BERLIN
DPA/LJ

„Reporter ohne Grenzen“: Mindestens 65 Journalisten 2017 wegen ihrer Arbeit getötet

Korruption und organisierte Kriminalität - in vielen Ländern riskieren Journalisten, die darüber berichten, ihr Leben. Nach Angaben von „Reporter ohne Grenzen“ (ROG) sind in diesem Jahr 65 Journalisten in Zusammenhang mit ihrer Arbeit getötet worden, fast die Hälfte davon außerhalb von Regionen mit bewaffneten Konflikten. In Ländern wie Mexiko oder den Philippinen gerieten Journalisten oft ins Visier ihrer Mörder, weil sie über Themen wie Korruption oder organisierte Kriminalität berichteten, teilte die Organisation am gestrigen Dienstag in Berlin mit.

Syrien und Mexiko am gefährlichsten

Am gefährlichsten ist es für Journalisten, Bürgerjournalisten und Medienmitarbeiter laut der ROG-Jahresbilanz der Pressefreiheit in Syrien (12 Medienschaffende getötet), Mexiko (11), Afghanistan (9), dem Irak (8) und auf den Philippinen (4). Weltweit seien mindestens 326 Medienmitarbeiter in Haft, fast die Hälfte davon allein in fünf Ländern: in China, der Türkei, in Syrien, dem Iran und Vietnam.

So halte die Justiz in der Türkei Journalisten systematisch über längere Zeiträume in Untersuchungshaft und ohne ein Gerichtsurteil hinter Gittern. So sei gegen den deutschen Korrespondent Deniz Yücel („Die Welt“), der seit Februar in Haft sitzt, bisher noch nicht einmal Anklage erhoben worden. Verschärft habe sich die Lage der Medien auch in Vietnam, wo mindestens 25 Blogger verhaftet oder des Landes verwiesen worden seien. Bis Ende 2017 seien weltweit 54 Medienschaffende entführt worden - die meisten in Syrien, im Jemen und im Irak. Allein in Syrien sind laut ROG-Bericht derzeit mindestens 22 einheimische und sieben ausländische Medienschaffende in den Händen bewaffneter Gruppen, einige davon seit mehr als fünf Jahren. In manchen Fällen würden Angehörige und Kollegen deren Schicksal erst nach Jahren bekanntgeben. Sie befürchten sonst, das Leben der Entführten zusätzlich zu gefährden.

ROG fordert die Vereinten Nationen auf, endlich zu handeln: Ein UN-Sonderbeauftragter für den Schutz von Journalisten könnte völkerrechtliche Vorschriften durchsetzen und damit die Zahl von Übergriffen und Gewaltakten wirksam verringern. Zwar habe die UN bereits entsprechende Resolutionen verabschiedet. Sie hätten aber bislang kaum Auswirkungen auf die Lage der Medienleute.

Medienfreiheit: Luxemburg auf Platz 15

Was nun die Pressefreiheit anbelangt, so belegt Luxemburg hier, wie auch bereits 2016, nur Platz 15 unter 180 Ländern, nachdem es 2015 sogar auf Platz 19 gelistet war, zwischen 2012 und 2014 jedoch Platz vier belegte. Ein Grund, warum die Informationsfreiheit in Luxemburg unter Druck steht, dürfte der LuxLeaks-Skandal sein.

Deutschland liegt indes unverändert auf Platz 16. Hier sollen Journalisten vielen tätlichen Angriffen, Drohungen und Einschüchterungsversuchen ausgesetzt gewesen sein. Auch in Frankreich (Platz 39) wurden Journalisten während des Wahlkampfes wiederholt verbal von Politikern angegriffen.

In den USA (Rang 43) hat die juristische Verfolgung von Investigativjournalisten und Whistleblowern indessen besorgniserregende Ausmaße angenommen.