LUXEMBURG
SOPHIA SCHÜLKE/FLORENCE NITSCHMANN

„Luxembourg Science Center“ macht Jugendlichen die Naturwissenschaften schmackhaft

Roboter fernsteuern, an einer Trainingstafel die Beleuchtung eines Autos ausprobieren und mit Silikonsand bauen. Oder entdecken, wie eine Tesla-Spule funktioniert und dass hinter einem eingeschlagenen Nagel das Newton-Pendel steckt: Die Formen, um Kinder und Jugendliche an mathematische, naturwissenschaftliche und technische Phänomene heranzuführen, sind im „Luxembourg Science Center“ einfach und vielfältig. In dem neuen Bildungszentrum in Differdingen will man die Jugend an derzeit 55 Stationen für Technik begeistern.

Am Dienstag sind die ersten jungen Leute, insgesamt 250 Schüler aus 35 Ländern, durch die Anlage gezogen und haben vieles ausprobiert. An den Stationen finden sich Teams zusammen, es wird gelacht, sich gegenseitig angefeuert, einige Schüler übernehmen auch klar die Führung ihrer Gruppe, um möglichst schnell den richtigen Dreh zu finden.

Kleine Experimente kommen gut an

„Durch die kleinen Experimente, die wir hier machen, wird es zukünftig in der Schule einfacher, gewisse Dinge zu verstehen“, ist sich die 14-jährige Julia aus Belgien sicher. Auch der 15-jährige Matthew aus Frankfurt hat an einer Station, an der Hello-Kitty-Bälle in die Luft gewirbelt werden, Neues entdeckt: „Ich wusste nicht, dass der Ball in der Luft bleibt, weil es das gleiche Prinzip wie bei Flugzeugen ist“, erklärt der Schüler. Marike aus den Niederlanden sieht vor allem den Unterhaltungswert: „Es macht Spaß, all die Stationen auszuprobieren, nur glaube ich, dass es eher darum geht, Spaß zu haben als wirklich etwas zu lernen“, sagt die 16-Jährige. Filippo aus Brüssel schaut sich erst einmal um. „Ich finde es gut hier, ich interessiere mich vor allem für Mathematik, Chemie und Astronomie“, sagt der 13-Jährige.

„Uns fehlen in den Bereichen Mathematik und Wissenschaften die frühen Berufungen, hier können nun Kinder ab fünf Jahren die Naturwissenschaften kennenlernen“, erklärt Nicolas Didier, Direktor des „Luxembourg Science Center“. Pro Tag rechnet man mit gut 250 jungen Besuchern, bis zum Schuljahresende sind beim „Luxembourg Science Center“ an die 3.000 Reservierungen eingegangen. Zunächst soll die Einrichtung für luxemburgische Schulen kostenlos sein, ab Oktober wird das Zentrum auch für das breite Publikum geöffnet, sodass auch Familien mit Kindern mehr in Berührung mit Naturwissenschaften kommen können.

„Junge Leute können hier sehen, dass Technik nicht nur aus Theorie und Formeln besteht, sondern faszinierend sein kann“, sagt Bildungsminister Claude Meisch. „Wenn das grundlegende Interesse für Naturwissenschaften nicht gelegt wurde, dann ist es meistens mit 15 Jahren auch schon zu spät“, erklärt der Minister. Auch wenn man nicht wisse, wie die Jobs etwa in den luxemburgischen Forschungszentren aussehen würden, etwa in 15 oder 20 Jahren, wenn diese jungen Besucher auf dem Arbeitsmarkt ankommen, müsse man Fachkräfte im Großherzogtum ausbilden. Daher ist das Zentrum auch nur eine von mehreren Initiativen in Schulen, „Maisons Relais“ oder von Projekten wie dem „Makerspace“.

Vergrößerung geplant

In das „Luxembourg Science Center“ im ehemaligen Léierbud-Gebäude von ArcelorMittal wurde einiges investiert. „Die neun Millionen Euro kommen zu jeweils 50 Prozent von Staat und Stiftungen und Privatunternehmen“, erklärt Direktor Nicolas Didier. Beteiligt sind neben dem Bildungs- und Kulturministerium auch Stiftungen wie die André und Henriette Losch-Stiftung, die Œuvre Grande-Duchesse Charlotte, die Fondation Lanners und der Fonds National de la Recherche. Auch die EU-Kommission finanziert das Projekt mit, zudem arbeiten zahlreiche Universitäten, etwa von Lüttich, Saarbrücken, Metz, Nancy und Luxemburg, mit. Überdies unterstützen verschiedene Unternehmen das „Luxembourg Science Center“, darunter ArcelorMittal, Cargolux, Delphi, Goodyear, SES-Astra, CFL und die Post.

In seiner ersten Phase befindet sich das Zentrum in der alten Ausbildungsstätte „Léierbud“, wo es einen Ausstellungs- und ein Experimentierbereich von rund 2.500 Quadratmetern zu entdecken gibt. In einer zweiten Phase soll sich die Fläche auch auf historische Gebäude von ArcelorMittal ausdehnen. In der abschließenden Phase wird es mehrere hundert Versuchsstationen auf rund 20.000 Quadratmetern geben.

Mehr Infos unter www.science-center.lu