen, die nur Teilzeit arbeiten, besetzt werden könnten.
„Die DP begrüßt, dass die Regierung zwar Richtlinien an Privatbetriebe herausgibt, aber keine gesetzliche Basis plant“, sagte Gusty Graas gestern im Anschluss an die Sitzung. Es fehlt vielfach draußen noch an der entsprechenden Information“, sagte Graas. Die Ministerin will sich nun noch besser mit den Betrieben konzertieren und auch den „Female Board Pool“ bekannter machen. Schließlich unterstützt das Ministerium die von Rita Knott gemanagte Initiative, die sie in Zusammenarbeit mit Prof. Martin Hilb von der Universität Sankt Gallen vor vier Jahren aufbaute, über eine Konvention.
Ziel ist es, eine extern verwaltete Datenbank zu Verfügung zu haben, aus der Betriebe sich eine Kandidatin heraussuchen können. Bislang nahmen 350 interessierte Frauen an den Seminaren teil, bei denen ihnen auch vermittelt wird, wie sie sich besser präsentieren. „Frauen unterschätzen sich gerne“, sagt Knott, deren Pool nun über gut 150 Frauen verfügt, die ein Verwaltungsratsmandat auch ausfüllen könnten. Am kommenden Mittwoch findet das nächste Einführungsseminar mit 60 neuen Interessenten in der Handelskammer statt. Eine Frau konnte bislang in den Verwaltungsrat der Versicherungsgesellschaft „Foyer“ vermittelt werden. „Es dauert drei bis fünf Jahre, bis solche Initiativen greifen“, sagt Knott. Dass sich Prof. Hilb des Themas annahm und den ersten „Female Board Pool“ aufbaute, hat gute und vor allem praktische Gründe: Im Rahmen der Corporate Governance zeigt sich, das solche Unternehmen wirtschaftlich erfolgreicher sind, deren Führungsebene möglichst divers in Bezug auf Geschlechter, Alter, Ethnik oder auch Religion aufgestellt sind.


