LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK

Im Gesundheitsausschuss: Budgeterhöhung für das Gesundheitsministerium - Medizinisches Cannabis soll in Zukunft in allen Apotheken erhältlich sein

Cannabis auf Rezept soll künftig in allen Apotheken und nicht mehr ausschließlich in den Krankenhausapotheken erhältlich sein. Das erklärte Gesundheitsminister Etienne Schneider gestern im parlamentarischen Gesundheitsausschuss. Der LSAP-Minister will zeitnah eine erste Bilanz des sogenannten medizinischen Cannabis ziehen. Das Parlament hatte Ende Juni 2018 grünes Licht für die Verwendung von Cannabis zu medizinischen Zwecken in einer Testphase gegeben. Da das Interesse vonseiten der Ärzteschaft an der Weiterbildung groß ist, wird dann auch der damit zusammenhängende Budgetposten im kommenden Jahr von 350.000 auf 1,37 Millionen Euro steigen. Damit sollen sowohl medizinisches Cannabis erworben wie auch die Weiterbildungen finanziert werden, die Ärzten die Verschreibung bei bestimmten schweren Krankheiten erlaubt.

Überhaupt wird Schneiders Ministerium laut Haushaltsplänen im kommenden Jahr über deutlich mehr finanzielle Mittel verfügen. Das Budget des Gesundheitsministeriums wächst um 22 Millionen auf 228 Millionen Euro. Darin enthalten sind etwa 1,3 Millionen Euro für die Aufwertung der Gesundheitsberufe angesichts eines sich laut Einschätzung der Regierung binnen eines Jahrzehnts abzeichnenden Fachkräftemangels. Anfang Oktober hatte Schneider zu diesem Zweck mehrere Maßnahmen vorgeschlagen, etwa attraktivere Bedingungen für junge Ärzte, die eine Praxis in Luxemburg aufmachen wollen oder das Werben für Gesundheitsberufen bei Schülern und Eltern.

Studie über „maisons médicales“

Mehr Mittel sieht der Budgetentwurf ebenfalls für die nationalen Gesundheitspläne vor. Das Budget wächst um 1,2 Millionen Euro auf sechs Millionen Euro. Der Haushaltsposten für die „maison médicales“ beläuft sich auf 4,3 Millionen Euro. Schneider will eine Studie über die Funktionsweise dieser Anlaufstellen der Allgemeinmedizin in Auftrag geben, heißt es in der Zusammenfassung des Parlaments der gestrigen Sitzung. Bei dieser Gelegenheit war auch zu erfahren, dass bislang noch keine Anfrage für die Prämie von 10.000 Euro eingegangen sei, wenn sich Ärzte in einer Gemeinschaftspraxis zusammenschließen.

In einer nächsten Sitzung des parlamentarischen Gesundheitsausschuss erhoffen sich die Abgeordneten weitere Informationen zur nationalen „E-Santé“-Strategie. Das damit verbundene Budget steigt von 2,1 auf 3,8 Millionen Euro. Die großen Projekte in diesem Dossier sind das elektronische Rezept beziehungsweise Verschreibung und die elektronische Patientenakte („dossier de soins partagé“, DSP).

Auf Nachfrage eines Abgeordneten erklärte eine Vertreterin des Gesundheitsministeriums, dass die Präexpositionsprophylaxe (PrEP) in Luxemburg verfügbar ist und von der Gesundheitskasse (CNS) im Rahmen eines Pilotprojekts übernommen wird. Ziel sei es, diese Methode langfristig anzubieten. Die HIV-Präexpositionsprophylaxe dient laut Angaben der Deutschen Aidshilfe der Vorsorge vor einem möglichen HIV-Kontakt. „Bei dieser Schutzmethode nehmen HIV-negative Menschen ein HIV-Medikament ein, um sich vor einer Ansteckung mit HIV zu schützen.“

Informiert wurden die Abgeordneten dann auch noch darüber, dass mit Blick auf die Pläne der Regierung für einen nationalen Dienst im Bereich der Umweltmedizin zwei Krankenhäuser Projekte eingereicht haben. Eine Entscheidung soll in den kommenden Wochen fallen.