LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Film Fund präsentiert Bilanz 2016: Über 36 Millionen Euro wurden in den Sektor investiert

Mehr als 36 Millionen Euro hat der „Fonds national de soutien à la production audiovisuelle“ im Jahr 2016 in den Filmsektor investiert. 62 Projekte - 106 Anträge auf eine Beihilfe waren beim Film Fund eingegangen - wurden finanziell unterstützt. 32 Mal wurden „aides à l’écriture et/ou au développement“ für insgesamt 1.340.400 Euro vergeben. 30 Produktionen - 34.778.594 Euro wurden investiert - erhielten eine „Aide financière sélective à la production“.

„Wir blicken auf ein Jahr zurück, in dem viel produziert wurde und viele gute Filme auf die Leinwand kamen“, resümierte Film Fund-Direktor Guy Daleiden am Dienstagmorgen bei der Vorstellung der Bilanz 2016. Nominierungen und internationale Preise bei diversen Filmfestivals würden zeigen, „dass unsere Filme nicht für die Schublade gemacht werden, sondern ein Publikum finden“.

Mehr luxemburgische Filme denn je

Die Zahl der majoritär luxemburgischen Filme, demnach mit Luxemburger Regisseuren, habe im Vergleich zur Vergangenheit stark zugenommen, bemerkte Daleiden. „Einerseits ist dies zwar erstaunlich, andererseits aber auch eine normale Entwicklung. Genau dies war oder ist ja eines der Ziele, die wir seit vielen Jahren mit der Vergabe dieser Beihilfen verfolgen“, so der Direktor des Filmfonds weiter. Zur Erinnerung: Der „Fonds national de soutien à la production audiovisuelle“ wurde vor über 25 Jahren mit dem Ziel ins Leben gerufen, einen eigenständigen Luxemburger Filmsektor aufzubauen. Die Entwicklung kann sich zweifelsohne sehen lassen. „Wenn wir im nächsten Jahr am 22. September die achte Ausgabe des ,Lëtzebuerger Filmpräis‘ organisieren, werden wir so viele Filme von einheimischen Regisseuren haben wie nie zuvor. Früher waren wir froh, zwei oder drei Produktionen vorzeigen zu können, im nächsten Jahr müssen wir fast schon eine Vorauswahl machen, um alle Filme unterzubekommen“, sagte Daleiden. Je mehr Filme vom Filmfonds unterstützt würden, desto härter werde in diesem Kontext auch die Konkurrenz.

Kultureller und wirtschaftlicher Einfluss zählt

Als im September 2014 das überarbeitete Gesetz über die Förderung der audiovisuellen Produktion in Kraft trat, fusionierten auch die früheren Entscheidungsgremien „Comité de lecture“ und „Comité économique et financier“ in ein einziges „Comité de sélection“, das seit Anfang 2015 von Jean-Louis Scheffen präsidiert wird. „Das Auswahlkomitee bewertet einerseits die künstlerische und kulturelle Qualität des eingereichten Projekts, andererseits spielt aber auch der Einfluss auf den nationalen Filmsektor eine Rolle, demnach wird auch der wirtschaftliche Wert analysiert, immerhin arbeiten rund 1.000 Personen direkt oder indirekt in diesem Bereich. Wichtig ist zudem, dass Projekte auch über die Grenzen hinaus ein Publikum finden“, fasste Scheffen die Kriterien zusammen.

Neben der „Aide financière sélective“ vergibt der Film Fund eine Reihe weiterer Beihilfen. Wenn der Film produziert ist, gilt es ihn zu bewerben. 2016 wurden 17 Produktionen mit einer „aide à la promotion“ unterstützt (Gesamtausgaben: 152.316 Euro). Stichwort „Promotion“: Um Luxemburg im Allgemeinen sowie als Filmland noch bekannter zu machen und nach neuen Koproduktionsmöglichkeiten zu suchen, spielen auch Festivals sowie sogenannte „Missions de promotion“ eine große Rolle. „Solche Treffen tragen eigentlich immer ihre Früchte“, unterstrich Daleiden.

Neue Beihilfe „carte blanche“

21 Mal wurden darüber hinaus im vergangenen Jahr Stipendien und Subsidien zwecks „formation continue“ vergeben (138.224 Euro). Außerdem wurden fünf Autoren bezuschusst, die (ohne Produzent) ein Drehbuch schreiben wollen. In die „Aides aux auteurs“ steckte der Film Fund 2016 insgesamt 47.500 Euro. In Aussicht gestellt wurde gestern noch dazu die neue Beihilfe „carte blanche“, bei der laut Daleiden zwar weniger Geld fließe (maximal 30.000 Euro), dafür aber mehr Flexibilität bei der Ausarbeitung des Projekts - insbesondere Kurzfilme - und vom administrativen Aufwand her garantiert sei.

Im Aufwind befindet sich weiterhin der Animationsbereich. „Er ist zu einem wichtigen Standbein des Luxemburger Sektors geworden. Die Produktionen sind inzwischen von hoher künstlerischer Qualität“, bemerkte Scheffen. Bis zu 100 Leute wären an der Realisierung eines solchen Projekts beteiligt. Langsam aber sicher gewinne auch der Bereich „virtual reality“ an Wichtigkeit. „Um dem luxemburgischen Publikum dieses neue Genre näherzubringen, arbeiten wir weiterhin mit dem ,Casino - Forum d’art contemporain‘ zusammen. Nach dem großen Erfolg vom letzten Jahr mit 1.800 Besuchern werden im Februar 2018 neue Projekte anlaufen“, verriet der Direktor des Filmfonds. Der erste Gewinner des Wettbewerbs „Virtelio Award“ (angekündigt bei den diesjährigen Filmfestspielen in Cannes) wird übrigens am 21. November im Rahmen des „Festival Paris Courts Devant“ ausgezeichnet. Die Partnerschaft mit RTL Télé Lëtzebuerg wird ebenfalls weitergeführt. Ab dem 15. Oktober wird die dritte Staffel der Dokumentarserie „routwäissgro“ ausgestrahlt. Die zweite Staffel von „Tirlitivi - Planet Kids“ steht ebenfalls in den Startblöcken.

Noch fünf Vorpremieren in diesem Jahr

Viel Trubel herrscht derzeit an diversen Filmsets in Luxemburg. Nicht weniger als fünf Filme werden gerade gedreht und 15 befinden sich in der Post-Produktion. Noch dazu stehen eine ganze Reihe von Vorpremieren an. Den Anfang machte gestern Abend der neue Dokumentarfilm von Andy Bausch, „Sixty8“. Freuen darf man sich dann auch noch auf die dokumentarische Webserie „Fashion Geek“ (a_Bahn) im Mudam, auf „Toy Gun“ (Calach Films) heute Abend im Rahmen der „British & Irish Film Season“ sowie auf den Animationsfilm „Drôles de petites bêtes“ (Bidibul Productions).