LUXEMBURG
MARCO MENG

EU-Kommissar will Klimaschutz durch Finanzmarktregulierung forcieren

Die EU-Kommission will „grüne“ Investitionen gezielt fördern und plant dazu entsprechende Regulierungen für den Finanzsektor. Wenn die Europäische Union die Pariser Klimaziele erreichen wolle, müssten 180 Milliarden Euro jährlich zusätzlich klimafreundlich investiert werden, „und das liegt weit jenseits der Möglichkeiten der öffentlichen Hand“, zitierte gestern die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ den für die Finanzmarktregulierung zuständigen EU-Kommissions-Vizepräsidenten Valdis Dombrovskis.

Wie Dombrovskis sagte, wird die Kommission alle wesentlichen Vorschläge zu „Green Finance“ übernehmen, die eine Gruppe von Fachleuten, auch aus Luxemburg, im Auftrag der Kommission im Januar vorgelegt hatte. Konkretere Pläne zur Förderung grüner Anleihen und Investitionen will die Brüsseler Behörde in den kommenden Wochen vorlegen. Damit sollen Fondsmanager und die Sparer sensibilisiert werden und Investitionen in Unternehmen bevorzugen, deren Auswirkungen auf das Klima geringer sind. Dazu könnten auch Kapitalvorschriften für grüne Finanzprodukte erleichtert werden, deutete der lettische EU-Kommissar an.

Mario Mantrisi, Generaldirektor der luxemburgischen Finanz-Zerftifizierungsagentur LuxFLAG, erklärt: „Die Expertengruppe hat acht spezifische Empfehlungen in ihrem Schluss-Bericht vom 31. Januar formuliert, unter anderem eine Nachhaltigkeits-Taxonomie, welche definiert, was „grün“ ist, sowie ein EU-Siegel für grüne Investitionsprodukte.“ Ende Dezember seien auf einer Konferenz in Paris von Dombrovskis bereits die Leistungen, die Luxemburg in den letzten Jahren bezüglich des Labelling von Investitionsprodukten vollbracht hat, gelobt worden. „Im März wird die EU nun einen umfassenden Aktionsplan vorstellen, in dem genauer definiert wird, welche Schritte sie nehmen wird, um das Finanzsystem nachhaltiger aufzustellen“, sagt Mantrisi. „Die gesamte Finanzindustrie muss sich jedoch auf zukünftige regulatorische Neuerungen bezüglich einer nachhaltigeren Vermögensverwaltung einstellen.“

Grüne Standards definieren

Ein Mitglied der Expertenkommission, die der Kommission in Brüssel Vorschläge zu „Green Finance“ unterbreitete, ist Julie Becker, Mitglied des Direktionskomitees der „Bourse de Luxembourg“. Ihr zufolge sollen die Vorschläge an die Kommission dazu dienen, Investitionen in „grüne Sektoren“ zu steigern. Zum Vorteil der Finanzbranche Luxemburgs? „Zum Vorteil der europäischen Finanzbranche wie auch der luxemburgischen“, sagt Becker.

Es gehe darum, klare Vorschriften hinsichtlich „Green Finance“ zu erlassen, weil man sich dadurch auch stärkeren Zuspruch für mehr Anlegervertrauen in einen Bereich erhofft, der einst ein Nischenprodukt war, aber immer wichtiger werde, auch, damit Europa nötige Klimaziele erreichen könne. Dabei stellen sich auch viele juristische Fragen, wie Becker betont, die definiert werden müssen: Was sind sozial verantwortliche, was sind grüne Investitionen?

Ein Vorschlag der Expertengruppe an die EU-Kommission war, mit einem Label Standards für die grünen Finanzinstrumente zu adaptieren, ähnlich wie im Lebensmittelbereich mit einem Label definiert wird, was organische/bio-Lebensmittel sind. So könnten auch Fonds entsprechende Label tragen, die sie als „grün“ auszeichnen. „Es geht darum, mit solchen Vorschriften durch die EU-Kommission mehr Transparenz zu schaffen und Anlegervertrauen in solche Finanzinstrumente zu stärken“, sagt Becker. Becker stand eigenen Aussagen nach in regem Kontakt mit betroffenen Branchen wie dem Fondsverband Alfi, LuxFlag oder der „Climate Finance Platform“. Die Idee: Wenn gesetzlich ein Kriterienkatalog besteht, der „grüne“ und „nachhaltige“ Finanzprodukte klassifiziert, können Fondsgesellschaften solche Produkte auch besser anbieten.

„Alfi, der Verband der luxemburgischen Fondsindustrie, war ein Vorreiter, wenn es darum ging, aktiv verantwortliche Investmentmöglichkeiten für Vermögensverwalter zu fördern“, sagt die stellvertretende Generaldirektorin des Fondsverbands. „In Anbetracht der Tatsache, dass „Responsible Investing“ die „dritte Säule“ der luxemburgischen Investmentfondsbranche ist, sind wir überzeugt, dass Vermögensverwalter eine Schlüsselrolle bei der Förderung einer verantwortungsvollen Finanzierung spielen können.“

Luxemburg steht für etwa 35 Prozent des Vermögens, das europaweit in „Responsible Investment Funds“ angelegt ist, und nirgends auf der Welt sind so viele „Green Bonds“ gelistet wie an der Börse in Luxemburg: Etwa 50 Prozent aller weltweit aufgelegten grünen Anleihen wurden hier aufgelegt.