LUXEMBURG
MARCO MENG

RTL Télé Lëtzebuerg will Zuschauerzahl erhöhen - mit mehr luxemburgischen Inhalten

Was 1969 mit einem wöchentlichen Fernsehprogramm begann und woraus 1991 ein tägliches wurde, das wird nun weiter ausgebaut. „Eine wichtige Etappe für RTL Télé Lëtzebuerg“, sagte gestern Christophe Goossens, Geschäftsführer von RTL Luxemburg.

Die Sendergruppe erweitert ihre Palette nicht nur mit digitalen Inhalten und englischsprachigen Angeboten, ab 20.00 abends sollen auch mehr luxemburgische Inhalte zu finden sein: Nachrichten, Unterhaltung, Kultur, Sport. Damit hofft der Sender, den zuletzt sinkenden Zuschauerzahlen entgegenzuwirken. Zum anderen ist letztes Jahr die Sender-Konzessionsvereinbarung mit dem Staat erneuert worden: Der wird ab 2021 das defizitäre luxemburgische Fernsehprogramm mit jährlich zehn Millionen Euro bezuschussen. Dafür muss RTL einen öffentlich-rechtlichen Auftrag erfüllen. Die Ausweitung des Programms sei zwar auch mit Risiken behaftet, erklärte RTL-Chef Goossens dazu, „aber der Esprit ‚trau dech’ ist ein Teil von uns“. RTL hatte zuvor Befragungen zu Zuschauerwünschen durchgeführt, denen das Unternehmen nun nachkäme - mit mehr in- und ausländischem Live-Sport, dem täglichen „Familienduell“, luxemburgischen Animations- und Spielfilmen, mehr Reportagen. Da im Land in den letzten Jahren auch das Kulturangebot „explodiert“ sei, wolle man dem mit mehr Interviews, Künstlerporträts und Kultur-„Talks“ Rechnung tragen.

Um näher an den Menschen zu sein, soll das Abendprogramm um insgesamt rund 200 Stunden pro Woche ausgebaut werden. Der Sender hat rund 130.000 Zuschauer jeden Tag und erreicht wöchentlich etwa 51 Prozent der Bevölkerung Luxemburgs.

Werbung soll gesehen werden

Da sich durch die Digitalisierung auch das Zuschauerverhalten geändert hat, überarbeitet RTL Lëtzebuerg derzeit seine digitalen Angebote. Es wird europaweit mehr ferngesehen, auch mobil. Neue Konzepte seien also nötig, denn das Problem dabei ist die Fernsehwerbung: Rund die Hälfte davon wird heute nicht mehr geschaut. Das sagte Stéphane Coruble, Chef des internationalen Werbevermarkters „RTL AdConnect“ der RTL Group. Unter dem Begriff „Reach more with Total Video“, sollen digitaler und klassischer Fernsehkanal kombiniert werden. Dank neuer Technologien können die Werbekunden ihre Inhalte zielgenau auf die verschiedenen Nutzergeräte - vom Smartphone über das Fernsehgerät bis zum Tablet - zuschneiden, um breitere Zielgruppen zu erreichen. Einer der wichtigsten Trends sei auch die Möglichkeit, direkt am Fernseher oder dem mobilen Gerät Werbeinhalte („smart clips“) einzublenden, die - auch via Geolokalisierung - auf die Präferenzen des jeweiligen Zuschauers zugeschnitten sind. Möglich wird dies durch vernetzte TV-Endgeräte mit HbbTV-Technologie und immer ausgefeilteren Datenauswertungssystemen.

Die RTL Group beschäftigt derzeit knapp 700 Mitarbeiter auf dem hauptstädtischen Kirchberg, wo der Sender letztes Jahr mit dem Gebäude „RTL City“ die „neue Hauptstadt für Total Video Luxemburg“ einweihte.