LUXEMBURG
DANIEL OLY

Pilotenumfrage zeigt großes Verbesserungspotenzial der Sicherheitskultur

Die Flugunternehmen Europas sind sicher - aber es könnte besser sein. Das gehe aus einer Studie hervor, die von der „London School of Economics and Political Science“ (LSE) durchgeführt wurde und am gestrigen Montag von der „Association Luxembourgeoise des Pilotes de Ligne“ (ALPL) und der „European Cockpit Association“ (ECA) vorgestellt wurde.

Im Rahmen des „Future Sky Safety“-Programms wurde die Studie zusammen mit EUROCONTROL angefertigt, auch im Interesse der Europäischen Kommission. Dafür wurden mehr als 7.000 Piloten anonym zu ihren eigenen Einschätzungen zum Thema Sicherheit und Sicherheitskultur in ihren jeweiligen Flugunternehmen befragt. Die Namen der Unternehmen hingegen spielten keine Rolle: „Wir wollen keine spezifischen Unternehmen herauspicken - hier geht es um die gelebte Sicherheit insgesamt“, meint ECA-Präsident Dirk Polloczek. Stattdessen soll die Studie das subjektive Sicherheitsgefühl der Piloten aufzeigen.

Müdigkeit und Zeitdruck

Eine klare Aussage: Es gibt keine „Superpiloten“, denn besonders der Faktor der Müdigkeit spielt immer noch eine große Rolle bei knapp 60 Prozent der Befragten. Besonders alarmierend: Nur 22 Prozent von ihnen denken, dass das Thema von ihren Luftfahrtunternehmen ernst genommen wird. „Dabei geht die ,Just Culture‘ verloren, ein gegenseitiges Vertrauen, bei Beschwerden auch fair behandelt zu werden“, meint ALPL-Generalsekretär Dirk Becker.

Neben den Bedenken zur Müdigkeit zeigt die Studie aber insbesondere, dass bestimmte Branchen besonders stark von einer schlechteren Sicherheitskultur betroffen sind: Piloten von Frachtunternehmen und Low-Cost-Carriern (sogenannten Billigfliegern) legen insgesamt die schlechtesten Bewertungen ab.

Das zeige deutlich, dass eine klare Verbindung zwischen den wirtschaftlichen Faktoren - unter anderem Wettbewerbsfähigkeit und Zeitdruck - einen Einfluss auf die Sicherheitskultur haben. Ebenfalls alarmierend: Besonders junge Piloten befinden sich oft in einer atypischen Jobsituation ohne Festeinstellung - auch diese Verträge haben einen Einfluss auf die Sicherheitskultur, wie die Studie zeigt. So sind es denn auch diese drei Pilotenklassen, die die schlechtesten Werte liefern.

Auch aus Luxemburg nahmen insgesamt 222 Piloten teil. Damit ist Luxemburg mit 33 Prozent der Beschäftigten im Teilnehmerfeld überdurchschnittlich stark repräsentiert. Auch hierzulande zeigt sich ein ähnliches Bild: Mit einem Frachtpiloten-Anteil von 70 Prozent spielen Faktoren wie Müdigkeit und die Managementsituation auch im Großherzogtum ein klares Bild: „Die hohe Teilnehmerrate zeigt: Die Piloten in Luxemburg beschäftigen sich mit dem Thema der Sicherheit und wollen
sich Gehör verschaffen“, meint Becker. Besonders signifikant sei daher, dass Luxemburg in fünf der elf Messgrößen
am schlechtesten
abschneidet. Und durch den Ausbau des Flughafens Findel sieht Becker auch in Zukunft einen negativen Trend: „Dadurch werden auch vermehrt Low-Cost-Linien Luxemburg als Destination aufnehmen“, merkt er an.

Daher der aus der Studie hervor gehende Appell der ECA und ALPL: „Jetzt ist es an der Politik, um Aufsichtsbehörden und Unternehmen zusammen die richtigen Schlüsse ziehen“, wie Dirk Becker betont. Polloczek pflichtet bei: „Wir müssen aufpassen, dass dieser bedenkliche Trend nicht anhält, denn sonst können wir unseren hohen Sicherheitsstandard nicht mehr halten“.