LUXEMBURG
MARCO MENG

Eurozone steckt in Zinsdilemma - Großkredite in Luxemburg florieren

Trotz Niedrigzinsen ist die Kreditvergabe in der Eurozone im Oktober erneut geschrumpft, wie die neuste Statistik der Europäischen Zentralbank (EZB) belegt. Insgesamt vergaben die Banken 1,1 Prozent weniger Darlehen an den privaten Sektor als im Vorjahresmonat. Auch das Volumen der an private Haushalte in der Eurozone vergebenen Kredite ist gesunken, und zwar um 0,4 Prozent. Zudem sank das Volumen der vergebenen Immobilienkredite um 0,2 Prozent. Dass die Kreditvergabe an Unternehmen mit einem Minus von zwei Prozent im Oktober weniger stark zurückging wie im Vormonat (minus 1,8 Prozent), ist da nur ein schwacher Trost und wohl kaum das Anzeichen einer Kehrtwende.

Wie die EZB ankündigte, will sie demnächst Kreditverbriefungen aufkaufen, weil sie hofft, damit die Kreditvergabe der Geldhäuser in der Eurozone anzukurbeln. Allerdings haben sich in der Woche zum 28. November die Einlagen der Kreditinstitute auf Girokonten beim Eurosystem trotz Negativzinsen, wie sie nun auch von mancher Privatbank für große Summen erhoben werden, um 32,7 Milliarden Euro auf 208,3 Milliarden erhöht.

Auf der anderen Seite dürfte damit auch die Geldmenge steigen, die ohnehin schon ein Wachstum verzeichnet, wie die EZB-Zahlen zeigen. Der Banknotenumlauf erhöhte sich demnach auf 981 Milliarden Euro. Eine stark wachsende Geldmenge signalisiert eine potenzielle Inflationsgefahr, während doch derzeit wegen der niedrigen Preissteigerung sogar von einer Deflationsgefahr geredet wird. Nicht zu vergessen ist bei der Gemengelage: Das billige Geld treibt die Aktienkurse hoch, sorgt für eine Rallye bei Aktien, Anleihen und Immobilien womit die Gefahr von Blasenbildung besteht.

Niedrige Zinsen - Mehr Kredite?

Neuste Zahlen des Beratungsunternehmens Barkow Consulting vom November zeigen zudem, dass fallende Zinsen nicht zu steigender Kreditvergabe führen. Fakt ist: Die Kreditnachfrage in der Eurozone ist nach wie vor schwach.

Da der Niedrigzins noch niedriger als die ebenfalls niedrige Inflationsrate ist, verlieren Sparer unter dem Strich Geld, und ihre private Altersvorsorge wackelt. Die Renditen von Lebensversicherungen sinken, so dass die Europäischen Versicherungsaufsicht Eiopa unlängst warnte, dass das manchem Versicherer in Zukunft immense Probleme bereiten wird. Lebens- und Rentenversicherungen hatten ihren Kunden früher hohe Zinsgarantien zugesagt, die sie weiterhin erfüllen müssen, während sichere Anlagen solche Renditen längst nicht mehr erreichen.

Wie der Branchenprimus, die Allianz, gestern erklärte, senkt sie die laufende Verzinsung inklusive Überschussbeteiligung im kommenden Jahr auf 3,4 Prozent. Grund für die Senkung der Überschussbeteiligung seien die nochmals stark rückläufigen Kapitalmarktzinsen.

Die Unternehmen suchen darum nun nach alternativen Anlageformen, die höhere Renditen abwerfen als klassische Investitionen in Anleihen. Zudem bringen sie neue Lebensversicherungsprodukte ohne die klassischen Zinsgarantien auf den Markt. So bauen sowohl Allianz als auch die Versicherer Ergo und Axa auf solch neuartige Policen, bei denen Kunden im Gegenzug von höheren Renditechancen profitieren sollen.

Luxemburg: Vergabe von Großkrediten nimmt zu

Im Oktober wurden laut Luxemburger Zentralbank (BCL) rund 300 Millionen Euro neue Immobilienkredite im Großherzogtum mit durchschnittlichen Zinssätzen - variabel und fix - zwischen 1,83 und 2,31 Prozent vergeben, gegenüber dem Oktober des Vorjahres eine leichte Zunahme um etwa zehn Milliarden Euro.

Gleichzeitig gingen nicht nur die Konsumentenkredite zurück, sondern auch die Darlehen mit bis zu einer Million Kreditvolumen, wie die BCL am Dienstag mitgeteilt hatte.

Gegenüber dem Vorjahr wurden demgegenüber insgesamt knapp 1,6 Milliarden Euro mehr Kredite mit einem Volumen von über einer Million Euro Darlehenssumme ausgeliehen, auch gegenüber dem Vormonat September war das eine Zunahme von 382 Millionen Euro.