LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Die „Société Nationale des Habitations à Bon Marché“ stellt ihre Strategie um und expandiert

Während es bei dem anderen öffentlichen Bauträger, dem Fonds du Logement, mächtig im Gebälk kracht, scheint bei der „Société Nationale des Habitations à Bon Marché“ (SNHBM) eitel Sonnenschein zu herrschen

Die Gesellschaft hat sich, so zumindest der Eindruck nach der gestrigen Bilanzpressekonferenz, auf die außerordentlichen Herausforderungen des luxemburgischen Wohnungsmarktes eingestellt und ihre Strategie komplett neu ausgerichtet. Man will mehr bauen und vor allem verstärkt auf Mietwohnungen setzen. Direktor Guy Entringer sprach von „fundamentalen Änderungen“. Mit der neuen Strategie richtet man sich nach der Maßgabe der Regierung: „Wohnen hat Vorrang“.

Die SNHBM hat im Mittel der letzten zehn Jahre 80 Wohnungen jährlich gebaut, in der nächsten Dekade, bis 2024, soll die Zahl neuer Wohnungen auf 250 pro Jahr gesteigert werden. Diese erkennbare Herausforderung will man mit Hilfe einer deutlichen Personalaufstockung und einer Kapitalerhöhung meistern. Damit werde man zwar den Immobilienmarkt nicht revolutionieren, aber als öffentlicher Bauträger tue man einen großen Schritt, so Entringer. Der Personalbestand soll von 48 Beschäftigten Ende 2014 auf 90 Mitarbeiter im Jahr 2017 steigen. Das Grundkapital der SNHBM soll von derzeit 30 Millionen Euro auf 56 Millionen Euro aufgestockt werden. In Zukunft werden alle Bauprojekte der SNHBM im Erbpachtverfahren realisiert, was bedeutet, dass der Käufer zwar eine Wohnung oder ein Einfamilienhaus kauft, den Baugrund aber nur für 99 Jahre von der SNHBM pachtet. Aktuell liegt die durchschnittliche Jahrespacht bei 220 Euro.

Keine Spekulation mehr mitSNHBM-Immobilien

Mit einer drastischen Maßnahme will man in Zukunft jede Spekulation mit den von der SNHBM gebauten Sozialwohnungen verhindern. Bisher behielt sich die Gesellschaft ein Vorkaufsrecht, bei einem angestrebten Weiterverkauf, für einen Zeitraum von zwölf Jahren bei Wohnungen und von 19 Jahren bei Einfamilienhäusern vor. Da einige Hauseigentümer, etwa in Luxemburg-Cents, nach Ablauf dieser Frist mit Gewinnen von bis zu dreihundert Prozent verkauft haben, setzt die SNHBM die Dauer ihres Vorkaufsrechts drastisch herauf. Für das Territorium der Stadt Luxemburg behält sich die SNHBM bei Neubauten ab sofort eine Frist von 99 Jahren vor. Will der Hauseigentümer verkaufen, erhält er die investierte Summe zurück - auf einen kräftigen Gewinn spekulieren kann er nicht mehr. Außerhalb der Hauptstadt gilt das Vorkaufsrecht für 25 Jahre.

Guy Entringer unterstrich, dass die SNHBM mit und für Gemeinden baut. Die Gesellschaft schöpfe dabei aus ihrem Erfahrungsschatz und greife auf interne Planungen zurück. So würden aktuell in Monnerich 49 Einfamilienhäuser im Auftrag der Gemeinde gebaut. Einzige Einschränkung sei, dass die SNHBM in der Regel mindestens 25 Wohneinheiten, als Appartementblocks oder Einfamilienhäuser, errichtet.

Mehr Mietwohnungen

Im letzten Jahr hat die Gesellschaft 280 Wohnungen an neun verschiedenen Standorten gebaut oder renoviert, davon wurden 142 fertig gestellt. Das Investitionsvolumen lag bei 25 Millionen Euro.

Die Wohnungsbaugesellschaft will in Zukunft pro Jahr 50 Mietwohnungen bauen. Aktuell besitzt sie nur 164 Mietwohnungen, die zum Teil noch aus der deutschen Besatzungszeit stammen. Seit 2008 wird der Bestand energetisch saniert - so auch 107 Wohnungen in Luxemburg-Bonneweg und Esch/Alzette. 31 neue Mietwohnungen wurden auf dem Kirchberg und in Mamer fertig gestellt. 2015 ist Baubeginn für 60 Mietwohnungen an vier Standorten. Unter anderem im Val Ste Croix in Luxemburg. Alle neu gebauten Wohnungen entsprechen dem Energiestandard A.

Neben einem großen Bauprojekt, der Domaine du Kiem auf dem Kirchberg, wo die Wohnungen über einen Erbpachtvertrag zu einem Quadratmeterpreis von 2.610 Euro an die Empfänger von Wohnungsbauförderungsprämien abgeben werden, steht in Olm (Gemeinde Kehlen) ein Großprojekt mit 800 Wohnungen auf 27 Hektar im Fokus der Zukunftsplanung. Dort sollen auch alternative städtebauliche Ideen zum Tragen kommen.

Guy Entringer betont, dass die SNHBM eine soziale Durchmischung ihrer Wohnanlagen anstrebt und die Zahl der Berechtigten bis weit in den Mittelstand hinein ragt und deutlich größer ist, als von der breiten Öffentlichkeit angenommen.