LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Programm für das Jahr 2019 vorgestellt - Fokus auf eigene Sammlung und Kollaborationen

Temporäre Ausstellungen mit unterschiedlichem Umfang und verschiedenen Ambitionen, weltweit renommierte Künstler und Nachwuchstalente versprach die Direktorin des Mudam, Suzanne Cotter, gestern bei der Vorstellung des Programms für das kommende Jahr. Die Mudam-Sammlung sei 2019 von zunehmender Bedeutung, erklärte sie: „Ohne unsere Kollektion wären wir nicht das, was wir sind. Es ist uns deshalb wichtig, ihr noch mehr Sichtbarkeit zu verleihen, um sie einem größeren Publikum im In- und Ausland bekannt und zugänglich zu machen. Wir sind dabei, eine Strategie zu entwickeln, um sie auch außerhalb der Grenzen Luxemburgs zu einer Referenzsammlung zu machen“. Sie umfasst übrigens rund 700 Werke.

Kollaboration bleibe ein wichtiges Schlüsselwort. „Alles, was wir machen, ist das Resultat einer engen Zusammenarbeit, dies untereinander im Team, mit dem Publikum, den Künstlern, Schriftstellern, Denkern und im Allgemeinen kulturellen Produzenten“, unterstrich Cotter. Für das Programm 2019 habe man mit renommierten Institutionen in Europa und den USA zusammengearbeitet. Nennen kann man etwa das Münchener Museum Brandhorst für die Ausstellung von Jutta Koether, die Berner Stiftung Paul Klee für „Etel Adnan et les Modernes“ und das New Yorker „Whitney Museum of American Art“ für „History keeps me awake at night“ von David Wojnarowicz. Diese Kollaboration wolle man in der ganzen Welt ausbauen, sagte Cotter.

Bei den 2019 gebotenen Ausstellungen werden wiederum Werke aus unterschiedlichen Disziplinen und verschiedenen Jahrzehnten gezeigt. Suzanne Cotter spricht in diesem Kontext gerne von „Art contemporain historique“. „Wir leben im zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts. Technisch gesehen definiert man zeitgenössische Kunst als solche ab den 1960er Jahren. Dies war ein Moment des Umbruchs, nicht nur im Kunstbereich sondern auch gesellschaftlich und politisch gesehen. Im 21. Jahrhundert erleben wir natürlich immer noch einen ständigen Wandel, was sich ebenfalls auf die Kunst auswirkt“, erklärte sie.

Kunst „extra muros“

Die Umgebung des Mudam wird nächstes Jahr verstärkter in das Programm eingebunden. Damit sei indes nicht nur das Areal auf dem Kirchberg-Plateau selbst gemeint, vielmehr will man sich durch die Zusammenarbeit mit anderen Institutionen zunehmend außerhalb der eigenen Mauern zeigen, hieß es weiter. „Das Museum ist ein privilegierter Ort für die Kunst. Es soll aber nicht der einzige Kontext sein, in dem unsere Sammlung gezeigt wird“, so Cotter. Derzeit sei man dabei eine Partnerschaft mit der Stadt Luxemburg aufzubauen, um Werke ganz gezielt in die tägliche Wegstrecke der Einwohner einzubinden. „Dieses Projekt liegt uns sehr am Herzen, weil es der Beginn einer Form des Dialogs mit dem Publikum über die zeitgenössische Kunst und die Rolle des Museums ist“, sagte Cotter.

Das Programm 2019 ist wiederum in drei Perioden aufgeteilt: Winter/Frühling, Frühling/Sommer und Herbst/Winter. Ein paar Highlights haben wir für Sie herausgepickt. Außerhalb der Museumsmauern beginnt das Jahr 2019 im Januar im „Park Dräi Eechelen“ mit der Skulpturenserie „Privileged Points“ der iranischen Künstlerin Nairy Baghramian. Eine der monumentalen Skulpturen wird ihren Platz derweil bis zum 22. September im „Grand Hall“ finden. Mitte Februar präsentiert das Museum die erste große Retrospektive des Jahres, die Jutta Koether gewidmet ist. 1958 in Berlin geboren, übt die Malerin, Performancekünstlerin, Musikerin, Schriftstellerin, Kritikerin und Theoretikerin heute einen großen Einfluss auf junge Künstler aus. Im Mudam werden unter dem Titel „Tour de Madame“ rund 100 teils großformatige Werke aus einer Schaffenszeit von 35 Jahren gezeigt, darunter 15 neue Bilder. Da sich das Mudam darum bemüht, die zeitgenössische Kunst in all ihren Facetten zu zeigen, wird vom 6. Februar bis 3. März der Choreograf und Tänzer Adam Linder empfangen, um sein experimentelles, sehr körperliches Projekt „Full Service“ zu präsentieren.

Erste große Bert-Theis-Retrospektive

Die „Printemps/Été“-Saison beginnt am 6. April mit einer umfangreichen Ausstellung des Werks des Luxemburger Künstlers Bert Theis (verstorben im Jahr 2016). „Diese Schau reiht sich in die Serie ein, die wir der luxemburgische Kunstszene widmen“, bemerkte Christophe Gallois. Es ist die erste Bert-Theis-Retrospektive überhaupt, zu deren Gelegenheit auch eine Publikation präsentiert wird. Gezeigt werden über 100 Werke dieses wichtigen und engagierten Künstlers, unter anderem auch Zeichnungen, Fotografien und Videos, die den Entstehungsprozess seiner Projekte im öffentlichen Raum dokumentieren.

Einen Ausblick auf das Jahr 2020 gab es gestern auch. An Edward Steichens „Family of Man“ anknüpfend, wird die umfangreiche und spartenübergreifende Ausstellung „The Human Family“ auf die Beine gestellt, die, so Cotter, den Zustand der Welt, in der wir heute leben, widerspiegele. Darüber hinaus wird 2020 die zweite Auflage des „Red Bridge Project“ in Zusammenarbeit mit der Philharmonie und dem Großen Theater stattfinden.

Das ganze Programm unter www.mudam.lu