LUXEMBURG
CLAUDE KARGER

Die „Fondation Autisme Luxembourg“ eröffnet heute offiziell ihr neues Zentrum in Capellen

Die Nachfrage ist enorm. Im vergangenen Jahr griffen insgesamt 226 Familien auf die Dienste der „Fondation Autisme Luxembourg“ (FAL) zurück. Ein Rekord. Noch vor fünf Jahren waren es lediglich 75.

Die FAL, 1996 gegründet aus der Feststellung heraus, dass es nicht genügend Betreuungsstrukturen für Autisten und Anlaufstellen für betroffene Familien gab, betreibt derzeit drei Foyers für 20 Personen und ein „Centre de Jour“ in Munshausen, wo die Bewohner auch arbeiten, einen Diagnosedienst für autistische Störungen sowie einen Beratungs-, respektive Weiterbildungsservice für alle Personen, die mit Autisten zu tun haben, und einen Unterstützungsdienst für Familien. Des Weiteren eine Gruppe von Personen mit Asperger, in der diese soziale Kompetenzen trainieren können.

Freiwillige und Spenden gesucht

Sehr wichtig ist auch der „Service Loisirs“, der Freizeitaktivitäten für die Foyer-Bewohner anbietet und die betroffenen Kinder, respektive Jugendliche, die noch in ihrer Familie leben. „Sich um ein autistisches Kind zu kümmern ist sehr anstrengend. Wir stehen den Eltern zur Seite, damit die auch etwas entspannen können, respektive sich um ihre anderen Kinder kümmern können“, erklärt FAL-Kommunikationsmanager Alexander Jacoby. Bei den Freizeitaktivitäten gilt: Für jeden Teilnehmer ist jeweils ein Betreuer dabei. Meist handelt es sich um ausgebildete Freiwillige. „Jeder, der mitmachen will, ist willkommen“, betont Jacoby. Denn es mangelt oft an Freiwilligen, genau wie es an Finanzen mangelt, um diese Aktivitäten zu finanzieren. Auch wenn Familienministerium und Pflegeversicherung kräftig unterstützen: Die FAL, die derzeit 77 Vollzeitposten zählt, bleibt auf Spendengelder angewiesen.

„Die Entwicklung der Dienstleistungen richtet sich nach der Nachfrage der Familien“, erklärt Alexander Jacoby weiter. Die Ansprüche wachsen. Deshalb expandiert die FAL auch gerade. Ende letzten Jahres ist das Diagnose-Zentrum aus der Hauptstadt in ein ehemaliges Haus der Forstverwaltung in Capellen umgezogen. Ein Schritt, der es unter anderem ermöglichte, ein Pilotprojekt für die außerschulische Betreuung von vier autistischen Kindern zu starten. Das neue FAL-Hauptquartier wird heute Nachmittag am Welt-autismustag offiziell eingeweiht. Interessierte sind ab 16.00 willkommen an der Adresse 68, route d’Arlon in Capellen. Anschließend findet im „Centre Culturel“ des Dorfes eine Konferenz mit einer englischen Autismus-Spezialistin statt, die insbesondere auf die spezifischen Ansprüche von älteren Autisten eingehen wird.

Neubau in Rambrouch

Stichwort ältere Autisten: Die FAL ist zuversichtlich, dass noch in diesem Jahr die Arbeiten an einem Wohnprojekt für solche Personen in Rambrouch beginnen können. Der Neubau soll insgesamt 24 Personen aufnehmen können und 2015 fertig gestellt sein. Pünktlich zum Weltautismustag hat der Regierungsrat übrigens am vergangenen Freitag grünes Licht für die Teilnahme des Staats an der Finanzierung der Einrichtung gegeben. Er trägt mit knapp 2,3 Millionen Euro 70% der Kosten.
www.fal.lu